Initiative „Heiligabend für Alleinstehende“ ausgezeichnet

Auszeichnung für Jülicher Initiative : Dank an die, die Heiligabend an andere denken

„Es gibt Menschen, die sind an Heiligabend allein. Und an kaum einem anderen Tag im Jahr spürt man das Alleinsein so deutlich wie an Heiligabend. Daher ist es umso schöner, dass es Ehrenamtliche gibt, die ein ganz besonderes Geschenk machen: Zeit.“

Damit brachte Katja Böcking, Vorsitzende der Jülicher SPD, auf den Punkt, warum die Sozialdemokraten das Team hinter der Veranstaltung „Heiligabend für Alleinstehende“ für ihre Verleihung der ‚Jülicher Klippe’ ausgewählt hatten.

Warum eine silbern glänzende Notwährung in einer Schatulle als Preis? „Unsere Gesellschaft ist nicht frei von Not. Not drückt sich überall anders aus. Not ist auch, wenn man Heiligabend allein ist“, unterstrich sie. „Für diese Menschen ist das Team ‘Heiligabend für Alleinstehende‘ eine Notwährung“, setzte sie nach. Ein Loblied auf Jülich sang die Vorsitzende, weil es „gerade die kleinen Dinge sind, die Jülich groß machen“.

Wie zur Bestätigung ihrer Worte brachte das a-capella-Ensemble Notsi(n)gnal zum Abschluss seines gelungenen musikalischen Zwischenprogramms „einen Knaller“ zu Gehör, das amüsante Stück mit dem Titel „Jülich ist chic“. Als Laudator war der evangelische Pfarrer Horst Grothe auserkoren, weil laut Böcking beim Thema Heiligabend ein Pfarrer gut geeignet ist, zudem, „wenn dieser Pfarrer dem Team auch noch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt“.

Der Festakt: SPD-Vorsitzende Katja Böcking (2.v.r.) verleiht die Jülicher Klippe. Ansprechpartner der Initiative „Heiligabend für Alleinstehende“ ist Helmut Windelschmidt (l.). . Foto: Silvia Jagodzinska

Der Lobredner gab sich bescheiden, er wäre gerne hinter  Projektinitiator Pfarrer i.R. Josef Jansen zurückgetreten. Grothe beschrieb die Erinnerungen und Gefühle in Verbindung mit Heiligabend, den „langen Schatten der Vergangenheit“, umriss aber auch die „Bescherung in einem Zimmer voller Fettnäpfchen, in die man automatisch tritt“. Sein roter Faden landete bei der Hilfe, die „gar nicht mehr wegzudenken ist aus Jülich und die in immer stärkerem Maße in Anspruch genommen wird“, an einem Tag, an dem die Zahl der Suizide besonders hoch sei. Aus seiner Erfahrung als Gefängnisseelsorger weiß der Pfarrer, dass die „Zelle an diesem Abend wohl unerträglich eng“ ist.

„Großartiges Geschenk“

Er sieht die Jülicher Klippe als ein „Symbol, dass ihr Engagement eine stabile Währung ist, die Not wenden kann und notwendig ist. Die Botschaft der Leute, die sich für uns die Ärmel hochkrempeln und die Hände schmutzig machen, kommt an“, resümierte der Geistliche. Als „Heiligabend-Fan“ und Enkel eines „Heiligabendprofis“ lobte Bürgermeister Axel Fuchs (parteilos) das „großartige Geschenk“ der Preisträger, aber auch das Engagement der SPD. Diese empfindet er als „wohl wichtigste Partei der Demokratisierung“. Nach der Verleihung der Klippe hob Helmut Windelschmidt, Ansprechpartner der Initiative „Heilig Abend für Alleinstehende“, die Eckpunkte hervor: Vor 45 Jahren gründete Pfarrer Josef Jansen „mit ein paar Jugendlichen“ die Initiative und reichte den Staffelstab an Pastoralreferent Bernd Dickmeis weiter.

Heute im Bonhoefferhaus

Aufgrund des großen Zuspruchs reichte der Platz in der Christinastube vor ein paar Jahren nicht mehr aus. Die Feier wurde ins Bonhoefferhaus verlegt, es wurde „eine große Sache darauf“. Metzger Heinz Franken erfuhr, warum Windelschmidt bei ihm für Heiligabend größer Mengen einkaufte. Im nächsten Jahr spendete er das Fleisch, im Jahr darauf kochte er für alle Gäste. Nach seiner Geschäftsaufgabe rief er die Spendenaktion „Heinz Franken kocht“ ins Leben. „Dankbare Gesichter und Dankesworte“ belohnen das Team an jedem Heiligabend. Nachdenklich stimmten sein Worte: „Die Gesichter werden immer jünger. Viele Menschen sind zu schwach oder zu weich fürs Leben.“ 

(ptj)
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