Jülicher Land: Grippe hat das Jülicher Land fest im Griff

Jülicher Land: Grippe hat das Jülicher Land fest im Griff

„Stark erhöhte Influenza-Aktivität“ vermeldet seit Tagen die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Soll heißen, die Atemwegserkrankungen nehmen stetig zu. Die Virusgrippe sorgt dafür, dass in Verwaltungen und Betrieben die Krankmeldungen zunehmen, die Krankenhäuser in Linnich, Jülich oder Lendersdorf voll ausgelastet sind.

Darüber hinaus blieben die Belegschaften von der Grippewelle selbst nicht verschont. „Wir sind an unsere Kapazitätsgrenze bei den Aufnahmen angelangt. Seit zwei Wochen hat sich auch unser Krankenstand beim Personal stark erhöht“, beschreibt der Kaufmännische Direktor Renardo Schiffer aus Titz den aktuellen Ist-Zustand im St. Augustinus-Krankenhaus in Lendersdorf.

Das führte zum Beispiel dazu, dass seit Beginn dieser Woche zwei Abteilungen — die Innere Medizin sowie die Orthopädie — geschlossen werden mussten. „Aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserem Personal, den Patienten und den Ärzten“, sagt Schiffer. So musste beim Personal eine komplette Schicht gestrichen werden.

Das St. Augustinus-Krankenhaus zählt wie die Kliniken in Jülich, Linnich und Birkesdorf zur Caritas Trägergesellschaft West (ctw), die mit Blick auf die Personalsituation in einem steten Dialog stehen. So berichtet Schiffer, dass die Abteilung Innere Medizin in Jülich aus allen Nähten platze. Die Krankenhäuser aus der Region seien schon mit der Bitte an die ctw herangetreten, vielleicht mit Personal auszuhelfen. „So eine Grippewelle hatten wir schon einmal vor zwei Jahren“, erinnert sich Schiffer.

Natürlich bleiben auch die Bediensteten von Stadt- und Gemeindeverwaltungen nicht von den Atemwegserkrankungen verschont — auch wegen des Publikumsverkehrs in einigen Fachämtern. Damit begründete die Rechtsrätin der Stadt Jülich, Kerstin Schippers-Haffner, zum Beispiel im Bürgerausschuss die fehlende Information bei dem einen oder anderen Antrag.

„Tut mir leid, aber der momentane Krankenstand ließ eine Bearbeitung bisher nicht zu“, vertröstete sie die Antragsteller auf später. Dennoch, so betont Richard Schumacher, Leiter des Haupt- und Personalamtes, sei der Krankenstand im Jülicher Rathaus nicht dramatisch hoch.

„Wir haben im Moment 45 krank geschriebene Kollegen“, sagt er, was rund elf Prozent des Personals ausmache. Auch in der Titzer Verwaltung war zu hören, dass der Krankenstand zurzeit höher ist als normal. In allen Fachbereichen gebe es Krankmeldungen, hieß es.

„Unsere Produktion leidet nicht, aber den einen oder anderen unserer Arbeitnehmer hat es doch stark erwischt“, beschrieb Personalleiter Kai Kelzenberg die Situation beim Wellpappenwerk von Gissler & Pass in Jülich. Ähnliches habe man schon im Vorjahr erlebt. „Jetzt kommen Magen-Darm-Erkrankungen dazu.“

Die waren allerdings nicht die Hauptursache dafür, dass sich am Wochenende das St. Josef-Krankenhaus in Linnich beim Kreis „abmelden“ musste. „Das hieß im Klartext, dass der Rettungsdienst des Kreises informiert wurde, wenn möglich mit akuten Notfallpatienten andere Krankenhäuser anzufahren“, berichtet der Kaufmännische Direktor Alexander Weisser.

Das war der Tatsache geschuldet, „dass wir bis an die Oberkante belegt sind“. In dem Zusammenhang sprachen er und seine Kollegen in den anderen Krankenhäusern dem Pflegepersonal ein dickes Lob aus. „Es war sicher eine Herausforderung, den Dienstplan so zu besetzen, wie es unser Standard ist“, sagte Weisser.

Das sei nur möglich mit „einem hochmotivierten Team, das in solchen Situationen persönliche Belange zurückstellt“. So hätten Mitarbeiter auf Urlaubstage verzichtet oder Fortbildungen verschoben, um Krankheitsfälle beim Pflegepersonal aufzufangen. Nur so sei der Betrieb aufrecht erhalten worden. Weisser: „Kein einziger Patient musste abgewiesen werden.“

Jochen Mohr vom Forschungszentrum Jülich, größter Arbeitgeber in der Region, spricht von einer „deutlich erhöhten Zahl von Atemwegsinfekten“, die der Betriebsarzt konstatiert habe.

(hfs.)