"Innogy Indeland Klimaschutzpreis" verliehen

Klimaschutzpreis : „Böhnchen ohne Tönchen“ auf Platz eins

Das Konsumverhalten ändern, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Der „Innogy Indeland Klimaschutzpreis“ ging in diesem Jahr an zwei lokale Projekte, die in zwei völlig unterschiedlichen Handlungsfeldern ein Umdenken bei dem Konsumenten erwirken wollen.

Den 1. Platz sicherte sich der Verein Rheinische Ackerbohne, der die Rheinische Ackerbohne wieder in das Bewusstsein der Menschen bringen soll. Die Bohne birgt viele Möglichkeiten im Hinblick auf den Klimaschutz und gesunde Ernährung. Um klimafreundliche Aspekte ging es auch beim Projekt von Walter Peters, das mit dem 2. Platz bedacht wurde.

Seine öffentliche Ladestation für Elektroautos ist die erste im Stadtgebiet Linnich und soll als Leuchtturm-Projekt für künftige Projekte in puncto Elektromobilität dienen. Mit dem Bau eines neuen Wohnhauses mit dazugehöriger Solaranlage fing alles an. Weil die Einspeisung des Solarstroms kaum Geld einbringt und sich die Speicherung der Energie aufgrund horrender Preise für Batterien nicht rentiert hätte, blieb noch die Idee einer Ladestation für Elektrofahrzeuge.

„Dann haben wir daraus eine öffentliche Ladestation gemacht, die zur Verfügung steht für Leute auf der Durchreise, die ihr Auto laden wollen“, sagte Peters bei der Preisverleihung. Er kritisierte außerdem die mangelhafte Infrastruktur, denn in Hottorf ist bereits nach zwei Ladestationen Schluss, weil das Stromnetz dafür nicht ausgelegt ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine öffentliche Vorrichtung handelt, wie bei Peters oder ob ein Gerät dieser Art in einer privaten Garage installiert wurde, zwei Lademodule und die Elektromobilität von Hottorf findet ein rasches Ende. Auch Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker thematisierte diesen Punkt und lobte das Engagement von Walter Peters.

Um Konsumverhalten und Umweltschutz geht es auch beim Verein Rheinische Ackerbohne. Zusammen mit 50 weiteren Landwirten gründete das Ehepaar Maria und Karl Adolf Kremer vor drei Jahren den Verein mit dem Zweck, die Ackerbohne zu bewerben und auf ihre zahlreichen Vorteile aufmerksam zu machen. Es begann mit der Feststellung, dass im Rheinland kaum Ackerbohnen angebaut wurden, weil der Anbau schlicht und ergreifend nicht wirtschaftlich genug war. Dabei wurde die Ackerbohne vor rund 70 Jahren sehr intensiv und erfolgreich angebaut. „Mit der Erbse ist die Ackerbohne die einzige Pflanze gewesen, die die Eiweißversorgung von Mensch und Tier während und nach des Krieges ermöglicht hat“, sagte Karl Adolf Kremer. Außerdem klafft ein großes Loch zwischen dem Verbraucherverhalten und dem Importverhalten Deutschlands, denn die meisten Konsumenten sprechen sich gegen gentechnisch verändertes Eiweiß aus, allerdings wird das gentechnisch manipulierte Soja trotzdem noch eingeführt und an die Tiere verfüttert.

Vor drei Jahren startete die EU dann ein Förderprogramm, um den Anbau heimischer Eiweißpflanzen voranzutreiben. Der Verein entschied sich für die Ackerbohne, weil sie in zwei Bereichen besonders hervorsticht. Zum einen im Bereich des Naturschutzes und zum anderen unterstützt sie eine gesündere Ernährung. Die Ackerbohne fixiert den für das Pflanzenwachstum benötigten Stickstoff in den Wurzelknöllchen selbst und braucht damit keine Stickstoffdüngung. Zur Herstellung von Stickstoff benötigt man pro Kilogramm Stickstoff ein Liter Diesel, der hier eingespart werden kann. Auch im Hinblick auf Pflanzenschutzmittel ist die Ackerbohne deutlich umgänglicher als andere Pflanzen, denn bei ihr sind im Vergleich zu Weizen beispielsweise nur minimale Maßnahmen notwendig.

Darüber hinaus blüht die Bohne von Mai bis Juni und bietet Bienen, Hummeln und Schmetterlingen zu einer Zeit Nahrung, in der andere Nutzpflanzen schon ausgeblüht sind. „Wenn wir über Bienenschutz reden, geht es nicht nur darum, etwas zu schützen, sondern die Tiere kontinuierlich mit Nahrung zu versorgen“, erklärte Kremer. Er stellte auch klar, dass Naturschutz nur zusammen mit dem Konsumenten funktionieren kann und die Leute deswegen umfangreich über Produkte, wie beispielsweise die Ackerbohne informiert werden müssen, um davon überzeugt zu werden.

Zu diesem Zweck hat seine Ehefrau, Maria Kremer, eine eigene Internetseite über die Ackerbohne eingerichtet, auf der über die Eiweißpflanze informiert wird. Darüber hinaus arbeitet der Verein mit einer Foodbloggerin aus Berlin zusammen, die die Bohne zu kleinen Snacks verarbeitet, die deutlich weniger Fett enthalten als die herkömmlichen Alternativen. Die Ackerbohne bietet des weiteren den Vorteil eines sehr hohen Gehaltes an Eiweißen und Ballaststoffen, was insbesondere für Sportler geeignet ist. Doch auch für Diabetiker bietet die Bohne einen entscheidenden Vorteil, weil der Blutzuckerspiegel geringfügig ansteigt und dann direkt wieder auf den normalen Stand fällt. Da diese Sorte sehr wenige Bitterstoffen enthält, entfallen auch lästige Nachwirkungen beim Konsum der Ackerbohne, ein „Böhnchen ohne Tönchen“ sozusagen.

Walter Peters war positiv überrascht, dass der 1. Platz eines Klimaschutzpreises an einen Verein ging, der von Landwirten geführt wird und begrüßte das als Schritt in die richtige Richtung.

Im Dezember geht es dann für die Stadt Linnich selber mit dem Klimaschutz weiter. Nachdem im Juli der Klimanotstand ausgerufen wurde, soll im kommenden Monat ein moderierter und interfraktioneller Workshop stattfinden, bei dem ein konkretes Maßnahmenpaket erarbeitet werden soll, dass die Handlungsfelder, wie beispielsweise Ressourcenschonung und Mobilität abdeckt.

(ikr)