Jubiläum: 150 Jahre Buchhandlung Fischer in Jülich

Blick ins archäologische Fenster : Querschnitt durch die Jülicher Stadtgeschichte

Zeitgleich mit dem Silberjubiläum des Museums Zitadelle feiert die Buchhandlung Fischer ihr 150. Firmenjubiläum. „Wie begeht man ein solches Jubiläum?“ Diese Frage hatte sich das Inhaberehepaar Eva Behrens-Hommel und Wolfgang Hommel zuvor wiederholt gestellt. Da kam ihnen eine Anfrage des Museums an den Stadtmarketingverein nach einer Kooperation sehr gelegen.

Berührungspunkte und Kooperationen, insbesondere in Bezug auf Publikationen, hatte es in den vergangenen Jahrzehnten schon oft gegeben. So wurden die jeweiligen Jubiläumsveranstaltungen, im Museum über das ganze Jahr, bei Fischer auf ein Halbjahr verteilt, um einen sehr kurzweiligen gemeinsamen Abend unter der Überschrift „Jubilare auf dem Bodendenkmal“ in der Traditionsbuchhandlung bereichert. Die vielen interessierten Besucher hatten zwar nicht am Bodendenkmal aus dem Jahr 1995 Platz genommen, dafür waren es zu viele. Aber es wurde zeitnah in Augenschein genommen, denn auf Initiative von Museumsleiter Marcell Perse war es am Morgen „nach 23 Jahren mal sauber gemacht und neu bestückt worden“.

So stellten sie die Gäste halbkreisförmig um das einzige Schaufenster in Jülichs Vergangenheit herum, um in die von Perse ausgeführten und „gut kommunizierbaren“ Zeitepochen Römer – Renaissance – Romantik einzutauchen. Interessant war zuvor die Information über die Entstehung des Bodendenkmals, das Behrens-Hommel als Bauherrn vor 23 Jahren im Zuge einer Anbaumaßnahme entstehen ließen – auf eigene Kosten für einen „mittleren fünfstelligen Betrag“, weil sich kurz zuvor die Gesetzeslage geändert hatte. Für Archäologie, Dokumentation und Archivierung war bislang das Land NRW zuständig gewesen.

Beim Blick in die Vergangenheit fällt im Bodendenkmal zunächst die „verdrehte“ Ausrichtung der Mauern in den Blick, während das Haus „brav in der Kölnstraße steht“. Wo die heutige Straßenflucht verläuft, befand sich das Fundament eines vieleckigen spätrömischen Kastells. Der Stadtbrand am 26. Mai 1547 hat im Boden sichtbare Spuren hinterlassen und war „für die Stadtplanung sehr praktisch“.

Kurzweilige Jubiläumsabend: Fischer-Chef Wolfgang Hommel (r.) zeigt das einzig verbleibende Relikt des Kölner Bischofs Antonius Kardinal Fischer, einen Silberlöffel. Foto: Jagodzinska

„Optische Marker“ aus der Römerzeit sind im untersten Bodenniveau ungewöhnlich großplattige Dachziegel, die bruchstückhaft in den Äckern gefunden wurden, darauf zwei „modern nachgetöpferte römische Gefäße“. Einige der vielen Objekte aus der Renaissance wurden „hier in Jülich getöpfert“, hinzu kommen etwa Pilgerhorn und Pilgerflasche aus Langerwehe. Erkennbar ist die „Lust an Form und Gestaltung, die durch Verzierung punkten will und auch beim Adel beliebt ist“. Ein Beispiel ist ein Bartmannskrug mit einer Scherbe, die direkt aus der Stadtbrandschicht stammt, oder ein sehr fein ausgebildetes Gesims.

Direkte Verbindungsglieder der Jubilare aus der Epoche der Romantik sind „Schirmer und Fischer“. Zu diesem Austausch mit symbolischen Zuspielen des thematischen Balls kehrten Hommel und Perse mit ihren Gästen in ihren Stuhlhalbkreis zurück. Stück für Stück wurde die großzügig bestücke Themenwand abgearbeitet, überragt von einem großen Gemälde von Joseph Fischer. Er legte am ersten Januar 1869 die Grundlage der Firma Fischer, indem er das Geschäft mit Zeitungslizenz von Gottlieb Schirmer übernahm, Bruder des berühmten Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer. Eine Autobiographie aus der Feder des Landschaftsmalers offenbart unter anderem, dass schon seine Eltern „mit Farben gespielt haben“.

Bezugspunkt des Buches „Stierkopf und Weizengarben“ zur Geschichte der Eifeler Familie Kesseler war, dass letztere viele Jahrzehnte den heutigen Hinterhof des Hauses in der Kölnstraße besaß. Erwähnenswert ist der Kölner Bischof Antonius Kardinal Fischer, Bruder des Jülicher Verlegers Joseph Fischer, dem, wie Johann Wilhelm Schirmer im damaligen Hexenturmmuseum ein eigener Raum gewidmet war. Einziges verbleibendes Relikt des Kölner Bischofs ist ein Silberlöffel.

Breiten Raum nahm unsere Zeitung ein, die 1823 als „Jülicher Zeitung“ in Düren herausgegeben wurde und 1831 von Schirmer nach Jülich gebracht wurde. Die letzte Zeitung wurde im Oktober 1944 noch gedruckt, aber nicht mehr herausgegeben. „Die Zeitungsdruckereitechnik hat sich fortlaufend weiterentwickelt“. So wurde in den 20er Jahren mit einer Rotationstechnik gearbeitet. Ein dünner Bleifilm auf einer mit Lettern bestückten Asbestplatte diente als Grundform.

1933 erlebte die „Fischersche Zeitung“ als solchermaßen empfundenes „Sprachrohr der katholischen Kirche“ etliche Repressalien. Die tägliche Auflage von 7000 Exemplaren reduzierte sich auf 1000. Als Zeitungsbeilage dienten zur Zeit der belgischen Besatzung die „Rurblumen“. Hier konnte sich etwa Hommels Großvater Adolf Fischer „zensurfrei austoben“. Letzterer war auch gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Vogt am 30. November 1929 Empfänger des Ehrentellers als Anerkennung für ihre vielen Auseinandersetzungen mit den Besatzungstruppen.

Erwähnenswert im Rahmen der Entwicklungen der beiden Häuser, die als rote Fäden des Abends fungierten, war die Verlagstätigkeit von Hartwig Neumann in den 70er Jahren. Er brachte „die Dachmarke des historischen Jülichs nach vorne“. Ehrengast des Jubiläumsabends war die 90-jährige Maria Fischer, Tante von Wolfgang Hommel, der 1985 den Familienbetrieb übernahm.

(jago)
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