Fort Napoleon: Die Rundum-Angst der Franzosen

Fort Napoleon : Die Rundum-Angst der Franzosen

Die Franzosen hatten Angst. Beinahe war es ein bisschen wie die Angst des Majestix. Also dem Häuptling aus den Asterix-Comics, der permanent Angst davor hat, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Im Fall von Jülich und den Franzosen war es so, dass Napoleons Landsmänner Angst vor Feinden aus allen Himmelsrichtungen hatten.

Bis 1794 eroberte das revolutionäre Frankreich die linksrheinischen Gebiete und damit auch das Jülicher Land. Die Franzosen, die die Jülicher Festung ausbauten, befürchteten den Angriff eines möglichen Feindes auf den wichtigen Knoten- und Festungspunkt Jülich aus Richtung Osten.

So sahen die ursprünglichen Pläne der Franzosen aus: (Bild oben links) Das Fort Napoleon sollte östlich der Stadtbefestigung liegen. Die Preußen fanden nur noch die Aushebungen des Fundament (Foto oben rechts). Im Scan des Aachener Unternehmens Planlauf (Bild unten links) zeichnet sich ein Teil der Fort-Fundamente in der oberen Bildmitte ab. Mit Blick vom Fuß der Merscher Höhe nach oben (Foto unten rechts) wirken die Reste des Forts heute wie eine größere Böschung. Mutige Preußen: (Foto rechts) So sahen die Fotografieversuche der Preußen vor über 100 Jahren. Foto: Museum Zitadelle

Das klingt auf den ersten Blick unlogisch: Wegen der Angst vor dem möglicherweise aus dem Osten anrückenden Feind haben die Franzosen Jülich im Westen mit dem Brückenkopf befestigt. Sie vermuteten nämlich, dass der Feind die Stadt von Osten aus kommend mit einer Zangenbewegung umschließen und dann von Westen aus angreifen könnte. Deswegen als letzte Bastion vor der Stadt der Brückenkopf. „Aber die Franzosen wollten ihre Verteidigung noch weiter fassen. Deswegen planten sie das Fort Napoleon“, sagt der Jülicher Historiker Guido von Büren.

So sahen die ursprünglichen Pläne der Franzosen aus: (Bild oben links) Das Fort Napoleon sollte östlich der Stadtbefestigung liegen. Die Preußen fanden nur noch die Aushebungen des Fundament (Foto oben rechts). Im Scan des Aachener Unternehmens Planlauf (Bild unten links) zeichnet sich ein Teil der Fort-Fundamente in der oberen Bildmitte ab. Mit Blick vom Fuß der Merscher Höhe nach oben (Foto unten rechts) wirken die Reste des Forts heute wie eine größere Böschung. Mutige Preußen: (Foto rechts) So sahen die Fotografieversuche der Preußen vor über 100 Jahren. Foto: Planlauf

Wer den Begriff noch nie gehört hat, muss nicht an seinem Wissen um lokale Geschichte zweifeln. Denn das Fort ist nie gebaut worden. Es sollte auf der Merscher Höhe als Wellenbrecher gegen mögliche Feinde dienen, noch bevor die mit einem Umschließen der Stadt beginnen konnten. „Napoleon selbst hat den Grundstein für das Fort gelegt“, berichtet von Büren. Zwei goldene Münzen habe er am 11. September 1804 unter den Grundstein geworfen. Die waren, schrieb der Jülicher Lehrer Johann Krantz in seinem Tagebuch voller Schadenfreude, bereits am Abend verschwunden.

So sahen die ursprünglichen Pläne der Franzosen aus: (Bild oben links) Das Fort Napoleon sollte östlich der Stadtbefestigung liegen. Die Preußen fanden nur noch die Aushebungen des Fundament (Foto oben rechts). Im Scan des Aachener Unternehmens Planlauf (Bild unten links) zeichnet sich ein Teil der Fort-Fundamente in der oberen Bildmitte ab. Mit Blick vom Fuß der Merscher Höhe nach oben (Foto unten rechts) wirken die Reste des Forts heute wie eine größere Böschung. Mutige Preußen: (Foto rechts) So sahen die Fotografieversuche der Preußen vor über 100 Jahren. Foto: Jansen

Verschwunden war danach auch schnell der französische Ehrgeiz, das Fort zu Ende zu bauen. Napoleon selbst hatte etwas dagegen. „Ich kann Ihnen nur wiederholen, dass ich mich, als ich das Bauwerk vor mir sah, nicht nur um die Ausgaben fürchtete, die auf uns zukommen, sondern auch um die Ehre der Armee“, schrieb er 14 Tage später an den Kriegsminister. So stoppte der Kaiser das Vorhaben, das noch nicht über seine Fundamente hinausgewachsen war.

Der ursprüngliche Plan sah vor, drei Festungsbauten zu errichten. Einmal auf der Fläche, wo später die Siedlung der Post-Mitarbeiter entstanden ist, dann im Bereich des heutigen Kommunalfriedhofs und auf dem heutigen FH-Gelände. Auf letztgenannter Fläche stießen die Arbeiter beim Bau der FH-Gebäude auf Gräben, die zuerst planiert werden mussten. Die Grundstruktur der Festungsfundamente auf dem späteren Postgelände ist auf speziell bearbeiteten Luftaufnahmen noch zu erahnen.

1814 haben die Preußen im Rheinland das Sagen übernommen. Sie nutzten das nicht fertige Fort zu Übungszwecken, indem sie ihre Soldaten dort trainieren ließen, wie sie sich richtig verschanzen. „Die Preußen haben das später auf ungewöhnliche Weise dokumentiert“, verweist von Büren auf über 100 Jahre altes Fotomaterial, das einen Fotografen zeigt, der auf einer hohen Leiter steht und das Verschanzen fotografiert.

Später haben die Deutschen sich noch einmal im Fort verschanzt, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Seitdem wirkt das Fort mehr wie eine Böschung am Fuß der Merscher Höhe.

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