Graf von Keyserlingk: "Tonspuren" in der Schlosskapelle

Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz : „Tonspuren“ mit prallem Programm in der Schlosskapelle

Anlass zu dem „Auswärtskonzert“ der „Tonspuren“ aus Düren war die XV. Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz, die dieses Jahr vom Kreis Düren und damit an der Rur ausgerichtet wird.

Schirmherr der Aktion ist Landrat Wolfgang Spelthahn, der den Brückenschlag zwischen der Partnerstadt Mytischi, die in der Oblast Moskau gelegen ist, und Düren sehr begrüßt.

Die im Juni stattfindende Konferenz wird mehrere hundert Menschen aus Russland und Deutschland im Gespräch zusammenbringen. „In den Zeiten, in denen sich die ‚große Politik’ mit der Verständigung schwer tut, zählen der Austausch und die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene umso mehr“, sagte Spelthahn in seinem Grußwort.

Auch Musik verbindet. So konnten sich die vielen Gäste in dem geschichtsträchtigen Ambiente der Jülicher Schlosskapelle über ein Barockkonzert freuen, bei dem der geschichtliche Zusammenhang bei der Programmgestaltung maßgeblich war.

Verbindungsglied bei den verschiedenen Komponisten des 18. Jahrhunderts war der Graf Hermann Carl von Keyserlingk, der als russischer Gesandter in Dresden als Förderer, Mäzen und Freund entscheidend die Ausbildung, den Werdegang und die Karrieren bedeutender Komponisten und Musiker beeinflusst hat. Auch zum Hof des großen Musikfreundes und Flötisten Friedrich des Großen bestand enger Kontakt.

So erklangen Werke von Johann Sebastian Bach, der Bachsöhne Carl Philipp Emanuel, Wilhelm Friedemann Bach und anderen Zeitgenossen.

Zu dem Ensemble gehörten der russische Geigenvirtuose Evgeny Sviridov, der bis 2016 in St. Petersburg gelebt hat, die Flötistin Darja Großheide, der Cellist Davit Melkonyan und der Cembalisten Markus Märkl.

Die Musiker boten an diesem Abend Werke für verschiedene Besetzungen, die in schönstem Zusammenspiel und perfekter Interpretation erklangen. So waren die „Trio Sonate in d-moll“ von C. Ph. E. Bach und Aria und die „Triosonate in G-Dur“ von J.S.Bach als Anfangs- und Schlusspunkt des Konzertes ein würdig gesetzter Rahmen.

Jeder Künstler zeigte sich aber auch in Solo-Werken als ausgezeichneter Solist an seinem Instrument. Eines der Highlights war die „Sonate C-Dur für Violoncello und Basso continuo in d-moll“ von Carl Heinrich Graun, die Davit Melkonyan am Cello mit großer Virtuosität und grandioser Tongebung spielte.

Die „Polonaisen C-Dur und C-Moll“ von W. F. Bach und die beiden Sätze aus den „Goldberg Variationen“ gaben Markus Märkl Gelegenheit, sich als exzellenter Cembalist zu zeigen.

Die Flötistin Darja Großheide bestach mit schwebendem Flötenton und fließenden Arabesken. Traumhaft schön erklang das „Cantabile“ aus der Sonate in D-Dur für Flöte und Basso Continuo von Johann Gottfried Müthel, ebenso wie das „Duo in e-moll“ von C. Ph. E. Bach im Zusammenspiel mit Evgeny Sviridov an der Geige. Der russische Geiger bot die „Sonate X in F-Dur“ von Luigi Madonis und die „Sonate Nr. 8 in Es-Dur“ von Domenico Dall’Oglio im perfekten Zusammenspiel mit Cello und Cembalo mit strahlendem, singenden Geigenton und virtuoser Technik.

Für den langanhaltenden, herzlichen Applaus und die vielen Bravo-Rufe bedankten sich die Musiker mit einem stimmungsvollen russischen Volkslied, dessen schlichte Melodie in mehreren Variationen virtuose Fortsetzung fand.

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