1. Lokales
  2. Jülich
  3. Jülich Historisch

Altes Rathaus am Jülicher Markt hatte drei Vorgängerbauten

Jülicher Geschichte(n) : Drei Rathäuser und kein bisschen Demokratie

Im Jahre des Herren 1371 gab es in Jülich einen Bürgermeister, einen Stadtrat und ein Schöffengericht. Das kann der Jülicher Historiker Guido von Büren aus einer der wenigen Quellen entnehmen, die die Stadtbrände 1473 und 1547 überlebt haben.

Es hat zu diesem Zeitpunkt auch erstmals eine Art Rathaus in Jülich gegeben, und zwar an der Kreuzung Kapuzinerstraße/Düsseldorfer Straße, gegenüber dem gerade entstehenden Neubau des sogenannten Kleinen Kreishauses. Seitdem ist das Rathaus zweimal verlegt worden.

Bürgermeister, Rat und Schöffen: Das klingt ganz schön demokratisch für das späte Mittelalter – ist es aber nicht. „Die Schöffen und die Ratsmitglieder waren oft identische Personen“, erklärt von Büren. Gewaltenteilung Fehlanzeige. Schlimmer noch: „Jülich war ein Ort der höheren Gerichtsbarkeit und der Blutsgerichtbarkeit. Hier sind damals Todesurteile ausgesprochen und vollstreckt worden.“ Wahlen gab es nicht. Der Herzog ernannte die Schöffen und Ratsherren und die benannten aus ihrem Kreis für ein Jahr den Bürgermeister.

Der erste Umzug des Rathauses war eine Art politisches Tauziehen zwischen Baumeister Alessandro Pasqualini, der Jülich nach dem Brand 1547 im Auftrag des Herzogs als Idealstadt umgestalten sollte, und dem Rat. Pasqualini verlegte den Marktplatz von da, wo heute der Neubau des Kleinen Kreishauses wächst, auf den heutigen Platz. Also sollte auch das Rathaus umziehen, nämlich dahin, wo heute das Cafe Extrablatt ist. Pasqualini wollte Sichtachsen schaffen. Wer aus Richtung Köln den Markt betritt, der sollte die Zentrale der weltlichen Obrigkeit erblicken, das Rathaus. Aus Richtung Aachen sollte der Blick auf den Sitz der Geistlichkeit fallen. Beides setzte er nicht um. Schließlich steht die Propsteikirche immer noch versetzt im Innenstadt-Schema, das Gotteshaus wurde nicht an die Sichtachsen angepasst.

 Das Aachener Unternehmen Planlauf macht alte Baustrukturen mit einer Spezialtechnik sichtbar. Ein wenig wie ein W sieht die Struktur (unten links) zwischen der Kleinen Rurstraße, der Grünstraße und der Raderstraße aus, die auf den ehemaligen Pallas der Jülicher Grafen und Herzöge hinweist, in dem sich später ein Rathaus befunden hat.
Das Aachener Unternehmen Planlauf macht alte Baustrukturen mit einer Spezialtechnik sichtbar. Ein wenig wie ein W sieht die Struktur (unten links) zwischen der Kleinen Rurstraße, der Grünstraße und der Raderstraße aus, die auf den ehemaligen Pallas der Jülicher Grafen und Herzöge hinweist, in dem sich später ein Rathaus befunden hat. Foto: Planlauf/Land NRW

„Die neuen Rathauspläne passten dem Stadtrat nicht. Der hatte nämlich damals bereits angefangen, das vom Feuer zerstörte Rathaus am alten Standort wieder aufzubauen“, berichtet von Büren. Letztlich wurde so etwas wie ein Kompromiss gefunden: Das Rathaus zog um an den neuen Markt, einen Neubau gab es aber nicht. Der Rat setzte durch, dass die Bausubstanz der etwas nach hinten in Richtung der heutigen Raderstraße befindlichen Ruine des Pallas genutzt wurde. Bis 1278 wohnten hier die Jülicher Grafen. Seitdem war das Gemäuer der wohl längste Leerstand in der Geschichte Jülichs mit über 260 Jahren. Dann entstand hier 1567 das neue Rathaus, das vermutlich von Pasqualinis Sohn Maximilian verantwortet wurde und sehr ähnlich dem in Sittard gewesen sein soll, ebenfalls aus der Hand des Pasqualini-Sohnes. Beide Häuser stehen nicht mehr, von dem in Sittard gibt es aber noch Zeichnungen.

Die Jesuiten wollten tauschen

Den letzten Umzug des Rathauses an den Standort des Alten Rathauses/Neues Kreishaus leitete einer ein, der mehrmals Bürgermeister war: Peter Römer, einer der hochgestellten herzöglichen Beamten. Er baute zu Pasqualinis Zeiten für private Zwecke ein großes Haus im Renaissance-Stil an der Nordseite des Marktes, genau da, wo das Alte Rathaus/Kleine Kreishaus heute steht.

 Die Beschreibungen gleichen sich: Maximilian Pasqualini war der Baumeister des alten Rathauses in Sittard und in Jülich.
Die Beschreibungen gleichen sich: Maximilian Pasqualini war der Baumeister des alten Rathauses in Sittard und in Jülich. Foto: Museum Zitadelle

Ein Jahrhundert später trat der Jesuiten-Orden in Jülich auf den Plan. Mit Segen des Herzogs sollte der Orden in der Zeit der Gegenreformation das Gymnasium betreuen. „Die Jesuiten waren dafür bekannt, dass sie sich schnell ausgebreitet haben“, beschreibt von Büren den damaligen Hang des Ordens zu repräsentativen Bauten. Ihr Auge fiel auf das Rathaus in den Grundmauern des alten Pallas.

Deswegen kauften sie das Haus des Peter Römer, um dem Rat vorzuschlagen, in dieses umzuziehen. „Da war der Rat nicht begeistert. Aber auf den Druck des Landesherren hin ist das dann so passiert.“ So wurde das Römer-Haus zum Rathaus. Aktuell wird es zum Kleinen Kreishaus. Die Jesuiten zogen in das Pasqualinische Rathaus und rissen es ein Jahrhundert später ab. Das Rathaus aus der Renaissancezeit wurde im Rokoko-Stil hergerichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es vollkommen zerstört.