Planungsfehler der Franzosen: Der Brückenkopf, die größte Fehlkonstruktion Jülichs

Planungsfehler der Franzosen : Der Brückenkopf, die größte Fehlkonstruktion Jülichs

Der Brückenkopf ist kein kleines Geheimnis der Jülicher Geschichte. Im Gegenteil: „Sie ist die einzige in Deutschland erhaltene französische Festung dieser Größe aus dieser Zeit. Selbst für die Franzosen ist das ein absoluter Höhepunkt“, sagte der Jülicher Historiker Guido von Büren. Was viele aber nicht wissen: Der Brückenkopf ist heißer Kandidat auf den Titel der größten Fehlkonstruktion in der Geschichte der Stadt.

Vielleicht reicht der Planungsfehler beim Festungsbau jenseits der Rur, den die Franzosen vor mehr als 200 Jahren gemacht haben, sogar noch für mehr zweifelhaften Ruhm. Selbst die Franzosen waren offenbar hoch verärgert über die Fehlplanung, die sie sich da in Jülich geleistet hatten. „Jedenfalls wurde der Ingenieur Jean-Baptiste Mallet danach nach Polen strafversetzt“, berichtet von Büren ein pikantes Details vom Ende des Baus des Brückenkopfes.

Dabei habe laut von Büren zu Beginn eine militärtaktisch sinnvolle Idee gestanden, aufgrund derer Frankreich 1799 begonnen hatte, den Brückenkopf anzulegen. Von 1794 bis 1814 war Jülich französisch, danach übernahmen die Preußen. Die Franzosen haben laut von Büren immer einen Angriff aus Richtung Osten befürchtet. Der hätte, so die Sorge, passieren können, indem die Gegner die Stadt von Osten kommend umgehen und dann von Westen, also grob aus Richtung Aldenhoven angreifen.

Gegen ein solches Manöver haben die Franzosen den Brückenkopf gebaut. Er war gedacht als Schutz für die wichtigste Rurbrücke. Die war früher aus Holz gebaut. Die Franzosen wollten nicht nur sicher gehen, dass die Brücke nicht einfach abgefackelt werden kann. Sie haben die Brücke, die sich da befand, wo heute auch die Brücke auf der Großen Rurstraße ist, als sogenannte Schleusenbrücke geplant. Zwischen den Pfeilern befanden sich Tore, die geschlossen werden konnten.

Guter Plan, schlechte Ausführung

„Der Plan der Franzosen war ganz gut durchdacht“, sagt von Büren. „Sie wollten die Möglichkeit schaffen, die Schleuse zu schließen und die Rur damit zu stauen.“ Die angedachte Folge: Der Jülicher Südosten in Richtung Düren wird überflutet. Die Bereiche vor den damaligen Stadtgrenzen lagen in einer Senke. Ein Angriff aus dieser Richtung wäre nicht mehr möglich gewesen, das Umgehen der Stadt zumindest deutlich erschwert.

1806, sieben Jahre nach dem Baubeginn des Brückenkopfes, entstand die Schleusenbrücke. Da waren weite Teile des gewaltigen Drumherum schon fertig. Im selben Jahr erfolgte auch ein Testlauf für die Brücke. „Und da haben die Franzosen dann festgestellt, dass die Schleuse dem Wasserdruck nicht standhält. Sie war nicht tief genug fundamentiert. Die Rur habe die Brücke weggerissen. Auch die Tatsache, dass die Franzosen schwere Kanonengeschütze als Zusatzgewicht auf die Brücke gerollt hatten, habe nicht geholfen“, berichtet von Büren.

1809 war Napoleon höchstpersönlich in Jülich, um den Brückenkopf zu inspizieren. „Er war entsetzt. Aus seiner Sicht war das alles viel zu groß angelegt“, fasst von Büren die Reaktion des französischen Kaisers zusammen. Ursprünglich hätte der gesamte Brückenkopf so groß sein sollen wie die Südbastion: im Erdgeschoss mit Schießschachten für Gewehrschützen, darüber mit befestigten Feuerstellungen für Kanonen. „Und darauf aufsetzen wollten sie noch eine Holztraverse für weitere Feuerstellungen“, berchtet von Büren. Es kam anders, weil Napoleon die Notbremse zog. Die Südbastion blieb die einzige mit einer eigenen Etage für Kanonen.

Es kam aber noch dicker für die Planer des Brückenkopfes. 1814, kurz vor der Niederlage und dem Rückzug Frankreichs, war ein Militär-Ingenieur namens Bellonet in Jülich zu Gast. Und der identifizierte ein anderes, nicht zu Ende gedachtes Vorhaben: Wenn die Rur mit der Schleusenbrücke wie geplant hätte gestaut werden können, dann wäre das im Erdgeschoss des Brückenkopfes für die Schützen zum Problem geworden: Deren Stellung hätten nämlich unter Wasser gestanden.