„Kultur ohne Grenzen“: Hauskonzert mit persischer Musik in Linnich

„Kultur ohne Grenzen“: Hauskonzert mit persischer Musik in Linnich

Die Vereine „Kultur ohne Grenzen“ und „Wir sind Linnich“ haben ein Hauskonzert veranstaltet. Dabei spielte die Iranerin Arezoo Rezvani auf einem traditionell persischen Saiteninstrument, der Santur.

Außerdem hatte sie eine Rahmentrommel, den Daf, dabei und begleitete die Melodien zusätzlich mit ihrem Gesang. Als kleine Überraschung für die Besucher des Hauskonzerts wurde Rezvani teilweise von Saeed Hagjili auf einer Kelchtrommel, dem Tombak, begleitet. Den ungefähr 40 Gästen wurde während des Konzerts traditionelle persische Musik zu Gehör gebracht, darunter „Khazah“ von Parviz Maschkatin.

Wilder Trommelwirbel

Khazah heißt übersetzt Herbst. „Das Lied ist weder besonders fröhlich noch traurig, hat aber sehr viel Power“, sagte die Santurspielerin. „Es geht um das Gefühl der Liebe, durch dessen Stärke man alles machen kann.“ Dies spiegelte sich auch in dem wilden Trommelwirbel und inbrünstigen Gesang bei dem Vortrag des Liedes wider. Auch Loftis Instrumentaltitel „Daschti“ fand Anklang.

Besonderes Interesse zeigte das Publikum, dem Zwischenfragen erlaubt waren, an den fremden Instrumenten. „Wo wird das Instrument eigentlich gespielt?“, fragte etwa eine Hörerin, und Rezvani erklärte: „Eigentlich überall. In der Familie, auch bei Festen wie Hochzeiten und eben auf Konzerten.“

Nicole Hilbrandt, die Vorsitzende von „Kultur ohne Grenzen“, sagte zu der dargebotenen Musik: „Ich bin von einer Bekannten auf Rezvani aufmerksam geworden. Ihr Spiel auf der Santur beweist ihr Ausnahmetalent auf diesem sehr schwierigen Instrument.“

Rezvani ist studierte Musikerin und unter anderem nach Deutschland geflohen, um ihre Kunst ausleben zu können. Denn im Iran werden öffentliche Konzerte von Frauen eingeschränkt.

Nachdenkliches Publikum

Als sie ihre Geschichte nach der Pause den Zuschauern erzählte, wurde auch das Publikum sichtlich nachdenklich. „Ich fühle mich in Deutschland wohl, aber der Anfang war als alleinstehende Frau nicht einfach“, sagte sie. Dann nahm sie die Mezab, die Schlägel für die Santur, in ihre Hände und spielte weiter.

Für das Hauskonzert stellte Maria Herzogenrath ihre eigenen vier Wände zur Verfügung. Dies tat sie auf die Bitte ihres Sohnes Karl-Heinrich Herzogenrath, der Mitglied bei „Kultur ohne Grenzen“ und „Wir sind Linnich“ ist. „Das ist das erste Hauskonzert mit persischer Musik bei uns“, sagte dieser. Vorher habe es einige Klavierkonzerte gegeben. Und weiter: „Ich habe den Eindruck, dass Hauskonzerte wieder prominenter werden. Live und ohne Elektronik.“

Mehr von Aachener Zeitung