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Weihnachtskistenaktion der Tafel: Hilfe in Zeiten der Pandemie

Weihnachtskistenaktion der Tafel : Hilfe in Zeiten der Pandemie

Die Jülicher Tafel setzt auf klare Hygieneregeln und gleichzeitig auf persönliche Unterstützung. Die Weihnachtskistenaktion startet in diesem Jahr ab dem 15. Dezember.

„Angst haben wir nicht. Wir haben das alles gut durchdacht. Auch die Kunden halten die Regeln gut ein. Sie wissen ja, dass wir sonst wieder schließen müssen“. So antworten die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Jülicher Tafel, Vorsitzende Maria Güldenberg, ihre Stellvertreterin Edelgard Heidelberg und Verwalterin Ellen Grobusch auf die Frage nach dem Ablauf von Warenannahme und -ausgabe in Pandemiezeiten. „Bisher sieht es auch gut aus mit der Verteilung. Worte der Freude und des Dankes hören wir jetzt von den Kunden öfter als sonst“, fügen sie hinzu. Im Einbahnstraßensystem gelangen die Kunden in den Wartebereich, wo eine gezogene Nummer den Einlass in den 20 Quadratmeter großen Laden regelt, den zeitgleich zwei Personen betreten dürfen. Aktuell kaufen rund 35 Menschen pro Ausgabetag in der Jülicher Tafel ein, vor der Pandemie waren es etwa doppelt so viele.

Mehr Ware da

Kundenkarten in verschiedenen Farben regeln den Besuch, der aber auch aus Angst vor einer Erkrankung zurückhaltender ist als sonst. Im Gegenzug „ist beim Einkauf dann auch mehr Ware da“, wie Güldenberg es ausdrückt. Spenden, etwa von Landwirten, Bäckereien oder Speditionen, überproduzierte Palettenware oder Bruchware bestücken in großer Anzahl die sauberen und ordentlichen Regale in den Räumlichkeiten der „Jülicher Tafel“ in der Margaretenstraße. Die  rund 20 Ehrenamtler, die pro Tag in drei Bereichen im Einsatz sind, freuen sich, trotz besonderer Herausforderungen ihre 13. Weihnachtskistenaktion durchführen zu können, während sich etwa die Tafeln in Düren, Eschweiler und Stolberg wegen des großen Kundenkreises gezwungen sehen, Gutscheine auszugeben.

Die Weihnachtskisten sind „viel, viel persönlicher“, betonen die Jülicherinnen. Die Spender haben die Kisten mit haltbaren Lebensmitteln für ein liebevoll zusammengestelltes Weihnachtsmenü gefüllt. „Sie packen sie oft zusammen mit ihren Kindern und erklären ihnen dabei, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht. Auch für sie ist das etwas Besonderes“, sagt Heidelberg. Im Übrigen hat die Jülicher KG „Ulk“ ihr komplettes Wurfmaterial, das sie für den inzwischen abgesagten Kengerzug in Jülich eingekauft hatte, für die Aktion gespendet. „Schöne Gefühle“ empfinden die Mitarbeiterinnen aber auch außerhalb der Weihnachtskistenaktion. Etwa, wenn sie  Sätze hören wie: „Ich möchte meine Kundenkarte abgeben, ich habe wieder einen Job“, was ihrem Bekunden nach „immer mal wieder“ vorkommt. Zum Nachdenken regt hingegen die Tatsache an, dass die Damen für Menschen, die ihre Bedürftigkeit nicht offen zeigen wollen, sogenannte Patenschaften übernommen haben.

Um diesem Wunsch gerecht werden zu können, beliefern sie solche Bedürftige mit ihren Privatwagen, was ihnen gelegentlich den Vorwurf einbringt, sich mit gespendeten Waren persönlich bereichert zu haben. „Die wirkliche Armut in Deutschland ist leise“, wissen die drei Damen aus dem Vorstand. Deshalb appellieren sie an die Jülicher Bevölkerung, „Augen und Ohren für die Menschen offen zu halten, denen es wirklich schlecht geht“. Aktuell in Corona-Zeiten „sind bestimmt auch Leute in Not“, bedingt durch Kurzarbeit und Lohnausfall. „Man muss kein Sozialhilfeempfänger sein, um zu uns zu kommen. Haben Sie Mut, Sie sind uns willkommen.“