Jülich: Handwerkskammer verleiht den diamantenen Meisterbrief

Jülich: Handwerkskammer verleiht den diamantenen Meisterbrief

Seit ein paar Tagen hat Rudi Schlusche aus Jülich einen besonderen Brief bei sich zu Hause. Es ist der diamantene Meisterbrief der Handwerkskammer Aachen. Über 60 Jahre ist es her, dass Schlusche erfolgreich seine Prüfung zum Friseur-Meister abgelegt hat. Am 10. August 1954 war das.

Allerdings war das Handwerk mit Schere und Kamm nicht der erste Beruf, den Schlusche gelernt hat. Und er sollte auch nicht das letzte Gewerbe sein, in dem der Jülicher tätig gewesen ist. Die erste Ausbildung hat er noch während des Kriegs als Automechaniker gemacht. Weil seine Mutter aber seit 1920 in der Stiftsherrenstraße einen Friseursalon betrieben hat, stieg Schlusche später in den elterlichen Betrieb ein.

„Das war am Anfang schwer. Ich war gewöhnt, mit dem Schraubstock zu arbeiten. Da hatte ich so meine Probleme, als es an das Stutzen der ersten Locken ging“, erinnert sich der Meister-Jubilar.

Funktioniert hat es trotzdem, Ohren hat er nach eigener Aussage keine aus Versehen abgeschnitten. „Ich war damals mit 24 Jahren der jüngste Friseurmeister in der Handwerkskammer“, sagt Schlusche. Mehr als 15 Jahre sei das Geschäft mit Waschen, Schneiden, Föhnen gut gelaufen.

Bis zur Wirtschaftskrise Anfang der 70er Jahre. „Da haben wir uns neben dem Friseursalon ein zweites Standbein zugelegt“, spricht Schlusche über die Geburtsstunde des Sportgeschäfts, das lange Jahre seinen Familiennamen getragen hat und später von Sport Mulack übernommen wurde.

1970 fing der Jülicher an, in der Etage über dem Salon Surfbretter zu verkaufen. Später wurde daraus ein Sportgeschäft mit Voll-Sortiment. 1980 gab er das Friseurhandwerk endgültig dran und hat danach nur Hand angelegt an die Haare von Freunden. 1989 zog das Sportgeschäft um. „Damals war Karl-Heinz Rummenigge bei der Neueröffnung dabei.“

Der Sport hat den 85-Jährigen bis heute nicht losgelassen. „Beine hochlegen — das ist nichts für mich. Ich gehe drei Mal pro Woche ins Fitnessstudio“, sagt er über sein Programm. „Da bleibt man auch im Kontakt mit anderen Leuten.“

Zwei anderen Leidenschaften geht Rudi Schlusche bis heute nach. Er fährt Motorrad, in seiner Garage stehen zwei Gefährte. Eine Harley Davidson. „Das ist so ne Art Sonntags-Chopper“, zum Langsam-Fahren eben. Daneben steht eine BMW mit schlappen 170 Pferdestärken, die man getrost als Ballermann bezeichnen kann.

„Da kann man mal richtig Gas geben“, sagt er. Das nächste Hobby hat weniger mit Adrenalin zu tun und mehr mit Kalorien. „Ich backe für mein Leben gerne Kuchen in allen Variationen.“ Wichtigster Bestandteil aus Schlusches Sicht: gute Butter. Der Automechaniker und Friseurmeister kann sich die Kalorien leisten, mit Blick auf seine anderen Hobbys.

Ruhe finden Schlusche und seine Frau im gepflegten Garten.

Mehr von Aachener Zeitung