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Inden: Hauptamtsleiter Linzenich möchte den Sparkommissar verhindern

Inden : Hauptamtsleiter Linzenich möchte den Sparkommissar verhindern

Beworben hat sich Michael Linzenich auf die Stelle des Hauptamtsleiters und allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters. Im Moment muss der neue zweite Mann in der Indener Gemeindeverwaltung allerdings mehr machen. Quasi als Mann für alle Fälle springt er auch in der Kämmerei ein, weil der Amtsleiter schon länger krank ist.

„Über zu wenig Arbeit kann ich mich bestimmt nicht beklagen“, sagt Linzenich und lacht dabei. Seit Anfang August arbeitet Linzenich für Inden. Irgendwann, so hofft er, normalisiert sich die Lage wieder, wenn alle gesund sind. Und wenn sich der schon lange schwelende politische Streit zwischen Bürgermeister Jörn Langefeld und drei Fraktionen gelegt hat. „Dass man über Themen diskutiert ist, gut und richtig. Allerdings ist die Zusammenarbeit im Moment verbesserungswürdig“, sagt Linzenich.

Bis Ende Juli war der 32-Jährige Hauptamtsleiter bei der Gemeinde Roetgen. Für Inden beworben hat sich aus mehreren Gründen. Der Herausforderung halber beispielsweise. „Hier sind meine Aufgaben breiter gefächert. Ich bin Hauptamtsleiter und allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Das hat mich sehr gereizt“, spricht Linzenich über seine Motivation.

Dazu kommt, dass der Diplom-Verwaltungsbetriebswirt Indener war. Ursprünglich stammt er aus Pier. Nach der Umsiedlung wegen des Bergbaus ist er nach Niederzier-Selhausen gezogen. Im Vergleich zu Roetgen ist die Anfahrt zum Arbeitsplatz kürzer geworden. Früher zu Hause ist er deswegen nicht. Denn in Inden gibt´s viel zu tun. Beispielsweise muss ein Nachtragshaushalt aufgestellt werden. Nicht, weil die Gemeinde ihre Steuern in diesem Jahr noch erhöhen muss. Die Frist dafür ist abgelaufen. Trotzdem müssen Verwaltung und Politik wissen, wo sie dran sind.

Schließlich darf das Ziel, 2022 einen ausgeglichenen Haushalt und Eigenkapital aufzuweisen, nicht aus den Augen verloren werden. Sonst droht der Sparkommissar, also ein Aufseher der Bezirksregierung, der vorschreibt, was eine Kommune noch ausgeben darf. „Unser Ziel ist es, das zu verhindern“, sagt Linzenich.

Dass auf dem Weg dahin etwas geändert werden muss, ergebe sich schon jetzt aus dem Zahlenwerk. Die Gemeinde befindet sich in einem Doppelhaushaltsjahr, für 2015 und 2016. Verabschiedet wurde er 2014. Damals ging der Rat davon aus, mit einem vergleichsweise moderaten Anheben von Steuern den Haushaltsausgleich bis 2022 schaffen zu können.

Von aktuell 460 auf 590 Prozentpunkte 2022 sollte die Grundsteuer B beispielsweise angehoben werden. „Damals hatte niemand auf der Rechnung, dass die Einnahmen aus den Gewerbesteuern so drastisch einbrechen würden“, erklärt Linzenich. 2,5 Millionen Euro Einnahmen sind weggebrochen, dazu kommen die unerwarteten Ausgaben für die Aufnahme von Flüchtlingen.

Ursprünglich geplant war ein Minus von 3,5 Millionen Euro für 2016. „Im Moment sieht es so aus, dass es 5 oder 5,5 Millionen Euro werden“, verrät Linzenich. Eigentlich mag der 32-Jährige Zahlen. Die Indener Haushaltszahlen sind für den ehemaligen Schüler des Stiftischen Gymnasiums Düren (Abitur 2003) eine schwere Aufgabe.

Rechne man diese veränderten Bedingungen in den Finanzplan bis 2022 ein, dann erreicht Inden den Haushaltsausgleich nicht, vielmehr geht der Gemeinde 2021 das Eigenkapital aus. „Das verhindern wir nur, wenn wir die Einnahmen erhöhen“, schildert der Mann, der als Übergangs-Kämmerer im Moment vor allem die Indener Finanzen im Blick hat.

Wie viel höher die Steuern werden, vermag er nicht zu sagen. „Zu befürchten ist aber, dass die Prozentpunkt-Zahl vierstellig wird.“ Es sei denn, es ändert sich Grundsätzliches, beispielsweise, indem Bund und Land mehr Last übernehmen, die derzeit bei den Kommunen liegt. Derzeit aber nichts darauf hin. Natürlich müsse die Gemeinde gleichzeitig alle Möglichkeiten prüfen, um Geld einzusparen oder Abläufe zu optimieren. Die Einnahmen — also Steuern — erhöhen, die Ausgaben senken; das sind die zwei Stellschrauben, die eine Kommune hat. „Wir werden an ihnen drehen müssen“, sagt Linzenich.