Haus Broich steht für 1,5 Millionen Euro zum Verkauf

Für 1,5 Millionen zu haben : Altes Schloss sucht einen neuen Prinzen

Schloss zu verkaufen: Das denkmalgeschützte Haus Broich soll in neue Hände gehen – für rund 1,5 Millionen Euro. Erste Interessenten für den alten Rittersitz gibt es auch schon. Es wäre allerdings hier und da etwas zu renovieren.

1862 war es, als Clotilde Freyinn von Hallberg-Broich starb – gerademal ein Jahr alt. Seitdem, so geht die Sage, beschützt sie als Schlossgeist die Bewohner. Die sind nach dem Tod von Juliana Gangloff Freifrau von Hallberg zu Broich im September 2013 rar geworden. Jetzt steht der ehemalige Rittersitz Haus Broich zum Verkauf – für 1,5 Millionen Euro.

Bis in das 14. Jahrhundert reicht die Historie an diesem Ort zurück. In dem einst sumpfigen Gebiet stand eine Turmhügelburg, vermutlich nur ein kleines hölzernes Gebäude. Das wich einem stattlichen Herrenhaus – erreichbar durch eine Freitreppe – und Wirtschaftsgebäuden sowie üppigen Ländereien. Für damalige Verhältnisse muss das Herrenhaus äußerst luxuriös gewesen sein – immerhin nächtigte der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. am 30. Mai 1672 in dem Gemäuer. Später vermutlich auch Napoleon und Wilhelm I.

Die Familie von Hallberg kam etwa Mitte des 18. Jahrhunderts in den Besitz des Herrenhauses, das von einem Wassergraben umschlossen ist. Ein Schlosspark im Stil englischer Landschaftsgärten und ein französischer Garten wurden angelegt. Beides ist heute noch erkennbar. Die Vorburg wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und nur im vorderen Bereich wieder aufgebaut. Ein Teehaus, ein Backhaus mit Scheune blieben erhalten.

Das frühere Backhaus samt Schuppen ist noch intakt. Foto: Burkhard Giesen

Über 340 Quadratmeter Wohnfläche bietet das Gebäude, das im Inneren den Charme der 1950er Jahre versprüht und noch komplett möbliert ist – auch, weil Nachfahren von Juliana Gangloff immer wieder mal vorbeischauen. Da finden sich beispielsweise in den früheren Kinderzimmern noch eine kleine Puppe und ein Teddybär, die in einem alten Sessel drapiert sind, in einem anderen Zimmer ein Plattenspieler mitsamt Schallplattensammlung, oder alte Buchausgaben von Grimms Märchen.

Der Jülicher Josef Hesselmann, der mit der Vermarktung der Immobilie beauftragt ist, kennt die Historie des Gebäudes, zeigt beim Rundgang auf einen alten Sekretär, warnt im Keller vor der niedrigen Gewölbedecke und steilen Treppen und kann auf dem Speicher noch altes Gebälk identifizieren. Er verweist aber auch darauf, dass es Investitionsbedarf gibt. Das Herrenhaus ist nicht an das Kanalnetz angeschlossen, die elektrischen Nachtspeichergeräte müssten erneuert werden. Dafür kann man sich in den rund 350 Quadratmetern nach Belieben einrichten. Im 1. Obergeschoss stehen acht Schlafzimmer zur Verfügung, es gibt ein Turmzimmer, im Erdgeschoss befinden sich die Küche, ein Arbeitszimmer, zwei Wohnzimmer, ein Vorraum, ein Schlafzimmer und die Garderobe. Zu sehen bekommen hat das in den letzten Jahrzehnten kaum jemand.

Das Familienwappen im Toreingang der Anlage. Foto: Burkhard Giesen

Genügend Platz also, zumal der Speicher ausbaufähig ist und zusammen mit dem Gewölbekeller weitere 200 Quadratmeter nutzbar gemacht werden können. Interessenten gibt es, verrät Hesselmann, der schon einige Besichtigungen im Herrenhaus organisiert hat. Personen, die sich das Anwesen als Kapitalanlage vorstellen können, waren ebenso dabei, wie Investoren, die über eine Nutzung nachdenken. Als Sitz einer Stiftung könnte Haus Broich geeignet sein, als exklusives Altenheim oder Intensivstation, listet Hesselmann auf.

Auch für Events im Außenbereich ist die Anlage geiegnet. Es ist allerdings eine Hürde zu überspringen: der Denkmalschutz. Für Mitte Juli hat Hesselmann einen Vertreter der Denkmalbehörde eingeladen, um mit den potenziellen Investoren abklären zu können, welche Veränderungen zulässig sind und wie Nutzungen des Gebäudes aussehen können. Prinzen oder die Prinzessinnen, die sich gerne ein kleines Schlösschen zulegen möchten, haben allerdings bisher noch nicht bei Hesselmann angeklopft...

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