Jülich: Jazznacht in der Zitadelle: Kochender Salsa und coole Harfenklänge

Jülich: Jazznacht in der Zitadelle: Kochender Salsa und coole Harfenklänge

Gute alte Bekannte und neue Gesichter sorgten bei der Zitadellen-Jazznacht am Samstag für eine gelungene Mischung und schlugen Brücken von traditionellen zu neuen musikalischen Einflüssen. Zur 17. Auflage der Jazznacht hatte der Jülicher Jazzclubs wieder einen breiten Spannungsbogen geschlagen, der sowohl eingefleischte Jazz-Individualisten als auch Neulinge ansprach.

Rund sechs Stunden lang lagen Festivalstimmung, Groove und Swing über dem altehrwürdigen Gemäuer der Renaissancefestung.

Susan Weinert, die Saiten-Zauberin des Acoustic-Jazz, entfachte ein Gitarrenfeuerwerk.

An eine mittlerweile gute Tradition anknüpfend, fiel der Startschuss mit einer swingenden Führung durch die Zitadelle durch Museumsleiter Marcell Perse. Papa Tom’s Jazz GmbH sorgte mit Jazzmusik der 20er bis 40er Jahre für den richtigen Einstieg.

Mit „SaxoFive“ war auch eine Jülicher Band zu Gast bei der 17. Zitadellen-Jazznacht und gab dort ein tolles Debütkonzert. Foto: Kròl

Zum Mittanzen animiert

„Estilo Cubano“, die Salsa Formation aus Aachen um die kubanische Sängerin Barbara Verdecia, nahm das Publikum im PZ mit südamerikanische Rhythmen auf die Reise durch die Welt des Cha-Cha-Cha, Guaracha, Mambo, Timba und Son. Die Besetzung der Combo mit internationalen Musikern aus Deutschland, den Niederlanden, Costa Rica und Kuba, darunter dem ehemaligen Jazzclub-Vorsitzenden Werner Kremers, hatte die richtigen Zutaten parat, um eine heiße Salsa zu kochen, deren Rhythmus direkt in die Beine ging und einige der Besucher zum Mittanzen animierte.

„Diese Musik verkörpert reine Lebensfreude, besitzt einen komplexen anregenden Rhythmus, der durch alle Instrumente geht. Wir wollen hier möglichst authentischen Salsa präsentieren“, erklärte Kremers und gestand außerdem: „Ich habe ja nun in Jülich schon einmal in der ersten Reihe gestanden, da freut es mich besonders, jetzt auch musikalisch etwas bieten zu können.“

Auch im Osten wird so manch heißes Süppchen gekocht, wie „La Marche“ aus Frankfurt (Oder) eindrucksvoll bewies. Man kennt die Formation in Jülich und ihre Musik hat dort schon einen gewissen Kultfaktor. Und so fegte in dieser schönen Mainacht einmal mehr ein kleiner musikalischer Orkan über die Bühne im PZ, der nicht nur auf die Tanzfreudigen unter den Gäste aufwirbelte. Seit der Gründung 2002 hat die Band immer wieder neue Wege beschritten, da sie sich von Beginn an keine stilistischen Grenzen gesetzt hat. Ihre Musik bezeichnen sie als Zickenumpa und ist ein Stilmix aus Balkanrhythmen, französischer Tanzmusik, Klezmer, Chansons und Funk, die frisch, frech aber auch etwas schräg daherkommt.

Jülicher Eigengewächse

„SaxoFive“ gestaltete in der Schlosskapelle den Auftakt. Reinhold Wagner, der Vorsitzende des Jülicher Jazzclubs, freute sich besonders, endlich eine Jülicher Band ankündigen zu dürfen. Marina Mohr (Sopran-), Steffen Neuß (Tenor-), Michael Offergeld (Bariton-) und Charlotte Proksch (Altsaxophon) sind stilistisch sowohl in Gospels zu Hause wie auch im Swing und Jazz. Sehr gekonnt wurden unter anderem Klassiker wie Dave-Brubecks „Take five“ in Töne gesetzt und ihre Spielfreude auf das Publikum übertragen.

Sinnliche Texte

Die Entdeckung dieses Abends aber war zweifellos die „Jeanine Vahldiek Band“, die in einer ungewöhnlichen Konstellation daherkommt. Harfe und das Schlaginstrument vom Cajón bis Didgeridoo vereinen sich zu einem besonderen Sound und Jeanine Vahldiek (Harfe, Gesang) sowie Steffen Haß (Percussion, Gesang) setzten wohlklingend Akzente. In eine Schublade sind die beiden Musiker nicht einzusortieren, annährend, so Steffen Haß, passe als Beschreibung ihrer Musik Singer-Songwriter-Pop mit einem tüchtigen Schuss Jazz. Das Berliner Duo kreiert sanfte, entspannende Songs mit sinnlichen, oft sehr philosophischen Texten.

Darauf legt die Sängerin, die eine klassische Ausbildung als Harfenistin abgeschlossen hat, auch größten Wert. Ihre Harfe sieht sie lediglich als Untermalung zu ihren Texten. Jülich fanden die beiden übrigens ganz toll. Sie hatten an der musikalischen Führung durch die Zitadelle teilgenommen, waren beeindruckt von der ehemaligen Festungsanlage und natürlich auch von der Schlosskapelle, in deren toller Akustik ihre Musik voll zum Tragen kam. Außerdem schwärmte Jeanine Vahldiek regelrecht von dem aufmerksamen Publikum.

Gitarrensaiten glühten

Als Susan Weinert vor vier Jahren zum ersten Mal mit Ehemann Martin Weinert bei der Jazznacht auftrat, wurden sie begeistert gefeiert. Nicht anders war es auch bei ihrem zweiten Auftritt, dieses Mal als Trio mit Dirk Leibenguth (Cajon, Drumkit). In der Schlosskapelle brachte Susan Weinert die Saiten ihrer Gitarre zum Glühen und gemeinsam entführte das Trio das Publikum in ihr ganz persönliches Universum der magischen Harmonien und Rhythmen. Die Saiten-Zauberin des Acoustic-Jazz, die alle Titel selber komponiert, ist nach allen Seiten offen und entfachte Klangkaskaden, die von träumerischer Weltmusik bis hin zu fetzigen Jazz-Rock-Passagen reichte.

Einmal mehr servierte der Jülicher Jazz Club eine gelungene Veranstaltung, die sowohl Jazzmusikern als auch -fans hervorragend mundete.

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