Auf den Spuren des Adelsgeschlechts: Ist Altenburg der Ursprung der Jülicher Herzöge?

Auf den Spuren des Adelsgeschlechts : Ist Altenburg der Ursprung der Jülicher Herzöge?

Altenburg ist verdächtig. Zumindest gibt es einen begründeten Anfangsverdacht, dass das Jülicher Adelsgeschlecht, aus dem die Herzöge hervorgegangen sind, seinen Ursprung in Altenburg hatte. „Wenn man den Ursprung der Jülicher suchen will, dann wäre Altenburg ein guter Ort, um damit zu beginnen“, sagt der Historiker Guido von Büren.

Der Experte für die Vergangenheit im Jülicher Land fügt aber gleich hinzu, „dass man es vermutlich nie wird klären können, wo das Adelsgeschlecht seinen Ursprung hatte.“

Von Guido Jansen Jülich. Altenburg ist verdächtig. Zumindest gibt es einen begründeten Anfangsverdacht, dass das Jülicher Adelsgeschlecht, aus dem die Herzöge hervorgegangen sind, seinen Ursprung in Altenburg hatte. „Wenn man den Ursprung der Jülicher.

Altenburg ist schon des Namens wegen verdächtig. Alte Burg, früher mal gab es dort also eine Burg. Es gibt sie heute noch, zumindest mal das Fundament. Das ist der Hügel, der von der Bundesstraße 56 nordwestlich des Ortes hinter dem Gut Alte Burg zu sehen ist. Die Burg, überwiegend aus Holz gebaut, ist mutmaßlich um 1238 zerstört worden. Sie hat wohl den Vögten gehört, die Jülich im Auftrag des Kölner Erzbischofs verwaltet haben. „Diese Vögte haben meistens außerhalb der Stadtmauern gewohnt“, erklärt von Büren.

Luftbild aus den 1960er Jahren: Der Wassergraben rund um die Motte, der früher mit Rurwasser gespeist wurde, lässt sich noch erahnen. Foto: Museum Zitadelle.

Um 1234 stritten sich die adligen Vögte mit dem Erzbischof um das Stadtrecht für Jülich. Für das Jahr 1238 ist eine Quelle überliefert, die belegt, dass der Erzbischof ein „castrum apud juliacum“ zerstört habe, eine Festung vor Jülich. „Man kann vermuten, dass die Jülicher Grafen anschließend Schloss Hambach als ihren Sitz aufgebaut haben“, sagt von Büren. Ab dem späten 13. Jahrhundert haben sie dort residiert.

Hügel neben einer Siedlung

Motte nennt man die Art Burg, für die ein Hügel neben einer Siedlung aufgeschüttet ist, indem ringsum ein Graben ausgehoben wurde. Der Hügel wurde dann mit massiven Holzzäunen befestigt, in der Mitte befand sich meistens ein Turm. Der könnte im Fall der Motte Altenburg sogar schon aus Stein gewesen sein. Vielleicht gab es auch Mauern. „Mein Großvater sagt, dass er da als Kind gebuddelt hat und auf Mauerreste gestoßen ist“, sagt Thomas Schmidt, Eigentümer des Gutes Alte Burg und damit auch der Motte. Herausfinden darf man das im Moment nicht. Die Motte Altenburg ist ein Bodendenkmal: Buddeln verboten!

Für Schmidt ist die Sache aber zumindest verdächtig. Teile des Gemäuers des Gutes sind Bruchstein, die neu angelegten Mauern des Gutes sind ebenfalls aus Bruchsteinen, die laut Schmidt über Generationen beim Beackern des Feldes ans Tageslicht gekommen sind, auf dem sich früher mutmaßlich die Siedlung vor der Motte befunden hat. Das Finden dieser Steine wertet von Büren nicht als Zufall. Im Jülicher Land gibt es einen Natursteinmangel.

Die Steine, die sich in Gut Alte Burg finden und im Hambacher Schloss, sind importiert, vielleicht aus der Eifel. Möglicherweise haben die Jülicher Grafen Teile des Materials der zerstörten Motte zum Bau in Hambach benutzt. „Das war damals üblich. Wenn hier etwas kaputt war, hat man da das Material genutzt, um etwas Neues zu bauen.“

Üblich waren auch die Motten als Bauweise für Burgen im 11. und 12. Jahrhundert. Viele der sogenannten Ministerialen, also im Dienst des Hochadels stehende Beamte — so wie die Jülicher im Dienst des Kölner Erzbischofs — hätten sich damals selbst als Adlige emanzipiert und Motten gebaut. Im flachen Jülicher Land war das besonders praktisch: keine Sophienhöhe, ein 13 Meter hoher Hügel und darauf ein Turm: Der Blick ging Richtung Unendlichkeit und viele Feinde waren schon früh auszumachen. „Die Altenburger Motte war schon gewaltig. Sie zeigt, dass die Jülicher damals schon kein kleines Haus waren“, sagt von Büren.

Geklärt werden kann die Frage, ob die Jülicher ihren Ursprung in Altenburg haben, vermutlich nur mit einer Grabung. Also im Moment nicht.