Jülich: Hund rettet Mutter und Tochter vor dem Feuertod

Ehemann als Brandstifter vor Gericht : Hund rettet Mutter und Tochter vor dem Feuertod

Von einem jahrelangen Martyrium mit ihrem Ehemann berichtete am Mittwoch die 53-jährige Nicole R. vor dem Aachener Schwurgericht. Unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen muss sich dort ihr Mann und Vater ihrer vier Kinder, Paul Josef G. (52), wegen versuchten Mordes und wegen schwerer Brandstiftung verantworten.

Dem 52-Jährigen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 9. Mai 2018 gegen 3.30 Uhr das Haus der Familie, in dem er bereits seit einiger Zeit wegen der Eheprobleme nicht mehr gewohnt hatte, angezündet zu haben, das Gebäude brannte völlig nieder. Bislang schweigt der Angeklagte.

Zunächst wollte der Vorsitzende Richter exakt wissen, wie sich die Zeugin und ihre im Haus befindliche Tochter Jil G. (19) vor dem Flammeninferno retteten. Der mit ihnen im Zimmer schlafende Hund, berichtete gleichlautend später Tochter Jil, hatte angeschlagen, sie und die 19-Jährige seien wach geworden. Und dann kam bereits im Flur des Obergeschosses die Flammenwand auf sie zu, machte ihnen eine Flucht über die Treppe unmöglich, sie zogen sich schnellstens in das Kinderzimmer zurück.

Tochter Jil schilderte diesen Moment noch eindringlicher: „Ich stand im Flur und sah nach oben. Da merkte ich, wie aus der Eingangsluke zum Dachboden Benzin tropfte.“ Sie habe das riechen können, habe die Mutter gewarnt, „da ist Benzin!“ Und schon habe sich die bereits auf den Boden des Obergeschosses tropfende Flüssigkeit „explosionsartig“ entzündet. Sie wich ins Zimmer zurück, machte die Türe zu und griff sich geistesgegenwärtig eine Decke, mit der sie die Türritze über dem Boden abdichtete. Dann erreichte man trotz schlechtem Netz die Polizei, auch der Bruder wurde benachrichtigt. „Ihr müsst sofort da raus“, habe der nur gesagt. Da kam der 19-Jährigen die Idee. Sie griff in ihren Vorrat an Schals und knotete einige zusammen, machte das eine Ende am stabilen Schreibtischbein fest. Sodann krabbelten Mutter und Tochter aus dem Fenster und ließen sich auf den Hof herab.

Nicht enden wollender Hass

Selbst angesichts der lodernden Flammen im Dachstuhl habe sie Angst gehabt, dass ihnen beiden unten noch etwas passieren könne, gab die Zeugin an, so furchtbar sei der Druck gewesen, den der aus dem Haus verwiesene Paul Josef G. mit seinen Drohungen aufgebaut habe. Doch Feuerwehr und Polizei kamen unmittelbar an, auch der wachsame Hund konnte vor den Flammen gerettet werden.

Nicole R. berichtete in ihrer stundenlangen Aussage von einem schier nicht enden wollenden Hass, den der Ehemann über die Jahre aufgebaut hatte. Auch die Tochter beschrieb, wie die Familie immer wider terrorisiert und bedroht wurde. Kurz vor dem Brand hatte es Manipulationen am Dachstuhl gegeben, von außen war dort jemand eingedrungen. Der Prozess wird am 29. November vor dem Aachener Landgericht fortgesetzt.