Rödingen: Jüdischer Friedhof in Rödingen ist online

Rödingen: Jüdischer Friedhof in Rödingen ist online

Der jüdische Friedhof ist — pünktlich zu den Gedenkveranstaltungen im November — über die Friedhofs-Datenbank „epidat“ online zu recherchieren. Zu diesen Anlass führte Judaistin Monika Grübel erneut eine Gruppe Interessierter über den Friedhof in der Rödinger Einsteinstraße.

Sie präsentierte live, was Kollegin Nathanja Hüttenmeister, Editorin im Salomon Ludwig Steinheim-Institut Essen, später in ihrem Referat in der ehemaligen Synagoge online präsentierte: Auf Flur 9, Nr. 280 am Rande der Ortschaft war von 1853 bis 1910 ein jüdischer Friedhof in Betrieb.

15 Grabsteine erhalten

1964 wurden die noch 15 erhaltenen Grabsteine völlig unüblich im Kreis entlang der Friedhofsmauer aufgestellt, da ihr ursprünglicher Standort nicht mehr bekannt war. Das hat laut Grübel den Vorteil, dass die Grabsteine nicht mehr umgestürzt werden können. Der Nachteil ist allerdings, dass eine der ab dem 19. Jahrhundert üblichen zweisprachigen Inschriften, eine davon oft auf der Rückseite angebracht, nicht mehr zu lesen ist. Vor dem Stein des Philipp Ullman befindet sich ein Sockel für den 16. nicht mehr erhaltenen Grabstein.

Friedhof heißt auf hebräisch „Beth Olam“, Haus der Ewigkeit, weil nach jüdischem Verständnis ein Friedhof ewig bestehen soll. So „kommt es immer dann zum Konflikt, wenn man auf Gebeine eines jüdischen Friedhofs stößt“, wie Grübel es ausdrückte. Erstmals erwähnt wird der jüdische Friedhof 1745. Im 19. Jahrhundert wurde er gleich zweimal erweitert und ummauert. 1931 fand die letzte Beerdigung statt. 1939 musste die Synagogengemeinde den Friedhof an Landwirt Albert Coenen zwangsverkaufen und wider Willen einer Aufhebung der Gräber nach Ablauf einer dreißigjährigen Ruhefrist zustimmen. 1954 kam es schließlich zum Vergleich, bedingt durch einen Rückerstattungsanspruch durch die Jewish Trust Corporation ein Jahr zuvor. Das Grundstück wurde in zwei Parzellen aufgeteilt: Der belegte Teil wurde als jüdischer Friedhof weitergeführt und 1959 in das Eigentum des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein übergeben. Der größere unbelegte Teil wurde 1962 an die Zivilgemeinde verkauft, die es als Bauland auswies — und heute den jüdischen Friedhof pflegt. 1986 wurde er in die Denkmalliste der Gemeinde Titz eingetragen.

Erwähnenswert ist das Grab von Jizchak ben Gedaljahu Jaakow Halevi, der mit bürgerlichem Namen Jsack Capell hieß, geboren 1817, gestorben 1896. Auf dem Grabstein mit Rundbogenabschluss und vertieftem Schriftfeld mit gekehltem Rahmen fehlt der obere Teil des Giebels. Trotzdem ist das Symbol der Levitenkanne zu erkennen, ein Zeichen für die Angehörigkeit zur altpriesterlichen Familie Levi, die Beschützer und Tempeldiener waren. In lateinischer Schrift sind lediglich Zivilname, Geburts- und Todesdatum plus die Buchstaben „R.I.F.“ für „Ruhe in Frieden“ zu lesen.

Interessant wird es bei der hebräischen Inschrift, die einige weitere Auskünfte über sein Leben gibt: „Hier ist begraben ein lauterer und aufrechter Mann, den Ewigen ehrfürchtend und Gutes wirkend, Herr Jizchak, Sohn des Gedaljahu Jaakow Halevi, er ging hin in seine Welt am 10. Tag des Schwat 655 der kleinen Zählung“. Wegen dieser oft sehr ausführlichen hebräischen Inschriften ist ein jüdischer Friedhof „ganz wichtig für das Gedenken an jüdische Mitbürger“, über die es sonst oft keine Daten mehr gibt. In der ehemaligen Landsynagoge wurde die Veranstaltung fortgeführt von Nathanja Hüttenmeister, die über jüdische Friedhöfe in Deutschland und „epidat“ referierte.

Die Web-Adresse lautet www.steinheim-institut.de/cgi-bin-epidat. Über das Startmenu geht es über „lokal“ in alphabetischer Reihenfolge zu „Titz-Rödingen“. Von dort aus kann der User weiterklicken zu Informationen, Inschriften, Volltextrecherche, Karte, Indizes und Lageplan. Fotos von Bert Sommer und Andreas Schiblon bereichern die Seite. Unter „Indizes“ gibt es beispielsweise zwölf Unterpunkte, darunter die Namensliste, die Symbole auf den Gräbern oder datierte Inschriften.

Der Index „Symbole“ weist auf, dass neben der Levitenkanne von Jsack Capell nur noch ein weiterer Grabstein mit einem Symbol versehen ist: Das Grab von Philipp Horn alias Jehoschua ben Uri mit dem Davidstern. In „epidat“ wird auch über Familienzugehörigkeiten hingewiesen, die sich dem Besucher des Friedhofs in Rödingen nicht erschließen.

(ptj)
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