Schulentwicklungsplan: Jülich muss Grundschulen nachrüsten

Schulentwicklungsplan : Jülich muss Grundschulen nachrüsten

Der neue Schulentwicklungsplan empfiehlt Millionen-Investitionen um die Zahl der Räume aufzustocken. Während es bei den weiterführenden Schulen gut aussieht, besteht bei den Grundschulen Nachholbedarf.

Unter anderem über den Jülicher „Männerkomplex“, den umgekehrten „Titz-Effekt“ und die „spitzenbegabte“ Herzogstadt plauderte Wolf Krämer-Mandeau vom Bonner Büro biregio, als er im Ausschuss für Jugend, Familie, Integration, Soziales, Schule und Sport die Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes für die nächsten fünf Jahre vorstellte. Der Schulplaner hatte dazu nicht nur Daten des Einwohnermeldeamtes ausgewertet, sondern durch Ortsbegehungen und Gespräche die jeweiligen Schulen und Raumnutzungen unter die Lupe genommen. Insbesondere ging es darum, Raumoptimierungen im Hinblick auf die offenen Ganztagsschulen auszuarbeiten, zumal diese ab 2025 Anspruch auf einen Betreuungsplatz haben.

Festgestellt hat Krämer-Mandeau eine spannende Demografie insofern, als die ungleiche Geschlechterverteilung in Jülich mit dem eklatanten Männerüberschuss bei den 20- bis 30-Jährigen eher Städten wie Aachen oder Bonn gleicht. Zudem zieht der „Männerkomplex“ in allen Ortsteilen eine geringere Zahl von Geburten nach sich. „Sie müssen frauenfreundlicher werden“, sieht der Experte hier Handlungsbedarf. In Jülich gebe es „mehr 80-Jährige als Geburten“.

1,75 Räumen pro Klasse

Handlungsbedarf bei der Ausstattung mit Räumen sieht Krämer-Mandeau bei den Grundschulen, die weiterführenden Schulen – Sekundarschule und Gymnasium Zitadelle – seien gut ausgestattet. Als Faustformel geht der Planer im Grundschulbereich von 1,75 Räumen pro Klasse aus. Diese Quote wird momentan von der Katholischen Grundschule (KGS) erfüllt, die allerdings nur über eine Mini-Mensa verfügt. Hier empfiehlt Krämer-Mandeau die Mitnutzung der benachbarten Mensa des Schulzentrums.

Die vierzügige Nordschule an der Berliner Straße benötigt weitere Räume und eine Mensa, die vom Dach- ins Erdgeschoss zieht. Der Planer macht hier konkrete Vorschläge, wie die Erweiterung zu bewerkstelligen ist. Je nach der Zahl von Aus- und Einpendlern kann der ein- bis zweizügige Grundschulstandort Welldorf seine Gebäude auslasten oder gegebenenfalls die Klassencontainer abbrechen. Der Planer sprach hier vom „umgekehrten Titz-Effekt“: Während früher viele Eltern aus der Nachbarkommune ihre Kinder nach Welldorf in die Grundschule schickten, hat sich mit Gründung der Primusschule der Trend Richtung Landgemeinde gedreht.

Die dreizügige Grundschule West in Koslar benötigt vier weitere Klassenräume, die in einem doppelstöckigen Anbau zu realisieren wären. „Das Kollegium muss sich schon sehr mögen“, konstatierte Wolf Krämer-Mandeau angesichts des Mini-Lehrerzimmers der dreizügigen Promenadenschule, der mit der ehemaligen Hausmeisterwohnung eine Ausweichmöglichkeit auch für Lehrerarbeitsplätze zur Verfügung stünde. Vergrößert werden müsste nach Ansicht des Experten auch das Mini-Sekretariat, dem noch ein Putzraum zugeschlagen werden könne. Zu überlegen sei auch der Neubau einer vergrößerten Mensa. „Wir müssen etwas machen“, nahm Dezernentin Doris Vogel als Fazit aus dem Vortrag für das weitere Vorgehen der Stadt mit. So gilt es, insbesondere das Bauprogramm und die damit verbundenen Kosten zu ermitteln. Im Ausschuss war hier schon von Millionen-Investitionen die Rede.

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