Händler im Jülicher Land hoffen auf den Fest-Endspurt

Durchwachsene Zwischenbilanz : Händler im Jülicher Land hoffen auf den Fest-Endspurt

Samstag, aber allerspätestens am Montag, schlägt die Stunde der Spezialisten, die sich alljährlich einen Sport daraus machen, ihre Geschenke erst in allerletzter Minute zu besorgen. Den Geschäftsleuten kann es trotz all des vorweihnachtlichen Stress‘ recht sein, wenn sie zum Finale so noch ihre Bilanz aufbessern.

Verschiedene Einzelhändler im Jülicher Land haben wir nach dem bisherigen Verlauf des Weihnachtsgeschäftes befragt und danach, was sie vom anstehenden „Endspurt“ erwarten.

„Das Buch aus Papier ist immer noch ein Geschenk“, sagt Wolfgang Hommel, der in der Jülicher Buchhandlung Fischer noch weitere Artikel rund um Weihnachten und das Schenken im Sortiment führt. Erfreut ist er, dass die Menschen auf diese Weise auch Inhalte und Werte weitergeben. Da Bücher oft und gerne als „Last-minute-Geschenk“ gewählt werden, rechnet er auch und vor allem am Morgen von Heiligabend mit einem vollen Laden. „Hoffentlich werden beim Endspurt viele Jülich-Bücher wie .Jülich steinreich‘ gekauft“, macht er Reklame in eigener Sache.

„Ich bin mit dem Dezember zufrieden, der Umsatz stimmt“, zieht auch Werner Eikermann vom Jülicher Textilgeschäft „Mode für Ihn“ eine positive Zwischenbilanz, auch wenn bislang noch der Winter gefehlt habe. „Die letzten Tage sind die stürmischsten“, hat er zudem festgestellt, dass das Internet den Einzelhändlern noch eine Lücke gelassen hat für die Zeit, wenn die Versandhändler ihre Ware nicht mehr rechtzeitig zum Kunden liefern (lassen) können. So könne sein Familienunternehmen das Jahr vernünftig abschließen. Zudem lassen sich im örtlichen Geschäft auch Dinge in Ruhe ansehen und anprobieren. Dazu gibt es eine eingehende Beratung, die das Paket für den Kunden abrundet.

Gemischte Zwischenbilanz

Die Zeiten von Gürtel und Krawatte als Standard-Weihnachtsgeschenken sind nach Worten von Detlef Weitz vom Jülicher Jeans-Planet längst passé. „Es hat schleppend begonnen, und beim Endspurt müssen wir leider preislich bluten“, zieht er eine eher gemischte Zwischenbilanz. Er hoffe aber, „noch etwas vom Kuchen abzubekommen“.

„In diesem Jahr wurden mehr hochwertige Waren verlangt“, hat Klaus Kriescher festgestellt, der in Aldenhoven ein Geschäft für Optik, Uhren und Schmuck führt. Modisches werde ohnehin vorwiegend übers Internet vertrieben. Die örtliche Kundschaft, die das Angebot persönlich unter die Lupe nehme, sei sein großer Vorteil gegenüber den Online-Händlern. Zum Endspurt verspricht sich Klaus Kriescher einen Schub durch den Aldenhovener Weihnachtsmarkt, der am Wochenende in den Ort lockt.

„Für uns ist das eine ganz ruhige Zeit“, hat Michael Haberl vom Schlafcenter in Rödingen die letzten Wochen tiefenentspannt erlebt. Zwar seien in der Zeit etliche Auslieferungen an Kunden erfolgt, doch so richtig los geht das Geschäft erst wieder zwischen den Jahren und nach Silvester und Neujahr. „Dann haben die Leute Zeit, sich in Ruhe beraten zu lassen“, verweist Haberl darauf, dass sein Geschäft nicht gerade die typischen Weihnachtsgeschenke im Angebot führt.

Beim Wort Weihnachtsgeschäft muss Wolfram Etzel aus Linnich laut lachen. Dem Inhaber des Goldschmiede- und Uhrenhauses an der Rurstraße hat die Dauerbaustelle direkt vor der Haustüre das Leben und die Geschäfte schwer gemacht, was starke Umsatzeinbußen gezeigt hätten. Punkten könne er nur mit Beratung und Betreuung seiner Kunden, denen er seine Handanfertigungen zu bieten habe. Dem in Linnich umlaufenden Gerücht, dass er nach 35 Jahren sein Geschäft schließen werde, widerspricht Wolfram Etzel brüsk: „Ich bin entsetzt. Ich möchte hier noch fünf bis acht Jahre bleiben“, lautet sein Bekenntnis zu Linnich. „Dann bin ich 70 und kann in Rente gehen.“ Ihm sei schon oft nachgesagt worden, dass er schließen werde, zuckt Etzel die Achseln ob der hartnäckigen Gerüchte. Er mag sich damit trösten, dass sich Totgesagte in der Regel als besonders langlebig erweisen.

Mehr von Aachener Zeitung