Jülich: Lazarus-Taufzeremonie nach uraltem, unveränderten Ritual

Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus : Taufzeremonie nach uraltem, unveränderten Ritual

Die Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus Jülich tauft in der Jubiläumssession 29 x 11 Jahre den Lazarussohn mit Hilfe des neuen Pattühms Luc Rey. Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt des Kinder-Dreigestirns.

Seit 29 x 11 Jahren besteht in Jülich die historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus. Es hat sich viel geändert im Lauf der Jahrzehnte: Der Ellbach führte mal mehr Wasser, mal weniger, in letzter Zeit ist er als solcher kaum noch zu finden. Mal gab es ein Kinderdreigestirn, mal keins, im Jubiläumsjahr stellt die jubilierende Gesellschaft erfreulicherweise ein komplettes Trifolium mit allem Drum und Dran. Nur nicht mit einer Jungfrau, wie irrtümlich in unserem Bericht zur Inthronisation gemeldet. Nein, in Jülich ist ihre Lieblichkeit eine Prinzessin und die heißt wie vermeldet zwar Lisa, aber entstammt nicht dem Schlader-Stamm, sondern dem der Sußmanns.

Nicht geändert hat sich die in Beton gegossene Taufzeremonie des Lazarussohnes nach uraltem, unveränderten Ritual. Natürlich stand zu Beginn der Veranstaltung im Kuba der Aufmarsch der Lazarusbrüder mit dem gemeinsamen Singen des Nationalliedes des Lazarus Strohmanus – nicht immer notenfest, aber einfach schön. Fester Bestandteil des Programms ist der Auftritt des Kinderdreigestirns, wenn es eins gibt. Aber diesmal hatten die jecken Regenten noch ein absolutes cooles Novum vorzuweisen. Mit Eltern und Literat Peter Sußmann traten die Nachwuchskarnevalisten als eigene Band an und rockten an Gitarre, Schlagzeug und Bass die Bühne mit ihrem Sessionslied. 

Seit Beginn der Session ist David Ningelgen neuer Präsident der Gesellschaft und hat somit die ehrenvolle Aufgabe, die Taufzeremonie zu leiten und den in perfektem Latein (so hörte es sich zumindest an) verfassten Taufnamen zu verlesen, während der Pattühm das Taufwasser zumindest ansatzweise gezielt dem Täufling entgegen wirft. Unterstützt wurde der Präsident von Vorjahres-Pattühm Guido von Büren, dem ob seiner schriftlichen Fixierung wertvoller Lazarus-Texte ein besonderer Dank galt.

Aktueller Taufpate und damit Träger des Hexenturmordens 2019 ist Luc Rey. Näheres zu seiner Person ist dem Taufnamen zu entnehmen. Auch er dankte der Gesellschaft für das große ihm entgegen gebrachte Vertrauen und besonders Senatspräsident Dr. Linus Wiederholt für die Nichtinanspruchnahme des ausschließlich ihm zustehenden Vetorechts bei der Kandidatenauswahl. 

Da zu vermuten war, dass sich im Saal auch Nicht-Lateiner befanden, wurden diese mit der Verlesung der deutschen Übersetzung zu Namenswissenden gemacht. Damit auch potentiell anwesende „Immernochnichtkapierthabende“ aufgeklärt wurden, folgte eine weitere Version auf Platt. Wie es sich für einen Vertreter der Zunft der Apotheker gehört, hatte Luc Rey einen eigenen Fläschchenorden im Gepäck, der großzügig im Saal verteilt wurde.

Das gemeinsame Singen des Nationalliedes des Lazarus Strohmanus ist fester Bestandteil der Jahrhunderte alten Taufzeremonie. Foto: Guenter Jagodzinska / Max Jago/Günter Jagodzinska

Da die in den Fläschchen enthaltene hochprozentige Flüssigkeit zum Taufen zu klebrig gewesen wäre, wurde sie sinnvollerweise dem Individualgenuss zugeführt. „Das fühlt sich großartig an, hier oben zu stehen“, verriet der stolze Pattühm und bewies seine unbestreitbare Befähigung für das Amt mit einem Gedicht über einen kranken Mann, dem er weder Pillen, Salben noch Tees zur Heilung empfahl, sondern einen Gang am Veilchendienstag durch Jülichs Straßen. Am Aschermittwoch traf er dann den kerngesunden ehemals kranken Mann, des Rätsels Lösung: „Was ist dir denn passiert? Der Lazarus hat mich kuriert!“

Im musikalischen Rahmenprogramm besang Bernd Pflaumen-Flücken sein Lieblingsgetränk Pflaumenschnaps, die Vorzüge des Besitzes einer Rievkooche-Buud und die Pleite des Puffs, die Merzbachtaler Musikanten besetzten perfekt alle Zwischenpassagen und Tuschanforderungen, die Backes Band heizte mit ihren großartig gecoverten Rockhits und Kölschrock die Stimmung an. Doch nicht nur das Gehör wurde reichlich verwöhnt, optische Leckerbissen waren die Choreographien der TSG Schwarz-Gelb Jülich und des Männerballets der KG Inden/Altdorf. Auf eine herrlich jecke Reise durch den Alltag nahm Ralph Kuhn als „Ne Usjeflippte“ die Karnevalsjecken im Saal mit und erntete mit seinen Spitzen und Pointen Lachsalven.

(jago)
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