1. Lokales
  2. Jülich

Notbetrieb ab 2023 als Ziel: Gutachten fehlt, repariert wird im Jülicher Freibad trotzdem

Notbetrieb ab 2023 als Ziel : Gutachten fehlt, repariert wird im Jülicher Freibad trotzdem

Das von der Flut im Sommer 2021 stark beschädigte Jülicher Freibad soll 2023 im Notbetrieb wieder öffnen. Erste Reparaturarbeiten laufen jetzt an.

Das Jülicher Freibad soll im kommenden Sommer wieder öffnen – allerdings nur in einer Art Notbetrieb. Ob der tatsächlich stattfinden kann, ist aber nicht gesichert. Die Stadtwerke Jülich haben dazu wie bereits im September angekündigt mit den ersten Reparaturarbeiten begonnen.

Im Sommer 2021 hatte das Hochwasser weite Teile des an der Rur gelegenen Freibades beschädigt. Alle Pumpen und Motoren standen unter Wasser und sind unbrauchbar geworden, das Blockheizkraftwerk muss repariert werden, die Stromversorgung wurde zerstört. Allein für die technischen Schäden rechnet man mit Kosten in Höhe von 200.000 Euro. Notwendig wird zudem eine Sanierung der Gebäude. Dabei geht es nicht nur um Schimmelbildung. Im Beckenbereich platzen Fliesen ab, bei den Sprungtürmen liegen Armierungen offen, die Umgänge um die Becken sind in Teilen abgesackt. Was es so kompliziert macht: Bei der Technik können Schäden teilweise erst dann festgestellt werden, wenn das Freibad wieder in Betrieb genommen wird und auch bei den Bodenverwerfungen ist nicht ganz klar, mit welchem Ausmaß an verborgenen Schäden gerechnet werden muss.

Unmittelbar nach dem Hochwasser hatten die Stadtwerke sich zunächst auf die Wiederinbetriebnahme des Hallenbades konzentriert, das ebenfalls von dem Hochwasser betroffen war. Parallel hat man eine erste Schadensermittlung auch am Freibad vorgenommen. Um Fördergelder des Landes zu erhalten, muss allerdings ein Schadensgutachten her, das die Stadt dann Anfang 2022 in Auftrag gegeben hat und auf das man bis heute wartet. „Bislang liegt das vollständige Gutachten nicht vor“, heißt es jetzt von Seiten der Stadt. Zuletzt war es für die Sommerferien zugesichert worden. Die Stadtwerke selbst haben in der Zwischenzeit einen zusätzlichen Gutachter kontaktiert, der aber bisher nicht beauftragt wurde.

Nachdem bereits Anfang September die Kölner Bezirksregierung zugesichert hatte, dass ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn nicht förderschädlich ist, haben die Stadtwerke angefangen, die Technik zu überarbeiten. Pumpen und Stromversorgung werden überprüft und so weit wie möglich ersetzt. „Die Bestellungen für die Ersatzteile sind platziert, allerdings betragen die Lieferzeiten teilweise mehr als ein Jahr. Die beschädigte Steuerungstechnik ist neu nicht zu beschaffen, so dass hier nur repariert werden kann“, heißt es von den Stadtwerken auf Anfrage.

Wie der „Notbetrieb“ im Sommer 2023 dann tatsächlich aussehen kann, ist derzeit noch offen. So könnte es Einschränkungen bei den Besucherzahlen und beim Komfort geben. Das könnte die Frage betreffen, ob die Wasserbecken überhaupt beheizt werden können. Kommt allerdings das Gutachten tatsächlich zu der Erkenntnis, dass das Freibad baufällig und nicht mehr reparabel ist und ersetzt werden muss, hat man noch ein ganz anderes Problem. „Fraglich ist im Falle einer gutachterlichen Bescheinigung, dass die Bausubstanz beschädigt ist, ob beschädigte Bausubstanz temporär betrieben werden darf“, heißt es dazu von der Stadtverwaltung in einer Stellungnahme.

Hinzu käme, dass man dann im Zweifel auch noch das Geld der Reparaturarbeiten „versenkt“ hätte. Umgekehrt: Bestätigt das Gutachten, dass das Freibad wie es im Verwaltungsdeutsch so schön heißt nicht „abgängig“ ist, dürften ohne mögliche Fördergelder für einen angestrebten Neubau in Kombination von Hallen- und Freibad noch ganz andere Kosten auf die Stadt zukommen.