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Die ersten Spritzen gegen das Coronavirus: Impfung sorgt für Erleichterung

Die ersten Spritzen gegen das Coronavirus : Impfung sorgt für Erleichterung

Bewohner und Mitarbeiter der ersten Senioreneinrichtungen im Jülicher Land werden gerade mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus versorgt. Die Akteure üben Kritik an den Kritikern der Maßnahme.

Die Bewohner und Mitarbeiter der ersten Senioreneinrichtungen im Jülicher Land sind bereits mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus versorgt. Aus den Einrichtungen war zu hören, dass die Bewohner erleichtert sind, weil sie bald möglicherweise keine Angst mehr haben müssen, sich mit dem Virus anzustecken. Der größte Teil habe deswegen an der freiwilligen Impfung teilgenommen.

Schon am Dienstag verabreichte Dr. Hubertus Koenen aus der Hausärtzegemeinschaft Titz die ersten Dosen im Altenheim Hasselsweiler. Weil feststand, dass die Seniorenanlage An der Zitadelle Jülich schnell folgen würde, haben Dr. Elisabeth und Dr. Achim Dohr Anschauungsunterricht bei Koenen und seinem Team genommen.

An Silvester waren die Dohrs dann an der Reihe und impften 92 Bewohner und Mitarbeiter der Jülicher Einrichtung. Der größte Teil der Bewohner stünde der Impfung positiv gegenüber sagte Einrichtungsleiterin Heike Poullie. „Unsere Bewohner vermissen den sozialen Kontakt untereinander und zu ihrer Familie. Wir hoffen, dass wir die Einschränkungen bald lockern können.“

Zwei Injektionen

Die Impfung besteht auf zwei Injektionen, die im Abstand von etwa drei Wochen verabreicht wird, wie Achim Dohr berichtete. „Im Moment geht man von einer Wirksamkeit schon nach der ersten Injektion aus. Ganz sicher ist das aber nicht“, schilderte Dohr den Stand der Forschung. Spätestens nach der zweiten Spritze soll die Immunität hergestellt sein. Das erklärten die Dohrs auch Angehörigen von Patienten, die entweder zum Impftermin erschienen, oder telefonisch Fragen stellten. „Aufklärung ist wichtig“, sagte Poullie. Einige Angehörige hätten das Impfen ihres Familienmitgliedes  aber auch untersagt. Es gebe auch Mitarbeiter, die verunsichert seien und erst einmal abwarten wollten.

„Die Situation mit einigen Angehörigen war nicht immer einfach“, schilderte Poullie die Corona-Erfahrungen. Ein kleiner Teil der Besucher sei unangemeldet erschienen oder habe keinen höchsten 72 Stunden alten negativen Corona-Antigen-Test gehabt. Trotzdem sei es gelungen, die Situation im Heim unter Kontrolle zu halten. Einige wenige Fälle habe es gegeben. Seit acht Wochen sei keine neue Erkrankung aufgetreten.

Unverständnis äußerten die Dohrs für diejenigen, die die Existenz oder die Gefahr des Coronavirus leugnen. „Solche Menschen sollten mal einen Tag lang Dienst auf einer Intensivstation mit Corona-Patienten machen. Dann wissen sie, was hier los ist“, sagte Achim Dohr. Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs, der bei den ersten Impfungen in seiner Stadt dabei war, stimmte Dohr zu. „Ich ärgere mich sehr über diese Trolle, die Internet gegen die Maßnahmen wettern. Warum kann man in solchen Zeiten nicht zusammenhalten“, fragte er.

Empfehlung des Ethik-Rates

Aktuell keimt aus den Reihen der Gegner der Corona-Maßnahmen Kritik an der Impf-Reihenfolge auf, die zuerst Bewohner und Personal in Altenheimen vorsieht, anschließend Personal auf Intensivstationen. Auch der weitere Fortgang der Impfungen ist vorgezeichnet. „Es gibt eine Empfehlung des deutschen Ethikrates. Da kann man doch einfach mal drauf hören“, empfahl Fuchs. Der Jülicher Bürgermeister bezeichnete die ersten Impfungen in seiner Stadt als „Licht am Ende des Tunnels“, das am Ende eines schwierigen Jahres zu sehen sei.

„Der richtige Umgang mit dem Impfstoff ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, erklärte Achim Dohr. Vor allem das Aufbereiten des Impfstoffs, der in der Zusammenarbeit des deutschen Unternehmens Biontec mit dem US-Konzern Pfizer entstanden ist, erfordere viel Aufmerksamkeit. Grundsätzlich gelagert werden muss der Impfstoff bei minus 70 Grad. Wenn die Impfung unmittelbar ansteht, wird der Wirkstoff in einen handelsüblichen Kühlschrank überführt.

„30 Minuten vor der Verabreichung muss er dann auf Raumtemperatur aufgewärmt werden“, beschrieb Johannes Dohr, Sohn des Jülicher Ärztepaares und selbst kurz vor dem Abschluss seines Medizinstudiums. Mit Verena Dransfeld bereitete er die Impfdosen am Silvestertag vor. Die richtige Kühlung sei wichtig, da die Proteinstruktur des Impfstoffs ansonsten Schaden nehmen könne.

Keine akuten Nebenwirkungen

Ist die Temperatur erreicht, wird der Impfstoff mit einer Kochsalzlösung gestreckt. Das Kochsalz müsse langsam in die Ampulle des Wirkstoffs injiziert werden. Anschließend müsse die Ampulle langsam geschwenkt werden. Der Anschauungsunterricht in Hasselsweiler hat funktioniert. Nach gut vier Stunden waren alle Bewohner und Mitarbeiter, die der Impfung zugestimmt hatten, geimpft. Akute Nebenwirkungen waren keine aufgetreten.