Vereinigten Industrieverbände: Hans Helmuth Schmidt seit Mai neuer Vorsitzender

Vereinigten Industrieverbände : Hans Helmuth Schmidt seit Mai neuer Vorsitzender

Spätestens als der Satz fiel „Das bist du deinem Vater schuldig“, war für Hans Helmuth Schmidt die Entscheidung gefallen. „Damit hat Stephan Kufferath mich überzeugt“, sagt der 60-jährige Unternehmer aus Merken.

„Und ich habe mich für das Amt des Vorsitzenden der Vereinigten Industrieverbände zur Verfügung gestellt.“ Eine Entscheidung, die Schmidt, der das Amt im Mai angetreten hat, nicht bereut hat. „Das ist eine Aufgabe, mit der man viel bewegen kann“, sagt er. „Und eine Aufgabe, mit der man viel geben kann.“

Gleichwohl sei ihm bewusst, dass die Fußstapfen, die Dr. Stephan Kufferath, der den Verband 20 Jahre geführt hat, sehr groß seien. „Sein Nachfolger zu sein bedeutet eine große Ehre. Ich weiß einfach, wie sehr Stephan Kufferath dieses Amt in den vergangenen 20 Jahren geprägt hat.“

Als Vorsitzender der Vereinigten Industrieverbände Düren, Jülich, Euskirchen (VIV) vertritt Schmidt rund 150 Unternehmen mit gut 20.000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von etwa fünf Milliarden Euro. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt der Familienvater, der sich selbst als „Dürener Gewächs“ bezeichnet. „Und eine nicht minder große Verantwortung“.

Schmidt ist geschäftsführender Gesellschafter der Dürener CWS-Unternehmensgruppe, einem Betrieb, der 1864 gegründet wurde und sich seitdem ununterbrochen in Familienbesitz befindet. „Wir sind eine der ältesten Lack- und Farbenfabriken weltweit. Als mein Ururgroßvater die Lackfabrik gegründet hat, gab es — heute unvorstellbar — nicht einmal Strom“, sagt er nicht ohne Stolz.

Seit zwei Jahrzehnten setzt das Unternehmen vor allem auf umweltfreundliche Technologien, zum Beispiel auf Pulverlacke. Schmidt: „Wir produzieren Lacke für den industriellen Bereich. Unsere Produkte können überall da eingesetzt werden, wo Dinge metallisch beschichtet werden müssen.“ Das Familienunternehmen stand zunächst in Düsseldorf, wurde aber im Krieg völlig zerstört. „Mein Großvater“, sagt der Ingenieur, „hat einen neuen Standort gesucht und ist in Merken fündig geworden. Dort hat er eine alte Papierfabrik gekauft. Seitdem ist unser Unternehmen in Düren ansässig.“

Hans Helmuth Schmidt, neuer Vorsitzender der VIV. Foto: Kinkel

Aber längst nicht nur: CWS hat Standorte in den USA, Polen und Dänemark und beschäftigt weltweit 400 Mitarbeiter. „Ich denke, wir sind das, was man klassisch als mittelständisches Unternehmen bezeichnen kann. Und genau diese Art von Unternehmen sind es ja auch, die wir in den Industrieverbänden vertreten.“

Die VIV übernehmen verschiedene Dienstleistungsaufgaben für ihre Mitgliedsunternehmen. Schmidt nennt ein Beispiel. „Es gibt viele Firmen, die keine eigene Rechtsabteilung haben. Die bekommen von uns Unterstützung. Darüber hinaus ist der Verband aber vor allem in den Bereichen Umweltschutz, und Energiekostenmanagement, Tarif- und Sozialpolitik, Bildungsarbeit und Arbeitswirtschaft aktiv.“ In seiner Funktion als VIV-Vorsitzender will Schmidt, der sich schon viele Jahre speziell im Bereich Chemie der Industrieverbände engagiert, die Interessen der Industrie bündeln und Sprachrohr für seine Kollegen sein.

Mehr Aufklärungsarbeit

„Wir müssen die Menschen in unserer Region mehr davon überzeugen, dass gesellschaftlicher Wohlstand nur mit starken Unternehmen möglich ist. Oder anders formuliert: Gute Unternehmen sind die Basis unseres Wohlstandes.“ In Ländern wie Bayern oder Baden-Württemberg seien die Menschen stolz auf ihre Industrie, der Rückhalt in der Bevölkerung ist dort sehr groß. „Im Kreis Düren gibt es da eher eine gemischte Haltung der Menschen. Da müssen wir mehr Aufklärungsarbeit leisten, auch wenn wir natürlich sehr froh sind, dass wir von der Politik schon sehr getragen werden.“

Schmidt glaubt, dass die Industrie, auch im Kreis Düren, vor großen, fast schon einschneidenden Veränderungen steht und macht das an zwei Aspekten fest. „Ein großes Thema ist der demografische Wandel. In den 90er Jahren kam auf vier Arbeitnehmer ein Rentner. Heute sind es drei. 2030 sind es pro Rentner nur noch zwei Arbeitnehmer. Hinzu kommt der immer größer werdende Fachkräftemangel.“ Um beidem entgegenzuwirken, sagt Schmidt, helfe nur eine „gezielte und gut organisierte Zuwanderung nach kanadischem oder australischem Vorbild“. „Wir brauchen qualifizierte und gut ausgebildete Leute, die exakt zu den heutigen und zukünftigen Anforderungen unseres Arbeitsmarktes passen. Leute, die etwas können und auch wollen.“

Neben seiner Arbeit als Gesellschafter seines Unternehmens und dem neuen Ehrenamt als VIV-Vorsitzender bleibt Schmidt nicht viel Freizeit. „Die, die mir bleibt, verbringe ich am liebsten mit meiner Frau und unseren sechs Kindern.“ Hans Helmuth Schmidt ist eben ein Familienmensch mit Sinn für Traditionen — das muss Stephan Kufferath gewusst haben, als er einen Nachfolger gesucht und zu Hans Helmuth Schmidt gesagt hat „Das bist du deinem Vater schuldig“.