In Aldenhoven findet 2019 kein Nachtzug zu

Kein Sicherheitskonzept für Nachtzug : In Aldenhoven gehen die Lichter nicht an

Die nächtlichen Umzüge im Jülicher Land haben in den vergangenen Jahren nicht nur immer mehr Zuschauer angelockt, sie standen auch vermehrt in der Kritik von Polizei und Feuerwehr.

Ob sich die Lichterzüge auch in diesem Jahr wieder in der Dunkelheit in Bewegung setzen dürfen, war anfangs noch nicht klar. Mittlerweile steht fest, dass der Nachtzug in Müntz am Karnevalssamstag durch die Straßen ziehen wird. Auch in Welz wird sich der Umzug am Karnevalsfreitag in Bewegung setzen. In Aldenhoven allerdings wird es in dieser Session keinen Lichterzug geben.

Weil die Nachtzüge zuletzt immer mehr Zuschauer in die Ortschaften gezogen hatten, musste von den Veranstaltern in diesem Jahr ein verschärftes Sicherheitskonzept vorgelegt werden. Für ein solches Konzept sind nicht nur die Besucherzahlen ausschlaggebend, sondern auch die örtlichen Gegebenheiten. „Ab 5000 erwarteten Besuchern ist ein solches Konzept notwendig, wenn eine Gemeinde weniger als 15.000 Einwohner hat“, erklärt Norbert Schiewe vom Straßenverkehrsamt.

Aldenhoven

Für den Nachtzug in Aldenhoven hat die KG Turmschwalben, die bislang Veranstalter war, ein solches Sicherheitskonzept nicht vorlegen können. Unter anderem liegt das an diversen Differenzen zwischen Veranstalter, Gemeinde Aldenhoven, Kreis Düren sowie Polizei und Feuerwehr.

Im vergangenen Jahr habe es einige Vorfälle gegeben, die der Polizei besonders sauer aufgestoßen waren, wie eine Sprecherin mitteilte. „Es ging relativ chaotisch zu und führte schnell zu Problemen.“ An ein zuvor besprochenes Ablaufkonzept hatte sich die KG nicht gehalten. Zum einen hatte es viel mehr Teilnehmer und Wagen gegeben, als angekündigt, zum anderen hatte sich der Zug frühzeitig aufgestellt. Das hatte nicht zuletzt zu erheblichen Verkehrsproblemen geführt, da die Straßen teilweise noch nicht abgesperrt gewesen waren. Außerdem beschädigten einige Wagen aufgrund ihrer Größe auch eine Straßenlaterne.

Die Polizei verfasste daraufhin auch einen Erfahrungsbericht für die Ordnungsbehörden des Kreises Düren. „Bevor wir überhaupt einen Antrag stellen konnten, hatten wir vom Kreis Düren Bescheid bekommen, dass unser Lichterzug wegen dieser Vorfälle nicht genehmigt wird“, sagt Markus Buder, Vorsitzender der KG Turmschwalben.

Nach einigem Hin und Her hätte die Gesellschaft dann doch einen Antrag stellen dürfen – in Verbindung mit einem ordentlichen Sicherheitskonzept. „Dafür hätten wir noch zwei Wochen Zeit gehabt“, sagt Buder. Allerdings seien die Auflagen so verschärft worden, dass es überhaupt nicht möglich gewesen sei, in einer so kurzen Zeit ein tragfähiges Konzept zu erstellen. Zumal die KG das Personal nicht hätte aufbringen können. „Wir hätten jegliche Straßen absperren und die Zugstrecke ändern müssen. Außerdem hätten nur Autos mit Anhänger mitfahren dürfen“, erläutert Buder. Die großen Karnevalswagen aber seien schon längst gebaut gewesen. Fraglich also, ob man überhaupt noch genügend Teilnehmer hätte aktivieren können.

Ralf Claßen, Bürgermeister der Gemeinde Aldenhoven, bedauert die ganze Sache. „Wir haben seitens der Gemeinde alles versucht, um mit Verein und Polizei eine gemeinsame Lösung zu finden. Die deutlichen organisatorischen Mängel der Vergangenheit haben die Sache nicht einfacher gemacht“, sagt Claßen. Die Gemeinde habe dem Verein so gut es geht helfen wollen und setze sich für den Brauchtum des Karnevals ein.

Im Endeffekt war es aber dann die Entscheidung der KG, dass es keinen nächtlichen Umzug gibt. Der Aufwand wäre einfach zu groß gewesen. Dass der Orden der Turmschwalben in diesem Jahr den Spruch „Aldenhoven könnte mehr, wenn der BM im Urlaub wär“ trägt, habe indes nichts mit den Streitigkeiten zu tun. „Das ist aus einer ganz anderen Idee entstanden, lange vor den Auseinandersetzungen“, sagt Buder. Der Vorsitzende erinnert daran, dass der Karneval doch enstanden sei, um Politik und Obrigkeit einmal auf die Schippe zu nehmen, und verweist auf Büttenredner und Mottowagen in Köln, Mainz und Düsseldorf, die die „große Politik“ oft genug verspotten.

Welz

Für den Nachtzug in Welz hingegen gibt es seit Freitag grünes Licht. Das Sicherheitskonzept konnte sowohl das Straßenverkehrsamt als auch die Polizei übrezeugen. Ab 18.30 Uhr wird sich der Zug am Karnevalsfreitag in Bewegung setzen. „Das war alles ein bisschen kompliziert, aber wir haben unsere Zusage bekommen“, sagt Toni Schunck, Verantwortlicher bei der IG Welzer Karneval, die auch Veranstalter ist.

Traktoren wird es in diesem Jahr zwar keine geben, „aber wir haben zahlreiche Fußgruppen und Autos mit Anhängern“. Weil im Ort nicht ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden sind, rät die IG allen Besuchern frühzeitig anzureisen – wenn möglich ohne Auto.

Müntz

Auch in Müntz wird sich der Lichterzug am Karnevalssamstag um 18.30 Uhr in Bewegung setzen. Die Gespräche mit Vertretern des Kreises, der Polizei, des Bürgervereins Müntz und der Gemeinde Titz waren gut verlaufen. „Die Organisation und die gute Zusammenarbeit des Bürgervereins und der Feuerwehr hat den Kreis Düren überzeugt“, sagt Jürgen Frantzen, Bürgermeister der Gemeinde Titz. „Die Ortschaft wird vernünftig abgeriegelt und das gesamte Dorf steht hinter dem Zug.“ In den vergangenen Jahren habe es nie negative Vorfälle gegeben. Nach dem Nachtzug werde dann auch wieder kritisch geprüft, was gut lief und was für die kommenden Jahre noch verbessert werden könnte.

Aufgrund des guten Sicherheits- und Parkkonzeptes könnten sich die Besucher nicht nur Fußgruppen, sondern auch auf größere Gefährte freuen, teilte der Bürgerverein Müntz mit, der den Nachtzug in diesem Jahr wieder organisiert. Ein Lichtspektakel ist garantiert.