Umkämpftes Jülich: Die alte Schwedenschanze ist kaum noch zu erkennen

Umkämpftes Jülich : Die alte Schwedenschanze ist kaum noch zu erkennen

Der Maler hat übertrieben. Da ist sich der Jülicher Historiker Guido von Büren sicher. „So viele Sternenschanzen rund um Jülich hat es nicht gegeben, wie Pieter Snayers es auf seinem Bild der Belagerung Jülichs im Winter 1621/22 zeigt.“

Eine Aussage des Snayers-Bildes stimme aber in jedem Fall: Jülich war über Jahrhunderte immer wieder eine stark umkämpfte Stadt. Ein unsichtbares Zeugnis dafür liegt am Südhang der Merscher Höhe, oberhalb von Broich. Der Straßenname verrät ein bisschen was: Schwedenschanze. In Broich haben sich früher die Spanier verschanzt, nämlich im besagten Winter 1621/22, und später eben auch die Schweden, als sie an der Seite der Alliierten 1813/14 gegen Napoleon gekämpft haben.

Die sogenannte Schwedenschanze ist heute mit dem bloßen Auge kaum noch zu erkennen. Selbst dann kaum, wenn man mittendrin steht. Der Kreuzweg im Waldstück oberhalb von Broich ist Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf die Fläche der Schanze gebaut worden. Hinten den Stationen ist mit ein paar Schritten in den Wald der Rest des Walles zu erkennen, der die Schanze geschützt hat. „Diese Wälle waren insgesamt schon fünf bis sechs Meter hoch“, sagt von Büren. Die Erbauer haben den Wall aufgeschüttet mit dem Aushub aus dem Graben davor. „So kommt man schnell auf die doppelte Höhe.“ Heute lässt sich die Höhe nicht mehr erahnen.

Der Standort der Schwedenschanze war laut von Büren geschickt gewählt. Sowohl im frühen 17., als auch im frühen 19. Jahrhundert lag die Schanze außerhalb der Reichweite von Geschützen, die in der Zitadelle installiert waren. „Wenn die Verteidiger die Schanze hätten angreifen wollen, dann hätten sie aus der befestigten Stadt ausfallen müssen. Der Angriff wäre bergauf erfolgt in Richtung Merscher Höhe. Ein schwieriges Unterfangen.“

Die Schanze hatte mehrere Nutzer, wenigstens die Spanier und knapp 200 Jahre später der Schweden. Angelegt waren die Schanzen wie ein fünfzackiger Stern, also der Form nach wie ein Weihnachtszimtstern. Die Form war angelehnt an die Befestigung großer Städte, wie beispielsweise Jülich, deren Befestigungen fünfeckig waren. Auf jeder der Schanzenzacken seien Geschütze positioniert gewesen. Die Funktion der Schanzen: Sie dienten den Belagerern als befestigte Unterbringung für Kriegsgerät und Proviant. „Die Truppen haben sich da im Sinn des Wortes verschanzt“, sagt von Büren. Der Durchmesser der befestigten Fläche lag zwischen 30 und 40 Metern. „Das Heerlager mit den Zelten der Soldaten lag dann in unmittelbarer Nähe der Schanze“, erklärt der Historiker.

Bekannt sei, dass es mehrere dieser Befestigungen gegeben habe; auf der Merscher Höhe — einer für den Angreifer auf Jülich strategisch wichtigen Anhöhe — ist wenigstens eine weitere Schanze überliefert. Die ist heute aber nicht mehr erkennbar. Auch nicht für die von der Aachener Firma Planlauf aufbereiteten Landschaftsscans, die das Land NRW ursprünglich gemacht hat. Planlauf ist in der Lage, Wald und moderne Bebauung herauszurechnen, so dass viele ältere Spuren menschlicher Bautätigkeit übrig bleiben. Unter anderem das Zimtstern-artige Gebilde nordöstlich von Broich.

Heute ist die Schwedenschanze als Bodendenkmal eingetragen. „Sie ist ein wichtiges Zeugnis für den beständigen Krieg rund um Jülich“, sagt von Büren. Dass die Jülicher sie in Friedenszeiten nicht dem Erdboden gleichgemacht haben, kann der Historiker nicht erklären. So kam es, dass neue Belagerer die Vorarbeit dankbar aufgenommen und wieder neu ertüchtigt haben. Zuletzt eben die Schweden beim Kampf gegen Napoleon.

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