Jülich: Klarheit über den abgestürzten Weltkriegsbomber

Tag des offenen Denkmals in Jülich : Klarheit über den bei Jülich abgestürzten Weltkriegsbomber

Am Tag des offenen Denkmals zeigt das Museum Zitadelle erstmals den Motor eines im Zweiten Weltkrieg bei Jülich abgestürzten britischen Bombers und einen römischen Sarg.

Das Museum Zitadelle präsentiert zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag zwei neue Exponate. „Zeitlich umrahmen sie die Geschichte Jülichs“, sagt Christoph Fischer vom Museum. Die römische Aschenkiste, die seit einigen Wochen im Bestand des Museums ist, bringt gut zwei Tonnen auf die Waage. Ein Motor eines britischen Bombers, der am 22. April 1944 gegen 2.20 Uhr morgens über Jülich abgeschossen wurde und in die Merscher Höhe eingeschlagen war, befindet sich seit zwei Wochen in der Sammlung des Museums.

Es handelt sich um einen der vier Motoren, die in den englischen Bombern vom Typ Lancaster verbaut waren. „Wir wissen aufgrund der deutschen und britischen Berichte relativ genau, was passiert ist“, sagt Museums-Mitarbeiter Jacek Grubba. Der Bomber, Typenbezeichnung Avro Lancaster Mark ii mit Bristol Hercules Sternmotoren, war auf dem Rückflug nach einem Bombardement über Köln und wurde von der deutschen Flagstellung auf der Merscher Höhe aus abgeschossen.

Soldatenschicksale bekannt

 „Bekannt ist, dass die Maschine mit einem stundenlangen Feuer fast vollständig ausgebrannt ist“, schildert Grubba weitere Erkenntnisse. Mittlerweile ließe sich ausschließen, dass sterbliche Überreste der Besatzung an der Absturzstelle verblieben sind. Zwei der sieben Soldaten überlebten den Absturz nicht und wurden bestattet, die anderen fünf gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die Sorge der Entwickler des Brainergy-Parks auf der Merscher Höhe, dass weitere Leichenfunde aus dem Absturz die Arbeiten verlangsamen könnten, sind also mutmaßlich unberechtigt.

Der Motor befindet sich mit anderen Weltkriegsfunden – unter anderem der Hülle der Fliegerbombe, die 2012 die Ursache für eine weitgehende Evakuierung des Jülicher Nordviertels war – im Abschnitt der Dauerausstellung zum Thema Weltkrieg. Robert Claßen aus Broich hat den Motor geborgen, zu seiner Geschichte recherchiert und ihn dem Museum zur Verfügung gestellt.

Kaum zu erkennen: Das war mal ein Motor eines britischen Weltkriegbombers, der über der Merscher Höhe abgestürzt ist. Foto: Guido Jansen

Ralf Hertel aus Jülich dabei geholfen, die Aschenkiste wiederzuentdecken und sie an das Museum zu vermitteln. Gefunden worden war sie 1967 in der Nähe von Broich beim Bau der Autobahn 44. In ihr hatten die Menschen vor gut 1850 Jahren die Asche einer Frau und mehrere Grabbeilagen beigesetzt. „Die Frau muss sehr wohlhabend gewesen sein“, schildert Grubba die aus den Beilagen gewonnenen Erkenntnisse. Sie war mutmaßlich eine Bewohnerin einer römischen Villa bei Broich.

Das Gestein der Aschekiste war aus dem Siebengebirge geschlagen worden. Die Beilagen befinden sich heute im LVR-Museum in Bonn. Die Kiste geriet in Vergessenheit, da sie aufgrund ihres Gewichts zunächst nicht wegbewegt werden konnte. Vor Kurzem tauchte sie wieder auf, als die Sammlung von Richard Riediger (Übach-Palenberg) nach dessen Tod aufgelöst wurde.

(jan)
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