Jülich: Integrative Disco für Menschen mit und ohne Handicap

Jülich: Integrative Disco für Menschen mit und ohne Handicap

„Tanzen ist Träumen mit den Füßen“, ist an der Wand zu lesen. Der Satz von Fred Astaire passt, wenn der Blick zur Tanzfläche geht. Hier bewegen sich Jugendliche zur Musik, halten sich an den Händen, scheinen losgelöst von den Anforderungen des Alltags.

Auf der Tanzfläche sind zwei Rollstuhlfahrer, ein junger Mann mit Rollator und andere Menschen mit Handicap. Ein Mädchen mit Down-Syndrom lehnt lässig an einem Pfeiler, schreibt in ihr Smartphone, ihre Freundin checkt Facebook-Nachrichten. Es ist Samstagabend, die jungen Erwachsenen treffen sich in der integrativen Disco der Aktion Lebensfreude in den Räumlichkeiten der Tanzschule „Dancing and more“.

Die Disco-Besucher verhalten sich wie andere junge Erwachsene und sind doch besonders. Besonders, weil sie manchmal Unterstützung brauchen, vielleicht keine Treppe bewältigen können, der Türrahmen zu schmal für einen Rollstuhl ist oder sonstige Barrieren da sind. Deshalb besuchen sie die integrative Disco in Jülich. „Meine Tochter Nicole spricht den ganzen Monat davon“, sagt Franz-Josef Schumacher aus Linnich. „Das ist ein absolutes Highlight“. Petra Loevenick sieht das ähnlich. Auch sie begleitet ihre Tochter und meint: „Das ist der einzige Ort, wo sich Menschen mit Handicap — abgesehen von der Schule und Arbeit — treffen können.“

Veranstalter ist der Verein Aktion Lebensfreude. Fünf Mitglieder sind da, organisieren den Ablauf und die Theke, sind ehrenamtlich aktiv. Die Gäste kommen aus der Region, nicht nur aus Jülich. So sind Bewohner des Vinzenz-Heims aus Aachen da, andere sind aus Eschweiler, Düren oder Langerwehe. Der Eintritt ist frei. Eltern wie Betreuer sitzen an den Tischen, das Licht flackert im Disco-Sound, die Umgebung unterscheidet sich in nichts von anderen Discos. „Ich komme gerne hierher, sagt Luisa Johnen (19). „Hier treffe ich meine Freunde, wir tanzen zusammen und haben Spaß.“

Die Tanzschule verfügt über einen Aufzug. Das ist ein Grund, warum der Verein und Tanzschulinhaber Thorsten Baulig zusammengekommen sind. Mit dem alten Raum waren die Mitglieder unglücklich. Die Tochter der ehemaligen Vorsitzenden Petra Steinbusch besuchte bei Baulig einen Zumba-Kurs. Man kam ins Gespräch, Baulig bot die Tanzschule als Alternative an.

„Zur integrativen Disco kommen in der Regel rund 50 bis 60 Besucher“, sagt der Tanzlehrer, der auch ein kleines Animationsprogramm mit den Gästen veranstaltet. So wie heute: Ein Nikolaus taucht auf, verteilt Weckmänner. Sonst animiert er zu gemeinsamen Tänzen oder Singen. Die jungen Erwachsenen mögen die aktuellen Charts, aber noch lieber ist ihnen Partymusik. Darauf fahren alle ab. Das sehen die Besucher genauso: „Die Musik ist das Beste hier“, bestätigt Klaus Jahn (25).

Die Disco wird vor allem von Menschen mit Handicap besucht. Doch soll sich das ändern. Im Sinne der Inklusion wünscht sich der Verein auch viele Besucher ohne Behinderung. Infos gibt es bei Marlene Bastian unter Telefon 0176/92199537.