Rödingen: Gummibärchen mit Fisch-Gelatine sind koscher

Rödingen: Gummibärchen mit Fisch-Gelatine sind koscher

Judaistin Monika Grübel freute sich Rödingen über eine „heterogene Gruppe, vom Hebräischschüler im Grundkurs bis hin zum Mitglied aus der Bezirksregierung“, die das Fortbildungsseminar für Hebräischlehrer und -schüler in NRW im LVR-Kulturhaus Landsynagoge gebucht hatten.

„Dass es überhaupt Landsynagogen gab“, wusste etwa Schülerin Annika Zöll aus Opladen überhaupt nicht. Sie fand es sehr interessant, zu erfahren, „wie das Leben hier organisiert war“. Der Bibel-Archäologe Prof. Carl Ehrlich aus Toronto fand das Ambiente um die ehemalige Synagoge mit Vorsteherhaus und -hof schlicht „faszinierend“.

Zu der 36-köpfigen Gruppe zählten sogar jeweils ein Gast aus China und Kirgistan (Russland). Zunächst führten Grübel und Religionswissenschaftler Dr. Alexander Schmalz in zwei Gruppen durch die Ausstellung im ehemaligen Vorsteherhaus und die Synagoge. Nach einem schmackhaften koscheren/vegetarisch/veganen Imbiss in der Hofeinfahrt an der ehemaligen Schlachtstätte war der jüdische Friedhof in Rödingen das nächste Ziel. Hebräische Grabinschriften wurden übersetzt und erklärt. Danach ging es wieder zum Lernen in die Synagoge. Besprochen wurde etwa der Quellenband „Jüdische Lebenswelten im Rheinland“ und das Veranstaltungsprogramm in der Rödinger Synagoge.

Gummibärchen dienten beispielhaft zur Erläuterung der „Kaschrut“, den jüdischen Speisevorschriften. Schweinefleisch ist als unrein verboten, also auch der Verzehr von Schweinegelatine. Nach dem Auftreten des Rinderwahnsinns musste dann aber auch auf Rindergelatine verzichtet werden.

Eine Alternative ist zum Beispiel Fischgelatine. Fisch ist wie Gemüse „parve“ (neutral). Damit wird er nicht den Fleischspeisen zugeordet, die ihrerseits nicht gemeinsam mit Milchprodukten verzehrt werden dürfen.

Gummibärchen mit Fischgelatine dürfen nach der Kaschrut also sogar Sahnetorten zieren.

(ptj)
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