Rödingen: Historetten: Fußball, Pharmaziegeschichte und Politik

Rödingen: Historetten: Fußball, Pharmaziegeschichte und Politik

Als „erfolgreichster Geschichtsverein aller Zeiten“, zumindest in Rödingen, stellte der „Historetten“-Verein im neuen Dorftreffpunkt „Alte Schule“ die 12. Auflage seiner „Zeitschrift für Geschichte und Geschichten vor“.

Nach der Begrüßung durch Vereinsvorsitzende Michaela Schuh bot Franz Felix Schüller einen Überblick über die vier Schwerpunktthemen. Schon der Einband weist auf eines der Themen hin. Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme mit zwei angemessen gekleideten Damen zeigt die Apotheke um 1910 auf dem Titelblatt und ihr heutiges Erscheinungsbild ein Farbfoto auf der Rückseite.

Hans-Bert Cremer hat das Leben des Apothekers Josef Jüsten nachempfunden. Als schwächliche Frühgeburt in Köln sollte dieser zum Sterben „beiseitegelegt werden“, was die sehr religiöse Tante Stephanie verhinderte. So ging Jüsten zwar „etwas kränklich, aber gerade seinen Weg“.

Stoff für viele Berichte bietet im Vorfeld seines 100-jährigen Jubiläums der SV 1919 Rödingen-Höllen. Die von Franz Felix Schüller geschriebene Fußballvereinsgeschichte, aus deren Anfangszeiten nur wenig überliefert ist, beginnt mit „einer kleinen Fußballdemonstration des Rödinger Klubs“. Er siegte gegen den frisch gegründeten Verein Rhenania Güsten bei dessen erstem Fußballspiel überhaupt auf einer Wiese der Burg Güsten mit 9:0! Da SV-Vorsitzender Bernd Ochsenfort bereits neun Jahre vor dem großen Jubiläum seinen Wunsch nach einer Berichterstattung in den Historetten formuliert hatte, dürfen weitere Artikel erwartet werden.

Ein weiteres Feld ist die Gründung der KPD (Kommunistische Partei) in Rödingen als unmittelbare Folge etlicher Unruhen, wieder heißt der Autor Franz Felix Schüller. In der Weimarer Zeit war Rödingen eine KPD-Hochburg, die SPD hingegen eine „politische Randerscheinung“. Im Fokus steht ferner die Geschichte von der Gründung und dem späteren Scheitern nicht mehr publizierender Rödinger Geschichtsvereine. „Ein Geschichtsverein, der keine historische Forschung mehr betreibt und nichts mehr publiziert, ist ein toter Verein“, wie Franz Felix Schüller sagte.

Nach wie vor erfreut sich der „Historetten-Verein“ als „vierter Versuch“ großer Beliebtheit. Wie im Vorfeld versprochen, trat er bisher in den neun Jahren seines Bestehens zweimal jährlich mit einer neuen Ausgabe oder stattdessen einer großen Dorfführung oder einer Ausstellung in Erscheinung.

Nicht gefragt

„Post vom großen Bundeskanzler“, nämlich der „Institution Adenauer“ erhielt die 1938 geborene Martha Esser in ihrer Jugendzeit, was sie in einem rührenden Mundart-Gedicht niederschrieb. Interessant sind auch die übrigen Beiträge. Etwa die von Michaela Schuh geschriebene Einleitung „Warum wurden die Rödinger nicht gefragt?“ Die „Historetten“-Redaktionsmitglieder machen eifrig „die jüdische Geschichte immer wieder zum Thema und erhalten sie am Leben“.

Dennoch stellten sie „mit Erstaunen fest, dass ihr Verein in der Ratsvorlage als Begründung für die geplante Aufstellung der Erinnerungs-Stelen im LVR-Kulturhaus Landsynagoge angeführt wird. Auch, „wenn sie gefragt worden wären“, was nicht der Fall war, hätten die Vereinsmitglieder gerne im Sinne ihres Demokratieverständnisses die Meinung aller in Rödingen lebenden Menschen dazu eingeholt...

(ptj)