Elfjähriger aus Jülich ist Schachjugendmeister: „Ich möchte Großmeister werden“

Elfjähriger aus Jülich ist Schachjugendmeister : „Ich möchte Großmeister werden“

Auf den ersten Blick ist der elfjährige Julian Kliffken aus Jülich ein normaler Junge. Er ist Gymnasiast, ein guter Schüler, lebt mit seinen Eltern in einem Einfamilienhaus in Jülich. Er interessiert sich sehr für Fossilien jeder Art, trifft sich gelegentlich mit Freunden, geht manchmal schwimmen oder liest in „Gregs Tagebuch“ von Jeff Kinney, „…wenn es die Zeit erlaubt“.

In der Schulzeit sitzt er etwa ein bis 1,5 Stunden täglich am Brett, in den Ferien doppelt solange. Denn Julian ist Kölner Schachjugendmeister in seiner Altersklasse U12. Das Turnier zu Jahresbeginn dauerte mehrere Wochen und Julian sicherte sich gegen 23 Gegenspieler den ersten Platz. Im viertägigen U12-Vereinskampf in Lüdenscheid spielte er am ersten Brett und gewann mit seinen Mitstreitern die NRW-Vereinsmeisterschaft. Damit hat sich das Team für die Deutsche Vereinsmeisterschaft in Magdeburg im Dezember qualifiziert.

Natürlich hat den Jungen der Ehrgeiz gepackt: „Ich möchte Großmeister oder internationaler Meister werden“, sagt er. Motiviert durch seinen Vater Christian begann Julian mit sechs Jahren mit dem Schachspielen. Etwa zweieinhalb Jahre später startete er in seinem zweiten Anlauf richtig durch. Er spielt in der Schachgruppe der Betriebssportgemeinschaft Forschungszentrum Jülich. Zusätzlich zum wöchentlich Training gibt Leo Evers, Leiter der BSG-Schachgruppe, ihm im zweiwöchentlichen Rhythmus Zusatzstunden im Spiel der Könige. Desweiteren spielt Julian seit einem Jahr in der Schachgemeinschaft Porz. Dort nimmt er einmal monatlich an den Mannschaftskämpfen „an vier Brettern“ teil, nicht aber an Turnieren für den Verein, „das ist zu weit“.

Spielt lieber gegen Erwachsene

Ohnehin „ist es manchmal schon viel. Wir waren monatelang jedes Wochenende mit ihm unterwegs“, sagt Mutter Kerstin Kliffken, die selbst nicht Schach spielt. Als Begleitperson und Fahrerin bewaffnet sie sich mit Büchern und Zeitschriften und freundet sich mit Leuten an, die sie „immer wieder zu Turnieren trifft“. Wie sieht sich Julian selbst als Schachspieler? „Ich spiele solide und greife an, wenn es sich anbietet. Lieber spiele ich gegen Erwachsene als gegen Gleichaltrige, man verliert weniger sein Gesicht, wenn man das Spiel verliert“, fasst er zusammen.

Er eröffnet gerne sizilianisch, ein äußerst beliebter Spielzug, der mit seinen asymmetrischen Stellungen beiden Seiten taktische und strategische Möglichkeiten bietet. Julian spielte sein erstes Turnier im Schnellschach in der Altersklasse U10 in Niederkassel und wurde Siebter von 35 Teilnehmern.

Den Jugendpokal, einer von vier silbern glänzenden Pokalen aus seiner stolzen Sammlung, gewann er gleich bei seinem zweiten Turnier in der Klasse U10 in Bad Godesberg. Nicht immer winken dem Sieger Pokale. So wurde beim Schnellschachturnier „Schwert von Lülsdorf“ in Niederkassel-Mondorf der Schüler-Preis von 30 Euro ausgelobt, bei einem Turnier in Kerpen wurde Julian für seine Deutsche Wertungszahl unter 1500 mit 50 Euro belohnt.

Ein Schnellschachturnier dauert in der Regel 15 Minuten. „Die Normalzeit beträgt in Mannschaftskämpfen 90 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug. Ab dem 40. Zug gibt es eine halbe Stunde zusätzlich“, erklärt er Schachjugendmeister. Durch seine Teilnahme an den Schachturnieren kamen Julian und seine Eltern weit herum, sogar ins benachbarte Ausland. Im Schnellschach-Jugendturnier 2018 bei der KSK Rochade Eupen belegte Julian den 5. Platz in der U10.