Jülich: Joseph-Kuhl-Gesellschaft ehrt Geschäftsführer Willi Dovern

Jülich : Joseph-Kuhl-Gesellschaft ehrt Geschäftsführer Willi Dovern

Die Erforschung sowie die Veröffentlichung der gewonnenen Erkenntnisse hat sich die Joseph-Kuhl-Gesellschaft in Bezug auf die Geschichte der Stadt Jülich und des Jülicher Landes zur Aufgabe gemacht. Zahlreiche Publikation sind seit der Gründung der Gesellschaft 1989 erschienen und einer, der maßgeblich beteiligt war, ist Willi Dovern.

Er hat sich nicht nur als Geschäftsführer verdient gemacht, sondern sich in seiner Freizeit der Erforschung der Heimat- und Familiengeschichte gewidmet. Seit 1980 veröffentlichte der Architekt in rascher Folge 30 selbstständige Arbeiten, wobei sein Hauptaugenmerk der Geschichte seiner Heimatstadt Eschweiler galt. Daneben gab es eine große Zahl kleinerer Untersuchungen. Seine Spezialität aber war die Herausgabe von Familienbüchern, für die er mühevolle Recherchen in Tauf-, Heirats- und Sterbebüchern anstellte und dabei bis ins 17. Jahrhundert zurückging.

„Willi Dovern hat damit Meilensteine in der Erforschung der Familiengeschichten rheinischer Kommunen errichtet. Dabei handelt es sich nicht selten um Publikationen von mehr als 1000 Seiten“, erklärte Professor Günter Bers, Vorsitzender der Gesellschaft. Ein solches Engagement sollte nicht ungewürdigt bleiben und so hatte die Gesellschaft beschlossen, ihrem Geschäftsführer die Joseph-Kuhl-Medaille anzutragen. Nur ganz wenige durften sich bisher übre diese Ehrung freuen und gerührt nahm der 83-Jährige diese Auszeichnung im Beisein seiner Söhne und zahlreicher Mitstreiter in der Christina-Stube des Roncallihauses in Jülich entgegen. „Ich kenne niemanden, der eine solche Arbeitsleistung erbracht hat“, erklärte Bers abschließend.

Den Abend nutzte die Joseph-Kuhl-Gesellschaft außerdem, um zwei neu Veröffentlichungen vorzustellen. „Zur frommen Erinnerung…“ — unter diesem Titel hatte Dr. Claudia Wendels den Brauch der sogenannten Totenzettel untersucht. Dabei handelte es sich um Gebetszettel aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Der Brauch hat seinen Ursprung in den Andachtsbildchen des Mittelalters, die alle handgemalt an hoch gestellte Persönlichkeiten als Geschenk gegeben wurden. Ab dem 19. Jahrhundert übernahm auch das einfache Volk diesen Brauch, der sich zum Teil bis heute erhalten hat. Besonders jene, die von Wendels untersucht wurden, gaben reichen Aufschluss über die Menschen und damit auch über die damaligen Zeiten.

Einen Totenzettel, den die Autorin untersucht hatte, war zum Gedenken an Oberpfarrer Andreas Hennes herausgegeben worden. Sein Leben und sein Wirken hatte Bers untersucht. Persönliches, so musste er gestehen, war nur wenig über den engagierten Jülicher Geistlichen zu erfahren gewesen, da über diese Zeit keine Archive in Jülich vorhanden sind. Mühselig hatte er so manches Interessante über den Menschen und Geistlichen zu Tage gefördert.

So hatte er erkundet, dass Hennes 1793 als Schneiderssohn in Düren geboren wurde und unter ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. 1819 wurde er zum Priester geweiht, ging zunächst nach Berg/Nideggen später nach Stetternich. Da er sich gut auf dem Umgang mit der Feder verstand, wurde er zudem Schreiber des damaligen Dechanten und später zu dessen Nachfolger gewählt. Hoch ausgezeichnet und hoch geachtet verstarb er 1878 nach langer Krankheit. „Dieser Mann existiert nur noch als Idee. Es gibt nichts Fassbares“, erklärte Bers.

(Kr.)