Jülich: In Jülichs italienischen Eiscafés den deutschen Sieg sehen?

Jülich: In Jülichs italienischen Eiscafés den deutschen Sieg sehen?

Italiener, die sich mit kleinen Bällen bestens auskennen, sind schon seit den 50er Jahren in Deutschland und auch im Jülicher Land heimisch geworden: die Eisdielen-Inhaber, die im Sommer süße Träume der Teutonen erfüllen.

Ihre Heimat in Südeuropa haben sie darüber natürlich längst nicht vergessen, vor allem nicht die Fußballer der Squadra Azzurra. Das zeigt sich auch in den Tipps, die unsere Zeitung vor dem EM-Halbfinalspiel am Donnerstag bei den Jülicher Eisexperten mit italienischen Wurzeln gesammelt hat.

„2:0 für Italien”, sagt Carmelo Bontempo vom Eiscafé Cristalo an der Großen Rurstraße voraus. Und er weiß auch schon genau, wer die beiden Tore für Italien erzielt: „Cassano und Bolitelli.” Da Bontempo sein Café bis 22.30 Uhr offen hält und den Fußball-Klassiker auf keinen Fall verpassen möchte, kurbelt er am Abend die Leinwand herunter, auf die ein Beamer die großformatigen Bilder aus Warschau projeziert. Solche „Fernsehabende” gibt es im Cristalo nur zu Zeiten von Europa- und Weltmeisterschaft.

Im Eiscafé Valentino an der Kölnstraße verzichtet Inhaber Toni Timpanaro auf jede TV-Unterstützung und schaut sich die Partie zu Hause an. Sein Tipp immerhin fällt äußerst diplomatisch aus: „Der Bessere soll gewinnen.” Wer das sein wird, verrät der Gastronom indes nicht. Nur so viel: „Wenn die Italiener es nicht verdient haben, sollen sie das Spiel auch nicht gewinnen.”

Emanuele Panciera vom gleichnamigen Eiscafé, das direkt gegenüber liegt, rechnet fest mit einem 3:1-Erfolg der italienischen Elf. „Ich bin hier zu Hause”, sagt der 53-Jährige, der seit 1979 in Jülich lebt und arbeitet, „doch wenn der Ball rollt, schalte ich sofort in den patriotischen Modus”. Um des Familienfriedens willen verhalte sich seine deutsche Ehefrau neutral, während Tochter und ein Sohn für Deutschland bzw. Italien halten. Der andere Filius halte im Nachhinein für den, der auch gewonnen hat...

Die laufende Europameisterschaft ist in seinem Eiscafé das Thema, dem schon die Kleiderordnung Rechnung trägt: Das aus zehn Nationen stammende Bedienungspersonal schlüpft in Trikot, Sporthose und Stutzen der Nationalteams, wozu rund 40 Trikotsätze angeschafft worden sind. Zudem gibt es eine neunköpfige Tippgemeinschaft und ebenfalls einen Beamer, dessen Bilder den Besuchern Verlauf und Spielstand der Partien vor Augen führen.