Jülich: Jazziger Trip durch sieben Jahrzehnte

Jülich: Jazziger Trip durch sieben Jahrzehnte

Auf ihrer Jubiläums-Tour zum 70-jährigen Bestehen machte die Dutch Swing College Band auch in Jülich Station. Im ausverkauften Technologie Zentrum begeisterte Europas älteste Jazzband (gegründet wurde sie am 5. Mai 1945) mit ihrer tollen und traditionellen Jazzmusik.

Die swingenden Holländer nahmen ihre Gäste mit auf eine Reise durch 70 Jahre Jazzgeschichte. Rund um den Erdball hat die Band Erfolge gefeiert, Höhepunkte waren zweifellos Konzerte in der Royal Albert Hall London und in New Orleans. „Aber auch in vielen kleinen Clubs wie zum Beispiel hier in Jülich, gab es große Momente“, erinnert sich Bandleader Bob Kaper, der seit 47 Jahren Bandmitglied ist.

Im Laufe der sieben Jahrzehnte wurde die Band von Jazzgrößen wie Sidney Bechet, Joe Venuti, Rita Reys oder Teddy Wilson begleitet. Bechet war übrigens der erste Stargast der Band, und für ihn hat die DSC- Band den „DSC-Blues“ komponiert, der natürlich auch in Jülich gespielt wurde.

Los ging der jazzige Trip im Technologiezentrum mit dem rasanten Opener „Stomp With the DSC“. Er lieferte einen guten Vorgeschmack auf das, was nun kommen würde. Bei Stücken wie Duke Ellington‘s „East St. Louis Toodle-Oo”, King Olivers „Chimes Blues“ oder Cab Calloways „Scat Song“ sorgte die Band mit ihren professionellen Improvisationen für ein ganz intensives Jazzfeeling.

Durch ihren eigenen Sound und eigene Arrangements sind sie über ein halbes Jahrhundert unverwechselbar geblieben und kleiden die Musik der amerikanischen Jazzgrößen in ein modernes, zeitgemäßes Gewand. Dafür steht Bandleiter Bob Kaper. „Natürlich bewegen wir uns in bestimmten Grenzen, aber man darf auch mal mit dem Fuß über die Linie treten. Nicht nur nach dem amerikanischen Bürgerkrieg und dem 2. Weltkrieg, sondern auch noch heute ist Jazz Musik der Freiheit.“

Bei ihren musikalischen Ausflügen im TZJ luden sie auch zu einem Abstecher in die Klassik ein und wandten sich der „Prelude“ von Frederic Chopin zu. „Opus V“ und „Alto Vocation“ interpretieren sie so erfrischend und kontrastreich, das der alte Meister seine Freude daran gehabt hätte.

Zum dritten Mal war die niederländische Band zu Gast in Jülich und rief auch dieses Mal Beifallsstürme hervor, besonders nach ihrer Zugabe, einem fanatischen Potpourri des Dixieland-Jazz.

Der Jülicher Jazz Club bot damit seinen Freunden zum Jahresende ein Sahnestückchen, indem er eine der besten europäischen Jazzbands nach Jülich holte. Dass er neben den Weltklassemusiker auch ein volles Haus begrüßen durfte, freute Reinhold Wagner, Chef des Jülicher Jazzclubs, ganz besonders.

Die Dutch Swing College Band spielte in folgender Formation: Bob Kaper (Klarinette/Altosax), Keesjan Hoogeboom (Trompete/Gesang), Maurits Woudenberg, (Trombone), David Lukács, (Klarinette /Saxophon), Ton van Bergeijk (Gitarre/Banjo/Gesang), Adrie Braat (Bass), Anton Burger (Schlagzeug).

(Kr.)
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