Jülich: „Heiligeisdorf“: Düsteres Stück zum Auftakt des Theaterfestivals

Jülich: „Heiligeisdorf“: Düsteres Stück zum Auftakt des Theaterfestivals

Es geht um feiges Wegsehen, kollektive Schuld und unterschwellige Grausamkeit im „etwas anderen Theaterstück“, mit dem der Literaturkurs 1 des Gymnasiums Zitadelle sein traditionelles Theaterfestival eröffnete. Die Rede ist von „Heiligeisdorf“ von Karlheinz Frankl, einem dunklen, asketischen und sehr konzentrierten Dorfkrimi.

Ausgewählt hat der Literaturkurs Q1 das Stück, weil ihnen die hartnäckige Vertuschung in der Handlung gefiel und „viel mit Gestik gemacht wird, viel mehr gespielt wird als gesprochen“. So brachten die Darstellerinnen Celina Schaaps und Mara Crützen es auf den Punkt.

Jederzeit und überall

Ort und Zeit der Handlung sind beliebig. „Jederzeit und überall, wo ein schlechtes Gewissen herrscht“. Für die passenden bedrohliche Klänge sorgte Literaturkursleiter Pedro Obiera am Klavier in einer dunklen Bühnenecke. Situationsbedingt improvisierte er Klanggestalten des großen italienischen Nachkriegskomponisten Giacinto Scelsi. Um einen geschlossenen Spannungsbogen zu bieten, hatten sich die Akteure zudem entschlossen, auf eine Pause zu verzichten und nach der gut einstündigen Vorstellung zum Umtrunk zu bitten.

Jede Aufmerksamkeit richtete sich auf die sich häufig in Zeitlupe bewegenden Figuren und ihre eisige Stimmung auf der meist halbdunklen und sparsam ausgestatteten Bühne. Das Sprechen fällt den Dorfbewohnern schwer, sie wiederholen sich ständig. Die meiste Zeit aber halten sie den Finger vor den Mund, um das Unaussprechliche ängstlich zu verschweigen. Nämlich, dass einer von ihnen in einem Wald aus acht menschlichen Bäumen heimtückisch einen Fremden erschlug. Denn: „In Heiligeisdorf brauchen wir keine Fremden. Man will sich doch nicht entfremden“, informierte Sprecher Yannik Raasch.

Das von Ordnung und Sauberkeit geprägte Alltagsleben gefriert unter dem eisigen Mantel des Schweigens aller Bewohner. Dazu zählen auch der zur Gewalt neigende Pastor (Nicolai Abel), der Bürgermeister (Jan Bosch), der Wirt (Henrik Krieger), ihre Frauen und Kinder.

Bis die „fremde Frau“ in Weiß (Celina Schaaps) auf der Suche nach ihrem Bruder im Dorf auftaucht und alleine durch ihre Anwesenheit das verdrängte, schlechte Gewissen der Bewohner aufrüttelt. Wie ihr Bruder stößt sie auf eine Mauer der Ablehnung und teilt am Ende sein Schicksal.

Typisch für Literaturkursleiter Pedro Obiera trat er selbst in der Abschlussszene einmal kurz ins Bühnenlicht.

Still und gespannt verfolgten die zahlreichen Gäste in der Stadthalle die Handlung. Nur ein Mal gab es Zwischenapplaus für Miriam Glasenapp als Bäuerin Vitus für ihren klaren Gesang der Brahms-Vertonung „Guten Abend, gut‘ Nacht“. Abschließend spendeten die Zuschauer den Akteuren für ihr überzeugendes Spiel den verdienten donnernden Applaus.

Die nächste Aufführung im Rahmen des Theaterfestivals, die antike Komödie „Lysistrata“ von Aristophanes, wird am Montag, 20. Juni, und Mittwoch, 22. Juni, jeweils um 19.30 Uhr in der Stadthalle gespielt.

(ptj)