Jülich: Grüne fordern ein Jugendamt für Jülich

Jülich: Grüne fordern ein Jugendamt für Jülich

Die Jülicher Grünen wollen die Stadtentwicklung familienfreundlicher gestalten.

Nach der Gründung einer Sekundarschule mit überdurchschnittlichen Anmeldezahlen lasse die Zusammenarbeit der politischen Parteien wieder nach.

„Wir sehen derzeit leider die Gefahr, dass die positiven Ansätze in der Jülicher Stadtentwicklungspolitik nun schon wieder dem Bemühen um parteipolitische Profilierung geopfert werden”, so die Grünen. Die Diskussionen in den letzten Ausschusssitzungen gaben jedenfalls ihrer Meinung nach keinen Anlass zum Optimismus.

Einzelmaßnahmen und Leuchtturmprojekte die nur der eigenen parteipolitischen Profilierung dienten, seien genau so wenig geeignet die Attraktivität Jülichs nachhaltig zu steigern, wie die pauschale Ablehnung aller Vorschläge aus dem anderen politischen Lager.

Beispiel Jugendamt: Die Einrichtung eines eigenen Jugendamtes in Jülich soll der Sicherstellung einer effiziente, ortsgerechten, wohnortnahen Kinder- und Jugendpolitik dienen. Eine Arbeit, die das Kreisjugendamt nach Meinung zahlreicher Jülicher Experten nicht leistet, so die Grünen. Die Experten blickten dabei teilweise auf über fünfzehnjährige Negativerfahrungen zurück.

Zur Bewertung der Vor- und Nachteile eines eigenen Jugendamtes, auch in finanzieller Hinsicht, wurde ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Eine vorläufige Bewertung liegt jetzt vor. Die Kostenfrage kann aber aus Sicht der Stadtverwaltung derzeit noch nicht abschließend geklärt werden, da in der Begutachtung einige Fragen offen geblieben seien.

Dennoch wurde das Vorhaben bereits im Vorfeld durch die Politik mit dem Hinweis auf die zu erwartenden Kosten abgelehnt, kritisieren die Grünen. Die Fachleute aus dem Bereich Kinder- und Jugendarbeit wurden aufgefordert, die gewünschte Qualität beim Kreisjugendamt anzumahnen. Die Grünen plädieren dafür, erst nach einer abschließenden Bewertung ein Urteil über die Machbarkeit zu fällen. In die Bewertung sollten aus Grünen-Sicht nicht nur die rein finanziellen Aspekte, sondern auch der „geldwerte Vorteil” eines eigenen Jugendamtes einfließen.

Beispiel öffentlicher Nahverkehr: Jülich ist sehr schlecht an die umliegenden Verkehrsverbünde angeschlossen und auch innerstädtisch nur unzureichend vernetzt. Konzepte und Gutachten zur Einführung eines Ortsbussystems, sowie preisgünstige Tarife für Kinder und Jugendliche, gültig im gesamten Aachener Verkehrsverbund durch die Einführung eines School & Fun-Tickets haben die Grünen beantragt. Das S & F Ticket wurde bereits abgelehnt.

Beispiel Kinderbetreuung: Besonders in der Schulkinderbetreuung kann Jülich derzeit als Vorreiter gelten. Die Sekundarschule wird eine Ganztagsschule sein und an allen Jülicher Grundschulen sind inzwischen offene Ganztagsschulen (OGS) als Betreuungsangebot etabliert. Dieser Bereich ist jedoch für Jülich nicht kostenneutral.
Hier muss aus Sicht der Grünen der Grundsatz des Demografie- und Sozialberichts gelten: „Die begrenzten finanziellen Ressourcen ... sind ... zu fokussieren”.

Sozialpolitik mit der Gießkanne ist für Jülich nicht bezahlbar. Daher haben die Grünen hier für die Abschaffung der Beitragsfreiheit im ersten OGS-Jahr plädiert. Die zu erwartenden Mehreinnahmen sollten zur Verbesserung der Betreuungsqualität beitragen. Mögliche weitere finanzielle Spielräume sollten gezielt eingesetzt werden z. B. als Essengeldzuschuss oder zur Beitragsbefreiung von Geschwisterkindern. Eine einseitige Beitragserhöhung für Besserverdienende berge die Gefahr, dass die OGS zu einer Verwahreinrichtung für soziale Randgruppen werde.

Dier Bevölkerungsschwund führt im Demografie- und Sozialbericht zu der Schlussfolgerung, dass insbesondere Familien, Kindern und Jugendlichen ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität geboten werden muss. Die vier Beispiele bieten nach Meinung der Grünen besonders in der Summe eine Chance, die Attraktivität Jülichs als Familienfreundliche Stadt nachhaltig zu stärken.