Jülich/Inden: Berti und Herbert Jumpertz feiern Eiserne Hochzeit

Vor über 71 Jahren kennengelernt : Berti und Herbert Jumpertz feiern Eiserne Hochzeit

Am Samstag ist es 65 Jahre her, dass sich Berti (86 Jahre, geborene Müller) und Herbert (92) Jumpertz in Jülich das Ja-Wort gegeben haben. Einen Tag später folgte die standesamtliche Trauung in Pier, da, wo Berti Jumpertz groß geworden war.

Der Tag, an dem sie sich kennengelernt hatten, liegt schon über 71 Jahre zurück. Es war auf einer Feier, da liefen die späteren Eheleute sich erstmals über den Weg. Bis dahin hatte jeder bereits ein eigenes Stück Lebensgeschichte geschrieben. Er in Jülich, sie in Pier und Düren. „Ich bin ne ahle Muttkat“, sagt Jumpertz. Ein Jahr hatte er in Jülich als Schreiner gearbeitet. „Damals gab es 22 Pfennig pro Stunde.“

Im Frühjahr 1942 wurde er technischer Junghelfer bei der Bahn und überlebte 1943 beim einem Hallenbau in Jülich-Süd einen alliierten Luftangriff. „Wir hatten sehr viel Glück, die Bomben sind nicht explodiert.“ Kurz nach dem Krieg kehrte er nach Jülich zurück. „Hier war ein einziger Schutthaufen“, berichtet er aus den harten Jahren des Wiederaufbaus. Gelebt hätten viele Jülicher in den Kellern, da sonst kaum ein Stein auf dem anderen gestanden habe. „Wir haben die Steine, die man brauchen konnte, alle sauber gemacht.

Der Wiederaufbau war richtige Knochenarbeit.“ Das Bauen von Gebäuden ist Jumpertz möglicherweise da zur Lebensaufgabe geworden. Beruflich hat ihn das Bauen nicht mehr losgelassen. Das Eigenheim hat er selbst geplant und gebaut, wie er stolz berichtet. 1957 wurde er Meister im Bauhandwerk, war selbstständig und für Firmen tätig, später arbeitete bis zu seiner Rente unter anderem auf den Bauämtern in Jülich, Bergheim und Kerpen.

Berti und Herbert Jumpertz, am Tag ihrer Hochzeit vor 65 Jahren. Foto: Jumpertz

Sie entstammt eine Gastwirtsfamilie aus Pier. Die Gaststätte Müller-Rosarius hatte Bestand, bis der Ort dem Tagebau weichen musste. Oft hat sie da geholfen. Beruflich verschlug es sie aber nach Düren. Sie besuchte die Handelsschule in Düren und wurde Buchhalterin. „Ich habe mitgeholfen, die Industriegewerkschaft Chemie, Papier und Keramik aufzubauen“, berichtet sie. Ein Berufsleben lang arbeitete sie für die Gewerkschaft, die in den 90er Jahren in der IGBCE aufgegangen ist. Viele Menschen habe sie in all den Jahren kennengelernt. Auch ihren späteren Mann, der damals beruflich auch in Richtung Düren unterwegs war. Auf dem Weg zur Arbeit begegneten sie sich häufiger, am 7. Mai 1950 wurde daraus auf der Kirmes in Inden Liebe.

Die Gewerkschaftsarbeit habe sie sehr erfüllt. „Früher gab es über 30 Papierbetriebe im Kreis Düren. Die meisten davon existieren heute nicht mehr“, spricht Berti Jumpertz über den Wandel der Zeit. Von dem hat das Paar viel miterlebt. Viele Jahre lang habe ihr der wachsende Tagebau Inden, der ihre alte Heimat verschluckt, nicht viel ausgemacht. Das ändert sich in den vergangenen Jahren. Die fünf Geschwister, die wie sie teils in der elterlichen Gastwirtschaft geholfen oder diese sogar weiter betrieben haben, sind verstorben. „Wenn ich mittlerweile dieses Loch sehe, dann versetzt mir das doch immer einen kleinen Stich“, sagt sie.

Leidenschaft Teneriffa

Das Paar teilt eine große Leidenschaft: Urlaube auf Teneriffa. Die wollen sie so lange wie möglich machen, das Klima tue gut. Zudem kümmert er sich immer noch mit vollem Einsatz um den gepflegten Garten. „Heute bin ich Hof-, Haus- und Stallmeister“, sagt Herbert Jumpertz und lacht. Noch eine Sache teilen sie. Seit ihrem Hochzeitsjahr abonnieren sie unsere Zeitung, fast jedes Kreuzworträtsel haben sie seitdem gelöst.

Am Sonntag, 26. Mai, wird gefeiert, zuerst mit einer Dankmesse ab 10.45 Uhr in der Propsteikirche, anschließend in kleiner Runde mit Familie und Freunden. Die Redaktion gratuliert den Eheleuten Jumpertz herzlich und wünsch viele weitere Jahre mit Gesundheit und Freude.

(jan)
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