1. Lokales
  2. Jülich

Ukrainer organisieren, Stadt unterstützt: Hilfe aus Jülich für die Ukraine

Ukrainer organisieren, Stadt unterstützt : Hilfe aus Jülich für die Ukraine

Sachspenden, Unterkünfte, finanzielle Unterstützung, tatkräftige Hilfe – Angebote von Hilfswilligen gibt es viele und der Bedarf ist da. Jülicherinnen und Jülicher mit ukrainischen Wurzeln koordinieren dies nun mit der Stadtverwaltung zusammen.

Die eine hat Eltern in der Westukraine, der nächste hat erst vor wenigen Minuten von seiner Familie aus Charkiw ein Video vom brennenden Nachbarhaus bekommen. Die Betroffenheit der Jülicherinnen und Jülicher mit ukrainischen Wurzeln angesichts des Krieges in ihrer Heimat ist groß. Sie haben sich nun zusammengetan, um Sachspenden für Betroffene zu sammeln und Hilfsangebote, die sie schon auf zahlreichen Wegen erreichten, zu koordinieren. Dabei bekommen sie Unterstützung von der Stadt Jülich. „Wir stehen zusammen, wir gehören zusammen. Die Stadt tut alles, um Ihren Lieben zu helfen“, sagte Bürgermeister Axel Fuchs (parteilos) am Dienstagmittag bei einem Treffen im Rathaus.

Etwa 25 Ukrainerinnen und Ukrainer waren gekommen, viele weitere haben ihre Unterstützung zugesagt. Bisher waren sie eher lose über eine WhatsApp-Gruppe in Kontakt, nun aber steht die Gründung eines Vereines an. Aber diese Arbeiten laufen nur im Hintergrund. Im Vordergrund steht, den Betroffenen vor Ort Hilfe zukommen zu lassen.

„Die ersten paar Stunden herrschte Stille, wir brauchten einige Zeit, um das zu begreifen“, erinnert sich die 43-jährige Rayisa Fits aus Jülich an den vergangenen Donnerstag. „Die ersten zwei Tage haben wir nur in den Nachrichten gelebt“, sagt sie. „Wir gingen auf Demos in Köln und Düsseldorf, um uns dafür einzusetzen, dass die Ukraine mit Waffen zur Verteidigung ausgestattet wird – das war erst mal das wichtigste, das haben wir jetzt geschafft.“ Seit dieser Entscheidung der deutschen Regierung gehe es den Ukrainerinnen und Ukrainern hierzulande besser, erzählt sie aus Erfahrung. Diese Unterstützung gebe Kraft, mit kühlem Kopf die nächsten Dinge anzugehen. Denn nun werden vor Ort unter anderem Medikamente und Verbandsmaterial gebraucht.

Hilfsgüter sollen deshalb in Jülich gezielt gesammelt und in die Ukraine transportiert werden. Letzteres übernimmt die Jülicher Unternehmerfamilie Starchenko, die selbst Verwandte in der Ukraine hat. Ob das dann ein Bus werde oder zehn Lastwagen, sei noch offen, sagte Alexander Starchenko. „Das ist unser Beitrag.“ Die Familie hat bereits an 17.000 Ärzte in ganz NRW geschrieben, drei bis vier Paletten an medizinischem Material und Medikamenten sind daraufhin bereits eingetroffen.

Eines ist den Organisatoren der Hilfsaktion besonders wichtig: Dass in den Transportern wirklich nur Sachen verschickt werden, die vor Ort tatsächlich gebraucht werden, und nicht etwa Unmengen an Kleidungsspenden den geringen Platz wegnehmen. Wichtiger seien im Moment Produkte für den täglichen Bedarf, beispielsweise Hygieneartikel, speziell für Frauen und Kleinkinder, oder Babynahrung. Die Stadt Jülich und der neu zu gründende ukrainische Verein werden dazu baldmöglichst Listen herausgeben (im Netz und am Infoschalter im Rathaus), auf denen alle benötigten Waren genau vermerkt sind und auch erklärt wird, wie Spenderinnen und Spender diese am besten verpacken und beschriften, damit das Austeilen in der Ukraine möglichst schnell vonstattengehen kann. Geliefert werden die Spenden nach Lemberg, nahe der polnischen Grenze. Zum dortigen Landtag hat die Familie Starchenko Kontakt. Da werden die Spenden zusammengetragen und weiterverteilt.

Gesammelt werden die Spenden am Fußballstadion, Rurauenstraße 10, weil die Stadt dort Lagerfläche zur Verfügung stellen kann. Zeiten, in denen Spenden entgegengenommen werden, stehen zunächst bis Montag fest: Donnerstag von 10 bis 12 Uhr und 17 bis 19 Uhr, Freitag von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag jeweils von 12 bis 16 Uhr und Montag von 10 bis 12 Uhr und 17 bis 19 Uhr. Wer nicht mobil ist, kann seine Spenden auch abholen lassen (Kontakt siehe Infobox), außerdem wird die Stadt zeitnah ein Spendenkonto einrichten und die Daten kommunizieren. Wer selbst mit anpacken möchte, kann sich als Helfer melden, auch werden Angebote für Unterkünfte bereits jetzt gesammelt.

Bürgermeister Fuchs sagte: „Wir als Stadt stehen an ihrer Seite und an der Seite aller Menschen, die sich für Frieden einsetzen.“ Sich für den Frieden einsetzen möchten auch die Mitglieder des russischen Vereins Wurzeln. Dessen Vorsitzende Elena Wyrwich sagte, es sei eine Selbstverständlichkeit für sie, nun Hilfe in die Ukraine zu schicken. „Wir unterstützen keine Armee, wir unterstützen Leute in Not. Das ist ein Volk, das keinen Krieg möchte – genau wie wir keinen Krieg möchten“, stellte sie klar. Sie erhofft sich, dass die ukrainischen Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Deutschen, deutlicher trennen – zwischen der russischen Politik auf der einen und dem russischen Volk auf der anderen Seite.

Der russische Kulturverein sammelt ebenfalls Sachspenden: In der Düsseldorfer Straße 16 bis einschließlich Donnerstag von 16 bis 19 Uhr, am Freitag von 12 bis 15 Uhr und am Samstag von 10 bis 14 Uhr (Kontakt: 0179/3507578).

Jetzt die Kräfte zu bündeln und eine gemeinsame Spendenaktion in Jülich zu starten, hält sowohl die ukrainische als auch die russische Gruppe für keine gute Idee. „Die Menschen sind traumatisiert und möchten zunächst unter sich bleiben und das Geschehene verarbeiten“, erklärt Rayisa Fits. „In diesem Moment wäre das schwer. Vielleicht später mal“, sagt Elena Wyrwich.