Hund stirbt in Auto: Heftige Reaktionen auf Nachricht aus Jülich

Deutschlandweites Medienecho : Heftige Reaktionen auf Tod eines Hundes im Auto

Ein qualvoll zu Tode gekommener Hund und ein Zettel sind der Inhalt der möglicherweise lautesten Schlagzeile aus Jülich seit langer Zeit.

Bild, WDR, Spiegel, die Süddeutsche, das Hamburger Abendblatt, die Augsburger Allgemeine – die Liste der Medien ist noch viel länger, die den tragischen Tod eines Hundes im Auto auf dem Besucherparkplatz des Forschungszentrums zum Thema gemacht haben. „So viele Medienanfragen hatten wir seit dem Sportplatzüberfall in Welldorf-Güsten und den Angriffen auf Polizisten in der Scharnhorststraße in Düren Ende 2016 nicht mehr“, sagte Ingrid Königs von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde.

„Das Thema hat uns selbst betroffen gemacht“, sagte Königs weiter. „Wir haben mit Resonanz gerechnet. Aber nicht mit so viel.“ Sogar Medien aus Österreich hätten angerufen, um Details des tragischen Todes eines Schäferhundes bei der Polizei abzufragen.

Der Hund war am Mittwoch im Auto eines Mannes aus Hattingen verendet. Zuvor hatte der Mann einen Zettel im Auto hinterlassen. „An alle Neugierigen! Es sitzt ein Hund im Auto, ich weiß das und es geht ihm gut! Jetzt kümmern Sie sich um Ihre Sachen und mischen Sie sich nicht in Dinge, die Sie nichts angehen!“ Trotzdem hatte ein Zeuge die Polizei gerufen. Für den Hund, der bei 25 Grad Außentemperatur offenbar mehrere Stunde bei geschlossenen Fenstern im Auto gefangen war, kam die Hilfe trotzdem zu spät.

Ein Hund im Auto: In Jülich hatte eine solche Situation am Mittwoch tödliche Folgen für das Tier. Anders als auf dem Symbolbild waren die Fenster des Autos komplett geschlossen. Foto: dpa/Stephan Jansen

Facebook war nach Bekanntwerden des Vorfalls voll von teils sehr heftigen Reaktionen; auf der Seite der Dürener Polizei, der unserer Zeitung und bei allen anderen Medien, die berichtet hatten. Teilweise mussten Beiträge gelöscht werden, weil deren Inhalte einer Hetzjagd auf den Hundehalter glichen. „Allgemein merkt man, dass ein Wandel in der Denkweise eintritt“, stellte Königs fest. „Immer mehr Menschen sind nicht mehr bereit, Tiere vor dem Gesetz als Sache anzusehen, sondern als Lebewesen.“

„Unser Ansinnen war, auf das immer wiederkehrende Problem hinzuweisen, bei steigenden Temperaturen keine Tiere über längere Zeit in einem Auto zurückzulassen“, sagte Königs. Gleichzeitig mahnte sie zu einem maßvollen Vorgehen, das der Situation angemessen ist. Zeugen, die Tiere im Auto feststellen, sollten sich ein genaues Bild machen. „Wenn ein Hund sich alleine im Auto befindet, bedeutet das nicht automatisch, dass er stirbt.“

Ratsam sei, zu beobachten, wie der Hund sich verhalte. Hechelt er? Ist er unruhig? Ist vielleicht doch ein Fenster geöffnet? Schließlich sei es möglich, dass das Tier sich tatsächlich nur für kürzere Zeit alleine im Auto befinde und keinerlei Notlage vorliege. Im Fall von Mittwoch war die Lage eindeutig anders. Die Fenster waren geschlossen, die Scheiben beschlagen und der Hund kämpfte um sein Leben.

Wer sich entscheide, ein Tier aus einer mutmaßlichen Notlage zu befreien, indem er beispielsweise eine Fensterscheibe einschlägt, der müsse sich darüber klar sein, dass er vor dem Gesetz eine Sachbeschädigung begeht. Königs sprach von einem schmalen Grat, auf dem sich der vermeintliche Retter bewege. „Es ist wahrscheinlich, dass die Polizei dann eine Strafanzeige anfertigt. Später entscheidet die Staatsanwaltschaft, was aus dieser Sache wird“, führte Königs aus.

Deswegen sei es sinnvoll, die mutmaßliche Notlage des Tieres im Vorfeld zu dokumentieren, beispielsweise mit Fotos oder Videos, die mit dem Mobiltelefon gemacht werden. Wenn die Situation es hergibt, sollten Polizei oder Feuerwehr eingeschaltet werden.

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