IKEK-Dauerbrenner: In drei Schritten zu zwei Leuchtturmprojekten

IKEK-Dauerbrenner : In drei Schritten zu zwei Leuchtturmprojekten

Der schrittweise Umbau der Alten Schule Rödingen und die Nahversorgung mit zusätzlichen Supermärkten sind IKEK-Dauerbrenner. Aber auch einige kleinere Projekte sind Teil des Kommunalen Entwicklungskonzeptes.

Die Titzer gehen gerne auf ausgetretenen Pfaden. Nicht im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinn. Das geht aus dem IKEK hervor, dem Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzept, das die Gemeinde seit zwei Jahren betreibt, um attraktiver und fit für die Zukunft zu werden. Im Rahmen von IKEK gab es vor zwei Jahren eine Bürgerbeteiligung. Die Titzer sollten sagen, was sie sich für ihre Heimat wünschen. Die Gemeindeverwaltung versucht dann, mit Förderanträgen Geld beim Land locker zu machen, um die Wünsche wahr werden zu lassen.

Ein lustiges Wünsch-dir-was-Konzert ist das IKEK nicht. Private Swimmingpools oder Hubschrauberlandeplätze passen nicht. Die Projekte, für die die Verwaltung Förderanträge an das Land NRW schickt, müssen einen allgemeinen Nutzen für die Landgemeinde haben. Wie die ausgetretenen Pfade. „Wir legen ein Gassen-Programm für die Ortsteile Titz und Rödingen auf“, sagt Stephan Muckel, der erste Mann in der Titzer Verwaltung hinter Bürgermeister Jürgen Frantzen. In beiden Ortschaften gebe es beliebte Gässchen, Abkürzungen, Verbindungen zwischen Grundstücken.

Die Gemeinde stellt bis Ende September einen Förderantrag, um Geld zu erhalten, mit dem die Gässchen inspiziert und ausgebessert werden können. Ein großer IKEK-Dau­erbrenner wird die Alte Schule Rödingen. Muckel bezeichnet sie als einen von zwei IKEK-Leuchttürmen, der in drei Schritten aufgebaut werden soll. Zuerst das Gebäude der entwidmeten Schule, das zur Heimat für Vereine und Organisationen wie die Caritas werden könnte. Dann plant die Gemeinde den Neubau einer Veranstaltungshalle. Die soll beispielsweise Schützen und Karnevalisten zur Verfügung stehen, die für ihre Veranstaltungen dann kein Zelt mieten müssen.

Stufe drei ist die Neugestaltung des Außengeländes der Schule, das für Kinder und Jugendliche attraktiv sein soll. „Die anderen Ortschaften in Titz haben ihre eigenen Veranstaltungsräume. Im zweitgrößten Ort unserer Gemeinde gibt es sowas im Moment nicht“, macht Muckel die Bedeutung klar.

Günstig wird der Leuchtturm nicht, alles in allem rechnet die Verwaltung mit Kosten von über einer Millionen Euro. Die Mittel sollen etappen- und teilweise mit Fördermitteln des Landes zusammenkommen. Das Land übernimmt im Rahmen der sogenannten Dorferneuerung 60 Prozent der Kosten für ein Projekt, maximal jeweils 250.000 Euro. Für die Alte Schule sollen wenigstens drei Förderanträge gestellt werden, pro Jahr einer: Innenausbau, Hallenneubau, Außengelände. „Wichtig ist, dass der Gemeinderat in seiner September-Sitzung zustimmt, das dann noch fehlende Geld mit Titzer Mitteln aufzubringen“, erklärt Muckel.

Der zweite Leuchtturm ist laut Muckel das Thema Nahversorgung mit zusätzlichen Supermärkten. Einer soll auf dem Aschenplatz Rödingen entstehen, einer im künftigen Primus-Quartier in Titz. „Dazu kommen noch viele kleine Projekte“, fügt er hinzu. Die Gässchen sind ein solches. Der Förderantrag erfolgt bis Ende September. Später soll Titz beim Land auch Zuschüsse beantragen für die sogenannten Pantoffelwege. Das sind Wege, auf denen die Einwohner sich bei einem längeren Spaziergang in der Nähe ihres Ortes die Füße vertreten können. Ein Zwischending: Mehr als eine Runde um den Block, weniger als eine ausgewachsene Wanderung.

Ein Thema, das auch mit Mitteln des Dorferneuerungsprogramms angegangen werden soll: die Breitbandversorgung, schnelles Internet auch auf dem Land. „Wir haben eine Art Bibel beschlossen mit Dingen, die dringend sein müssen“, fasst Muckel die Bürgerbeteiligung mit sogenannten Dorfwerkstätten zusammen. Ganz weit vorne stehe das schnelle Internet in dieser Bibel.

Apropos Dorfwerkstatt: Die Veranstaltungen wären rückblickend nicht mehr nötig gewesen, das ganze IKEK nicht. Denn die Landesregierung hat die Fördervoraussetzungen geändert: Kommunen können Gelder jetzt auch ohne ein großes Gesamtkonzept beantragen. Der Wettkampf um die Fördermittel wird damit intensiver. „Natürlich ist es ärgerlich, wenn sich die Spielregeln während des Spiels ändern“, schildert Muckel die Sicht der Verwaltung. „Aber wir sind trotzdem davon überzeugt, dass wir mit unserem IKEK Erfolg haben. Wir können ein Konzept für unsere Förderprojekte präsentieren. Und bei uns ist klar, dass die Ideen aus der Bevölkerung kommen.“ Das erhöhe die Chancen im Rennen um Fördergelder.

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