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Naturschutz: Jeden Tag ein Streifzug durch die Natur

Naturschutz : Jeden Tag ein Streifzug durch die Natur

Norbert Loevenich ist seit vier Jahren Naturschutzbeauftragter der Gemeinde Inden. Der 62-Jährige dreht jeden Tag seine Runde und schaut zusammen mit Hund Benni nach dem Rechten. Das Hauptproblem in Inden: Müll, der einfach abgeladen wird.

Fröhlich grüßt Norbert Loevenich einen älteren Herrn, der an ihm und Hund Benni vorbeiradelt. „Er fährt hier jeden Morgen lang“, sagt Loevenich fast ehrfürchtig. Genau wie der sportliche Fahrradfahrer ist auch der Naturschutzbeauftragte jeden Tag auf den Indener Wander- und Schleichwegen unterwegs.

Das ist er freilich nicht erst, seitdem er vor vier Jahren begonnen hat, das Ehrenamt zu bekleiden. Entdecken, Beobachten, Herumstromern – das zieht sich schon seit Norbert Loevenichs Kindheit durch sein Leben. „Ich bin sehr naturverbunden und immer viel durch die Gegend gelaufen“, sagt er. Egal, ob er mit dem Hund unterwegs ist oder bis spät am Abend auf der Terrasse sitzt – draußen sein ist für den Indener wichtig. Scheint in der Familie zu liegen: Seine Schwester ist Naturschutzbeauftragte in Düren.

In seinem Beruf als Koch ist Norbert Loevenich gerade in Kurzarbeit. Das bedeutet jedoch, dass er mehr Zeit für sein Ehrenamt hat, was ihm spürbar gut gefällt. Jeden Tag läuft er mindestens fünf bis sechs Kilometer, etwa  einmal pro Woche macht er die große Runde durch die Gemeinde. Dazu werden dann Rad und Auto eingebunden, schließlich ist das gesamte Gebiet recht weitläufig.

Die Bank, auf die Loevenich sitzt, hat er selber gebaut. Leider wurde sie in Teilen zerstört.
Die Bank, auf die Loevenich sitzt, hat er selber gebaut. Leider wurde sie in Teilen zerstört. Foto: Svenja Stühmeier

In unmittelbarer Nähe seines Hauses befinden sich Fußwege, die auf Loevenichs Anraten hin angelegt worden sind. Als er an einer stilvollen, weißen Holzbank entlanggeht, sagt der Naturschutzbeauftragte: „Die habe ich vom Gelände, das zum Gut Müllenark gehört, gerettet.“ Sie steht an dem Wanderweg, der rund um die Burg führt. An ihr hängt ein Schild, auf das er einen kleinen Reim geschrieben hat. Tenor: Nehmt euren Müll bitte wieder mit!

„Das ist das größte Problem hier“, sagt er. Als Naturschutzbeauftragter ist seine Hauptaufgabe, die Umgebung zu kontrollieren. Regelmäßig trifft er auf Hinterlassenschaften, die wenig natürlich sind. Plastikreste von Snacks gehören zu den häufigsten, aber auch den kleineren Verschmutzungen. Auf seinem Handy hat er bereits einen Foto-Ordner angelegt, in dem er dokumentiert, was Menschen alles in der Natur entsorgen. Windschutzscheiben oder Duschwannen zum Beispiel.

Auf diesem Rundgang entdeckt er einen Haufen Reifen, etwa 25 Stück. Loevenich ist sichtlich verärgert. „Jetzt muss die Gemeinde wieder ausrücken.“ Er selber kann dieses Verhalten nicht verstehen: „Ich gehe viel wandern. Da ist es selbstverständlich, dass ich meinen Müll wieder mitnehme. Und Sperrmüll entsorgen kostet nicht viel, erwischt zu werden beim Abladen in der Natur allerdings mehrere Tausend Euro.“

Norbert Loevenich findet auf seinen Streifzügen regelmäßig Müll, der einfach in der Natur abgeladen wird.
Norbert Loevenich findet auf seinen Streifzügen regelmäßig Müll, der einfach in der Natur abgeladen wird. Foto: Svenja Stühmeier

Eine weitere Aufgabe, der Loevenich nachgeht, ist die Beobachtung der Tier- und Pflanzenwelt. Eine Zeit lang gab es ein Problem mit Bärenklau. „Die Pflanze sieht wunderschön aus, ist aber giftig“, sagt er. Wenn er also mögliche Gefahren entdeckt, gibt er das weiter, in diesem Fall etwa an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises.

Auch auf artgerechte Tierhaltung im Umkreis hat er ein Auge. „Ich habe die Befugnis, Grundstücke zu betreten, darf aber keine Strafen, sondern nur Hinweise aussprechen.“ Das wäre wohl auch nicht in Norbert Loevenichs Sinne. Nach eigener Aussage regelt er viel auf dem kurzen Dienstweg. Wenn ihm etwas auffällt, spricht er die Personen freundlich darauf an. „Man braucht schon ein bisschen Fingerspitzengefühl für die Gespräche. Aber ich lebe hier ja in einer netten Nachbarschaft.“

Loevenich beobachtet gerne Vögel

Bei seinen Streifzügen geht Norbert Loevenich jedoch auch seinen eigenen Interessen nach, etwa Vögel beobachten. „Ich versuche immer, Vogelstimmen zu erkennen“, sagt er. Pirole zum Beispiel: „Die hört man, sieht sie aber nur selten, obwohl sie komplett gelb sind. Sie sind schüchtern“, sagt Loevenich. „Einmal habe ich ganz kurz einen gesehen. Das war ein tolles Erlebnis.“

Was beim Spaziergang nicht fehlen darf: Bennis Sprung ins kühle Nass. Gerade bei heißen Sommertemperaturen ist die Rur eine willkommene Abkühlung gewesen. Der Hitze ist Norbert Loevenich übrigens auch zeitlich etwas aus dem Weg gegangen: „Ich bin im Sommer gerne morgens gegen vier, halb fünf unterwegs. Das Licht ist da noch ganz anders und man sieht zum Beispiel junge Füchse.“

Wem etwas in der Natur der Gemeinde Inden auffällt (Müll, gefährliche Pflanzen, ...), kann sich bei Norbert Loevenich melden: 02465/2812.