Jülich: Koslarer Skepsis ob der Bahn-Pläne

Reaktivierung der alten Jülicher Kreisbahn : Koslarer Skepsis ob der Bahn-Pläne

Die Idee der Reaktivierung der Jülicher Kreisbahn nach Puffendorf stößt im Jülicher Stadtteil Koslar auf einige Kritik. Die Schiene liegt zwar nur noch teilweise. Aber die Trasse ist weiterhin gewidmet.

Peter Wagner ist seit 17 Jahren Ortsvorsteher in Koslar und wohnt an der Kreisbahnstraße. Wenn er die überquert und noch ein paar Schritte geht, steht er auf der Trasse der Jülicher Kreisbahn, die vor ziemlich genau 20 Jahren ihren Fahrbetrieb eingestellt hat. Die noch vorhandenen Schienen sind längst nicht mehr zu sehen, sondern von allerlei Grünzeug überwuchert – die Natur holt sich langsam die Gleisanlagen zurück, die ehedem Jülich mit Puffendorf verbanden.

Seitdem Überlegungen laut geworden sind, den sogenannten „Brain-Train“ als Schienenverbindung zwischen Jülich und Aachen zu realisieren, steht auch die Reaktivierung der Trasse quer durch Koslar wieder zur Debatte. Das hat Anlieger der Strecke aufgeschreckt, die zwar 2007 offiziell stillgelegt worden ist, aber nach wie vor rechtlich abgesichert und im geltenden Bebauungsplan enthalten ist.

Mit Ortsvorsteher Wagner geht es die Kreisbahnstraße entlang, die parallel zur wenige Meter entfernten Bahntrasse verläuft. „Hier stand früher der Bahnhof“, sagt Wagner, auch wenn von dem Gebäude nichts mehr zu sehen ist. Stattdessen stehen schmucke Einfamilienhäuser und eine Apotheken zwischen Trasse und Straße. Manfred Noisten aus Wachtberg (Rhein-Sieg Kreis) hatte den schmalen und langen Grundstücksstreifen erworben und verwertet. Teilweise hat er ihn selbst bebaut, einzelne Parzellen auch verkauft.

Pachtvertrag gekündigt

Im Haus Nr. 37 hat Helmut Wagner, der Bruder des Ortsvorstehers, seine Versicherungsagentur untergebracht. Beim Bau 2012 ist er unter anderem auf die Fundamente des ehemaligen Bahnhofs gestoßen, auch einen Weichensteller hat er entfernen lassen. Die darüber liegende Wohnung hat er vermietet. Das Gelände unmittelbar hinter dem Haus, das vom satten Grün einer Rasenfläche bedeckt ist, hat er von der Kreisbahn gepachtet. Unter der Grasfläche lagen früher einmal Schienen. Der Pachtvertrag sei im vergangenen Jahr gekündigt worden, berichtet Helmut Wagner, der mit Sorge die Aussicht betrachtet, dass einmal Züge an seinem Haus entlangrattern. „Die Bude kriege ich dann nicht mehr vermietet“, sagt Wagner, der sich mit allen rechtlichen Mitteln wehren würde, wenn die Bahnstrecke tatsächlich reaktiviert werden würde.

„Auch die Nachbarschaft ist nicht begeistert“, stimmt der Ortsvorsteher in das Klagelied seines Bruders ein. Im Gegensatz zu den Häusern am Laachweg und an der Crombachstraße, die durch lange Gärten von der Bahnstrecke abgeschirmt werden, stehen die Häuser an der Kreisbahnstraße direkt am Gleis.

Noch übrig: eine Signaleinrichtung auf der Kreisbahntrasse in Koslar. Foto: Wolters

Der Parkplatz des Netto-Supermarktes, für dessen Ansiedlung der Ortsvorsteher so lange gekämpft hat und den ebenfalls Manfred Noisten hat errichten lassen, bedeckt den Schienenstrang sogar komplett. An der Ecke Kreisbahn-/Rurauenstraße sind die Schienen zwar auf der Fahrbahn noch zu erkennen, doch dahinter verschwinden sie unter der Pflasterung. In der Peripherie des Parkplatzes hat Noisten ein weiteres Projekt geplant: den Bau eines Seniorenheims sowie betreutes Wohnen und eine Cafeteria, die dem gesamten Ort zur Verfügung steht. Dieses Gesamtkonzept hat Noisten entwickelt und anschließend an einen Investor verkauft, der demnächst den Bauantrag bei der Stadt Jülich stellen wolle. Dass die Bahnpläne in Koslar realisiert werden, hält Noisten für ziemlich unwahrscheinlich. Sorgen um frühere und anstehende Vorhaben macht er sich jedenfalls nicht.

Bis in dieser Sache mehr Klarheit herrscht, wird noch viel Wasser die Rur hinabfließen. „Die Machbarkeitsstudie ist noch nicht beauftragt“, sagt eine Sprecherin der Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR) in Köln, die derzeit Abstimmungsgespräche mit allen Initiatoren des Projektes angeleiert hat und noch ganz am Anfang steht. Eine Machbarkeitsstudie werde nicht nur die technische Umsetzbarkeit und die Kosten dafür ermitteln, sondern auch einen Kosten-Nutzen-Indikator beinhalten, bevor eine Entscheidung getroffen werde.

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