Gruppe aus Israel zu Besuch im Kreis Düren

LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen : Israelis auf den Spuren ihrer Vorfahren

Das LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen, heute das einzige weitgehend im Originalzustand erhaltene Gebäudeensemble dieser Art im westlichen Rheinland, stößt auf breites Interesse in der Bevölkerung.

Zu den Besuchergruppen, die jährlich auch aus fernen Ländern anreisen, zählte unlängst eine Gruppe aus Israel.

Auf den Spuren ihrer Vorfahren reiste sie im Rahmen der Städtepartnerschaft Moers – Ramla (nahe Tel-Aviv) nach Düren und Rödingen. Unter den Gästen, darunter Schüler, Lehrer und Betreuer, weilte Claudio Rusansky. Er ist der Ur-Ur-Urenkel von Abraham Ullmann, älterer Bruder des Synagogenerbauers Isaak Ullmann. Seine Frau Iris und die beiden Kinder Arava (17) und Rem (15) begleiteten ihn. Die Familie weiß erst seit ein paar Jahren von der Familiengeschichte mit Synagoge im fernen Deutschland, seit LVR-Judaistin Monika Grübel sie im Laufe ihrer Recherchen im Familienbuch Euregio vor Jahren ausfindig gemacht und kontaktiert hatte. Einmal waren die Rusanskys bereits Gäste im LVR-Kulturhaus gewesen.

Zuvor hatte die Gruppe auf ihrer Studienfahrt das Grab von Suesmann Ullmann auf dem jüdischen Friedhof in Düren besucht, dann die Stolpersteine am Haus in der Kölnstraße 111, das einst Alphons Ullmann besaß, bevor der Dürener Bürgermeister Paul Larue sie empfing. Die Steine liegen beabsichtigt dort, im Gedenken an jüdische Opfer des Nationalsozialismus. Dazu zählen zählen Alphons Ullmann (1874 in Düren geboren) und seine Frau Julie Ullmann, (geb. Cohnen aus Grevenbroich), beide ermordet in Sobibor, und seine Schwestern, die Zwillinge Edith und Inge Ullmann, beide in Auschwitz ermordet.

Suesmann Ullmann (1826 in Rödingen geboren und 1907 in Düren gestorben) ist eines der zehn oder elf Kinder von Isaak Ullmanns Bruder Abrahahm (1786 bis 1868), der Viehhändler und Kaufmann in Rödingen war. Alphons, Sohn von Suesmann, hatte wiederum einen Sohn, nämlich Claudios Großvater Werner Friedrich Ullmann (1915 bis 1984), der nach Argentinien auswanderte.

In Kürze wird eine Gruppe aus Buenos Aires zu Gast im LVR-Kulturhaus sein, darunter Roby Ullmann, Enkel von Alphons Ullmann. Der vermutlich letzte Ullmann wurde laut Claudio Rusansky vor zwei Jahren in Uruguay geboren. Die israelische Gruppe verfolgte mit großem Interesse eine Führung durch Synagoge und Wohnhaus mit Religionswissenschaftler Dr. Alexander Schmalz und Judaistin Monika Grübel.

(ptj)
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