Inden/Altdorf: Innovationsregion: „Treueschwur“ von RWE zum Revier in Inden

Inden/Altdorf: Innovationsregion: „Treueschwur“ von RWE zum Revier in Inden

Frühzeitig dem Wandel im Braunkohlerevier begegnen und Ideen entwicklen, damit es auch nach der Kohle noch Perspektiven und Arbeitsplätze gibt. Auf diesen einfachen Nenner gebracht soll ein Konsens der gesamten Region hinauslaufen. Dem Gedanken sollte eine Veranstaltung zu Füßen des Indemanns „Munition“ liefern. Initiiert war das Treffen, an dem über 200 Gäste teilnahmen, von der „Innovationsregion Rheinisches Revier“ (IRR) und der Entwicklungsgesellschaft Indeland.

Zu den jüngsten Wirrungen bei der IRR, wo sich die Industrie- und Handelskammer Aachen zurückzieht und deren Bestand gefährdet scheint, gab es öffentlich am Indemann keine Äußerung, dafür aber eine Art Treueschwur von RWE Power zur Braunkohleregion.

Indens Bürgermeister Ulrich Schuster begrüßte die 200 Gäste zu Füßen des Indemanns. Foto: hfs.

Denn der Gesamtkonzern steht bekanntlich seit Wochen in den Schlagzeilen, weil er sich konsolidieren will und diese Woche zum Beispiel die Halbierung der Dividende ankündigte. Die Sparte Braunkohle (RWE Power) bleibt der Region aber wie bisher verbunden, sagte Dr. Lars Kulik vor sicher interessiertem Publikum aus der gesamten Region.

„Macht sich Rheinbraun aus dem Staub?“ Steht man nicht mehr als Partner bei den anstehenden Planungen zur Verfügung? Diese Fragen hatte Jens Bröker, Geschäftsführer Entwicklungsgesellschaft Indeland und Moderator, in der Diskussionsrunde an Kulik als Leiter der Braunkohleplanung und -ausrichtung bei RWE Power gerichtet.

Im Gegenteil, meinte der, man werde die Zusammenarbeit noch forcieren und auch für die nächsten Jahrzehnte für „Wohlstand und Beschäftigung in der Region“ sorgen. Das Unternehmen werde alle genehmigten Braunkohle-Lagerstätten ausbeuten und in die Standorte investieren.

RWE Power könne sich vorstellen, dass im Revier neben der Rekultivierung mit Hilfe des Unternehmens Gewerbegebiete aufgestellt würden. Kulik wörtlich: „Wir sind hier, wir wollen weiterhin die Braunkohle verstromen, wir werden auch weiterhin Projekte zusammen mit der Region fördern.“ Der nächste Schritt sei jetzt die enge Zusammenarbeit mit der IRR, „mit der wir noch größere Projekte in Angriff nehmen können“.

Können zwei große Braunkohlereviere in Deutschland, hier das Rheinische Revier und im Osten die Lausitz, voneinander lernen? Diese Frage zog sich wie der rote Faden durch das zweistündige Programm im Restaurant am Indemann. Mit einem klaren Ja wurde das von Norman Müller, Geschäftsführer Energieregion Lausitz-Spreewald, beantwortet. „Aber man muss sich konzentrieren, um nachhaltig zu operieren“, machte er deutlich, dass Kompetenzgerangel, zu viele Interessenverbände oder Gruppen kontraproduktiv seien.

Sie müssten „Hand in Hand arbeiten“. So seien 250 Projekte für die Lausitzregion angedacht worden, sechs Jahre seien ins Land gegangen, „ehe man sich total zerstritten hatte“. Erst nach einer Einigung sei man an die Öffentlichkeit gegangen, habe diese in die Entscheidungen eingebunden. „Danach lief es prächtig. Lernen Sie aus der schwierigen Startphase in der Lausitz“, ermunterte er.

Der RWE-Konzern ist die „tragende Säule der Stromerzeugung“ im Land, erklärte Dr. Michael Henze als Abteilungsleiter im NRW-Wirtschaftsministerium. Er brachte die Parallelen zur Lausitz — dort die Seenlandschaft, hier die Restseen — zur Sprache. Die „Projekte sind nur im breiten Konsens zu schaffen, denn Innovationen müssen an die Stärken der Region anknüpfen“. Die Innovationsregion Rheinisches Revier hat 24 Projektideen gesammelt. Inhaltlich reicht das vom Gewerbeflächenverbund über Energieforschung, Mittelstandsförderung bis hin zur Verkehrsinfrastruktur.

Neue IRR-Finanzierung nötig

Dass eine Bündelung, zum Beispiel unter dem Dach der Kölner Bezirksregierung sinnvoll sei, hob Regierungspräsidentin Gisela Walsken hervor. „Dadurch können viele Probleme gelöst werden. Regionalplaner und die Politik müssen an einem Tisch sitzen.“ Sie sprach an, dass nach dem IHK-Rückzug die neue Finanzierung der IRR-Geschäftsstelle Jülich notwendig sei.

In einer Diskussionrunde, die von IRR-Geschäftsführer Jürgen Drewes moderiert wurde, war man sich einig, dass auch nach der Braunkohle das Rheinische Revier das Potential habe, Energiestrategien für 2030 zu entwickeln. Möglichkeiten biete zum Beispiel die Biotechnologie, die bei den Experten im Forschungszentrum Jülich oder der Fachhochschule Aachen in guten Händen sei.

(hfs.)
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