Jülich: Jazzclub Jülich besinnt sich auf seine Wurzeln

Jülich: Jazzclub Jülich besinnt sich auf seine Wurzeln

Als der Jazzclub Jülich vor 20 Jahren im Viktoriasaal aus der Taufe gehoben wurde, ahnten wohl die wenigsten, dass hier eine Institution geboren wurde, die die Jülicher Kulturlandschaft im hohen Maß bereichern würde.

So manches Highlight ist dem Club zu verdanken, denkt man nur an die Zitadellen Jazznacht, auf der sich später Musikgrößen wie Paul Kuhn, Klaus Doldinger und die WDR Big Band die Klinke in die Hand gaben. Auch junge, damals noch recht unbekannte Musiker, wie der Gitarrist Josho Stefan, die Saxophonistinnen Carolyn Breuer und Angelika Niescie, die später internationale Anerkennung erlangten, fanden als Newcomer auf der Jazznacht ein willkommenes Sprungbrett.

Jazznacht legt Pause ein

In diesem Jahr legt die Jazznacht eine Pause ein — vielleicht für immer. Auch die jährliche Konzertreihe wurde gestrafft. „Die Jazznacht war lange Jahre ein Event und war ein Ort der Begegnung mit dem Jazz. Dabei spielte der Innenhof eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren ist der Eventcharakter zusehends verloren gegangen“, erklärte Reinhold Wagner, der Vorsitzende und Gründungsmitglied des Jazzclubs.

Wagner ist sich bewusst, dass der Jazz eine Nischenmusik ist und ebenso wie die Klassik mit Publikumsschwund zu kämpfen hat. Obwohl die Veranstalter die Stilrichtungen änderten und die Anzahl der Bands reduzierten, wurde es immer schwieriger, für die mit hohem Aufwand organisierten Konzerte genügend Zuschauer zu mobilisieren. Zwangsläufig klaffte somit die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben immer weiter auseinander.

Trotz treuer Sponsoren kann der Club die Jazznacht nicht mehr alleine stemmen. Hinzu kommt, dass die Konkurrenz in den Nachbarstädten Eschweiler und Düren zu groß ist. Dort werden den Jazzfreunden mehrtägige Programme bei freiem Eintritt geboten. Auch die Bemühungen durch eine Gewichtsverlagerung zu moderneren Stilrichtungen ein jüngeres Publikum anzusprechen, trugen keine Früchte.

Nun kehrt der Jazzclub Jülich zu den Wurzeln zurück. In seiner Satzung steht unter anderem: Zweck des Vereins ist die Förderung der Jazzmusik durch die Durchführung musikalischer Veranstaltungen im Jazz und verwandter Richtungen und der Vermittlung von Kontakten regionaler Amateurmusiker. Hierbei soll die Jazzszene in Jülich insgesamt und im Speziellen der Nachwuchs gefördert werden.

Angedacht ist, dass der Jazzclub künftig primär zu einer anerkannten Bühne für regionale Amateurbands wird. Dabei werden wieder verschiedene Stilrichtungen wie Oldtime Jazz, Swing, Latin und zeitgenössischer Jazz vorgestellt, wobei der Schwerpunkt bei den traditionellen Stilrichtungen liegen soll.

Das finanziell Machbare

Das Jahresprogramm ist bereits mit der erfolgreichen Günther Joos Swing Group angelaufen. Sechs weitere Konzerte folgen im Laufe des Jahres. Am 30. Januar folgt die Mitgliederversammlung mit Neuwahlen. Dann werden auch die Weichen für die Zukunft des Jazzclubs gestellt. „Man muss das machen, was man kann, musikalisch und finanziell“, gibt Reinhold Wagner die Richtung vor.

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