Jülich: Großes Interesse an vielen kleinen Phänomenen

Jülich: Großes Interesse an vielen kleinen Phänomenen

Der neunjährige Leonard Wolfram aus der 4b der Katholischen Grundschule (KGS) Jülich bringt an der „Pendelstation“ einen Pendel in Bewegung, der in beide Richtungen unterschiedlich lang schwingt. Durch diese Überlagerung zeichnet er reizvolle Bilder in das unter ihm liegende Sandbett. „Man kann viele neue Sachen entdecken“, deshalb findet Leonard die „Miniphänomenta“ sehr interessant.

Zu den bevorzugten Stationen der achtjährige Anya Li, ebenfalls aus der 4b, zählt das „Kinorad“, das wegen der benötigten Ruhe zum Experimentieren nicht wie die meisten anderen in den Schulfluren, sondern in einem der Treppenhäuser seinen Platz gefunden hat.

Gleich oder ungleich? Leonard Wolfram beweist, dass die ungleich erscheinenden Holzstücke durch das Phänomen Größentäuschung absolut gleich sind. Foto: Jagodzinska

Schaut man durch eine der beiden geschlitzten Scheiben im Drehprozess, kommen scheinbare Bewegungen zustande. Die menschliche Wahrnehmung kann die schnell wechselnden Bilder nicht mehr voneinander unterscheiden. So entsteht für das träge Auge ein Minifilm. Auch Anya findet die Stationen sehr „interessant und lehrreich“.

Blick in die Unendlichkeit

Mit der „Miniphänomenta“ hielten erstmals 52 Experimentierstationen für zwei Wochen Einzug in die KGS. So kann etwa durch „Spiegel im Spiegel“ ein Blick in die Unendlichkeit geworfen werden. Zwei Kugeln stoßen beim „Galilei-Prall“ auf einer kreisförmig gebildeten Bahn immer an der gleichen Stelle zusammen. Beim „Klopfophon“, dem aktuellen „Renner“ in der Schule, werden angeschlagene Röhren zum Musikinstrument. Durch das Phänomen Größentäuschung erscheinen zwei völlig gleiche abgerundete Hölzer ungleich.

„Kinder besitzen ein großes Interesse an Dingen, die nicht auf den ersten Blick erklärbar sind. Sie sollen deshalb frühzeitig an Naturwissenschaften und Technik herangeführt werden“, erklärt Schulleiterin Diana Prömpers ihre Motivation, das Experimentierfeld nach Jülich zu holen. Weil die „Miniphänomenta“ schon in der Grundschule Wissen, Neugier und Kreativität fordere und fördere, erhofft sich Prömpers ein lang anhaltendes Interesse, das möglicherweise in der Wahl eines technischen Berufes mündet.

Das entscheidende Instrument des von Professor Lutz Fiesser von der Universität Flensburg entwickelte und wissenschaftlich erprobte Konzept liegt in einer intensiven Lehrerfortbildung. Diese vermittelt das notwendige Fachwissen und die pädagogischen Unterrichtskonzepte. So absolvierten Prömpers und Konrektorin Ruth Schall ein Fortbildungswochenende. Dabei erlebten sie Werkfreude im Nachbauen eigener Experimentierstationen und gaben Wissen und eigene Erfahrungen an das Kollegium und später an die Grundschüler weiter.

Unterstützung der VIV

Die „Vereinigten Industrieverbände Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung e.V.“ (VIV) stellen die Station für die selbstständige Erkundung naturwisschenschaftlicher Phänomene der Kinder zur Verfügung. Ferner finanzieren sie im Vorfeld die Fortbildung der Lehrkräfte und das Lehrmaterial. Ziel ist, eine Nachhaltigkeit in der Arbeit zu erreichen. So sollen einzelne Stationen durch Eltern und Lehrkräfte eigenhändig nachgebaut werden. Interessierte mit handwerklichem Geschick mögen Schulleiterin Diana Prömpers kontaktieren.

(ptj)
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