Übergangslösung wird zum problematischen Dauerzustand

Flüchtlingscontainer an der Merödgener Straße : Übergangslösung wird zum problematischen Dauerzustand

Formal war der Punkt auf der Tagesordnung des Indener Gemeindeplanungsausschusses keine große Sache: Der Ausschuss hat beraten, ob die Gemeinde die Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für den Flüchtlingscontainer an der Merödgener Straße in Inden beantragen soll.

Eine Entscheidung beziehungsweise eine Empfehlung gibt es noch nicht. Stattdessen hat der Ausschuss die Verwaltung beauftragt, vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften zu überprüfen, wie viele Personen die Gemeinde gerade unterbringt. Liegen die Zahlen vor, dann soll entschieden werden, ob der große Container weiter benötigt wird oder abgebaut werden kann. Aktuell ist die obere Etage geräumt und die untere voll besetzt.

Unabhängig davon ist der doppelstöckige Container an der Merödgener Straße für bis zu 38 Personen schon längst nicht mehr das, was er ursprünglich sein sollte: eine Übergangslösung. Es gebe Personen, die laut Reiner Lövenich vom Asylkreis Inden schon von Anfang an, also seit 2015, in dem Container leben. Von Anfang an gibt es Kritik an der Art der Unterbringung an der Merödgener Straße.

Rat ist gegen einen Neubau

Die ist sowohl dem Asylkreis Inden ein Dorn im Auge, als auch Bürgermeister Jörn Langefeld (parteilos). Der versucht seit drei Jahren, einen Neubau auf den Weg zu bringen. Der befände sich dann im Besitz der Gemeinde und könnte später anders genutzt werden. Legt man die Pläne zugrunde, die ein Architekt schon einmal für einen Neubau für 24 Personen im Ortsteil Schophoven vorgestellt hatte, dann wäre dieser Neubau jetzt zur Hälfte finanziert. Einfache Rechnung: Rund eine Millionen Euro für den Neubau stehen rund 500.000 Euro an Miet- und Nebenkosten für den Container-Komplex seit 2015 gegenüber. Bisher lehnt der Rat einen Neubau aus Kostengründen ab.

Das stößt in der Verwaltung und beim Asylkreis auf Unverständnis. Um das vorwegzunehmen: Asylkreis und Verwaltung sind längst nicht immer einer Meinung, Reiner Lövenich vom Asylkreis nennt beispielsweise kommunikative Probleme mit der Verwaltung als Grund dafür, warum der Asylkreis den Container an der Merödgener Straße nicht mehr betreut. „Wir sind kein Organ der Gemeinde, sondern ein unabhängiges Gremium, das selbst seine Schwerpunkte setzt“, sagt Lövenich. Dass die Container ein Fehler sind – da liegen Lövenich und Langefeld mit ihrer Auffassung allerdings nahe beieinander. Zwar stehe die Verlängerung der Ausnahmegenehmigung laut Langefeld zwangsweise im Raum, weil die Gemeinde mutmaßlich nicht auf den Container verzichten kann und ein Neubau derzeit auch nicht absehbar ist. Und, weil Inden möglicherweise bis Ende Juni 30 neue Personen oder mehr aufnehmen muss. Das zumindest sei einer Mitteilung der zuständigen Bezirksregierung zu entnehmen. „Die Container entsprechen den Vorschriften“, sagte Langefeld. „Aber eine gute Lösung sind sie nicht. Erstens sind sie vollkommen unwirtschaftlich. Und zweitens tragen sie nicht dazu bei, dass eine Integration in die Ortsgemeinschaft funktioniert.“

Der Container-Komplex liegt außerhalb der Ortschaft, man könnte von einer isolierten Lage sprechen. Dem stimmt Lövenich zu, der betont, dass den Menschen im Container – allesamt Männer, die einzeln nach Inden zugewiesen worden sind – in einer derart isolierten Lage die Perspektive fehle. „Es ist eine Sache, zu wissen, dass man nach zwei oder drei Monaten aus einer solchen Wohnsituation herauskommt. Eine andere ist es, da seit 2015 zu leben. Das ist bei einigen Männern der Fall.“ Mit Blick auf Themen wie Hygiene und Benehmen sei eine solche Situation problematisch. Das ist seit 2015 immer mal wieder deutlich geworden.

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