Jülich: Grandiose Effekte mit einfachsten Mitteln erzielt

Jülich: Grandiose Effekte mit einfachsten Mitteln erzielt

Wie ein glänzendes Band reihen sich grün-golden angestrahlten Bäume entlang der Themengärten und Kunstfelder im Brückenkopf-Park aneinander. Im grünen Scheinwerferlicht erhebt sich das Apfelquadrat.

Der leichte Nieselregen lässt die zauberhafte Malerei auf der Wildschweinbrücke in der Dunkelheit noch stärker erstrahlen. Aus Lichtschläuchen modellierte Lichtgeister tauchen am Volierenweg durch den Zoo auf. Hellblaue und blassrosa Würfel im Stadtgarten strahlen von innen heraus, bilden einen geometrischen Kontrast zu den angestrahlten Bäumen im Goldglanz. Das Klettergerüst wirkt durch Diaprojektionen wie in Geschenkpapier gewickelt. Nahe der Kirmesbrücke grast friedlich eine pastellfarbene Pferdeherde aus dünnem Pappelholz. An der Hauptbühne tauchen Elvis Presley, Marilyn Monroe und Michael Jackson als leuchtende Scherenschnittfiguren auf. Märchenhaft teilt der leichte Wind einen rot-golden angestrahlten Vorhang auf dem von „Robolights” gesäten Pulverweg durch den Wald, ein Märchenfiguren-Mobile schwebt über dem grün-violetten Pflanzenbett.

„Aaah” und „Oooh”-Rufe der ersten Besucher auf dem zirka drei Kilometer langen Rundweg durch den Park waren besonders in der in allen Regenbogenfarben angestrahlten Südbastion zu hören, zweifelsohne der Höhepunkt beim „Herbstleuchten”. Jede Mauer in der Hohltraverse 6 der Festung ist in ein andersfarbenes Licht getaucht. In einer Kammer erhebt sich eine weiße Schneiderfigur von einer mit kleinen goldenen Masken übersäten lilafarbenen Wand. Von einer arabesken Folienprojektion wird das Gemäuer des Bogengangs überlagert, die ankommende Besucher selbst in dieses Muster taucht. Irgendwo im Gang steht eine Trommel, unwiderstehlich für ein kleinen Jungen, der sie entdeckt hat.

Der „Illuminator” mit dem passenden Namen Wolfgang Flammersfeld hat „zwischen zehn und zwölf Kilometer Kabel verlegt”, die Zahl der LED, Strahler, Projektoren, Scheinwerfer, Lichterketten und Lampions schätzt er insgesamt auf 300. „Das Schwierigste ist immer das Gesamtkonzept”, erzählt Flammersfeld, legte sich später im Gespräch jedoch auf den grünen Pulverweg als größte Herausforderung des Projekts „Herbstleuchten” fest. Zwei bis acht Leute sind in der Vorbereitung eines solchen Projekts vonnöten. „Wenn alles läuft, nur noch einer”, so Flammersfeld. Das „eine oder andere” will er in den zwei Aktionswochen noch ändern, eine Inszenierung sei ja stets ein fließender Prozess.

„Ich habe noch nie einen Künstler gesehen, der mit solch einfachen Mitteln eine solch gezielte Wirkung erreicht. Einfach klasse”, lobte Hajo Bülles, stellvertrentendder Geschäftsführer der Park-Gesellschaft, den Künstler in den höchsten Tönen. Ein Beispiel sind die Lichtwürfel im Stadtgarten, die wirken wie mit gemustertem Leinentuch bespannt, dabei handelt es sich um milchige Haushaltsfolie.

Park-Chefin Dorothee Esser hatte 2011 das „Herbstleuchten” in Hamm bewundert. Sie hatte sofort die Umsetzung im heimischen Park vor Augen. „Die Leute können sich erst nicht vorstellen, was das ist”, deshalb setze sich Flammersfelds Erfahrung nach der Besucherstrom nur langsam in Bewegung. Besucherströme hätte das „Herbstleuchten” allerdings wirklich verdient, selbst bei Regen lohnt sich ein Besuch, werden doch die Farben im nassen Glanz noch intensiviert.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Die spektakuläreLicht- und Farbinszenierung im gesamten Park mit Ausnahme des Zoos dauert bis zum 21. Oktober. Sonntags bis donnerstags ist der Park von 19 bis 22 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 19 bis 23 Uhr.

Erwachsene zahlen 6 Euro, die Dauerkartenbesitzer zwei. Kinder unter einem Meter sind frei, darüber zahlen sie drei Euro. Besitzt ein Kind eine Dauerkarte, zahlt es einen Euro.

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