Älter ist kaum etwas in Jülich: Der geheimnisvolle Sarkophag auf dem Schlossplatz

Älter ist kaum etwas in Jülich : Der geheimnisvolle Sarkophag auf dem Schlossplatz

Der geheimnisvolle Steinkasten in der Ecke des Jülicher Schlossplatzes, in Blickrichtung Zitadelle rechts, wirft bei Besuchern, aber auch nicht wenigen Einheimischen, immer wieder Fragen auf. Es ist eines der ältesten von Menschenhand geschaffenen Dinge, die in Jülich zu finden sind.

Es handelt sich um eine letzte Ruhestätte für betuchte Leute aus der Zeit der Römer und könnte knapp 2000 Jahre alt sein. „Es sieht aus wie ein Sarkophag, technisch ist es das aber nicht“, sagt der Jülicher Historiker Guido von Büren.

Bis in die Spätantike haben die Römer ihre Toten verbrannt und die Überreste in Tonurnen bestattet. Das vor zweieinhalb Jahren gefundene Gräberfeld im Bereich Mariengartenstraße ist ein Zeugnis davon. Die spätrömischen Körpergräber, die vor mehr 25 Jahren beim Bau des Parkdecks an der Zitadelle gefunden wurden, zeugen bereits von einer jüngeren Bestattungskultur im Frühmittelalter.

„Das Grab, das auf dem Schlossplatz steht, war die letzte Ruhestätte für eine sozial höher gestellte Person, beispielsweise einen Gutsbesitzer oder dessen Frau“, schildert von Büren, der von Aschekisten spricht. „Solche Aschekisten sind in unserer Region noch häufiger gefunden worden. Der jüngste Fund war in den 90er Jahren in einem Feld auf der Merscher Höhe.“ Die steinernen Kisten hätten nicht oberirdisch gestanden, sondern wurden in den Boden eingelassen. Darin seien Tonurnen mit Asche beigesetzt worden.

Die Aschekiste erzählt aber nicht nur eine Geschichte aus der Zeit der Römer, sondern auch vom Ende des 19. Jahrhunderts. In den 1860er Jahren fand eine Schleifung der Jülicher Festungsbauten statt: Teile der Befestigung wurden abgerissen. Da, wo heute der Schlossplatz ist, war früher der Stadtgraben und nach der Schleifung laut von Büren „erstmal Wüstenei. Erst Ende des 19. Jahrhunderts ist die Entscheidung gefallen, den Graben — damals auch Jülich genannt — zuzuschütten und als Park zu gestalten.“

Nach Plänen des damaligen Beigeordneten Peter Linnartz wurde der Schlossplatz mit Denkmälern und Pavillons gestaltet. Und die Unternehmerfamilie Eichhorn aus Kirchberg stiftete die steinerne Aschekiste als Sehenswürdigkeit. Im 19. Jahrhundert waren zwei solcher Aschenkisten auf dem Eichhorn-Gelände gefunden worden.