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Gottesdienst to go mit Megaphon

„Spaziergang mit dem Herrn“ : Gottesdienst to go mit einem Megaphon

„Wo ist denn die Kirche in dieser Krise präsent?“ Diese an Diakon Arnold Hecker gestellte Frage nahm Propst Josef Wolff als leitender Pfarrer der Kirchengemeinde „Heilig Geist“ Jülich gerne als Anliegen auf. So kam es zu einem eher ungewöhnlichen „Spaziergang mit dem Herrn“.

„Wenn wir als Kirche nicht in der Krise Präsenz zeigen, dann brauchen wir uns nach der Krise gar nicht mehr zu zeigen – obwohl das Versammlungs- und Kontaktverbot auch uns heftig die Arbeit erschwert“, ist seine Meinung. So kam es am Wochenende zu kleinen Gottesdiensten der anderen Art in einigen Teilen der Kirchengemeinde, nämlich Schophoven, Welldorf, Mersch-Pattern und Güsten.

Feierlich läuteten am frühen Samstagnachmittag die Glocken der Kirche St. Barbara in Schophoven. Sie luden allerdings nicht etwa zu einer Trauung oder Taufe ein, die in Zeiten der Corona-Pandemie nur ausnahmsweise und in verkürzter Form gefeiert werden. Stattdessen verließ Propst Josef Wolff in Talar und Chorrock, mit Megaphon auf dem Rücken und Gebetbuch in der Hand, die Kirche und zog langsam durch den Ortskern. Er sang Fronleichsnamslieder wie „Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir“ oder „Christus Sieger, Christus König...“

Im vorgeschriebenen Sicherheitsabstand folgte ihm Diakon Hecker in ähnlicher Gewandung mit einer verzierten, goldenen Monstranz in Händen. Sie barg die konsekrierte (geweihte) Hostie, die nach katholischen Glauben den Herrn in Realpräsenz zeigt und der Verehrung und Anbetung Christi dient. Diesen „Spaziergang mit dem Herrn“ kennen katholische Gläubige bislang nur vom Hochfest Fronleichnam. Propst Wolff klärte auf: „Was wir an Fronleichnam feiern, ist nicht nur an Fronleichnam gültig und wahr, seine (Christi) liebevolle, seine mitleidende Gegenwart. Er geht mit uns durchs Leben“, sprach er durch sein Megaphon. An etwa jedem dritten bis fünften Haus im Ortskern Schophovens traten Menschen vorschriftsmäßig in Zweiergruppen oder mit gebührendem Abstand vor die Türe, um sich vom Diakon den sakramentalen Segen spenden zu lassen.

Auch Radler halten an

Auch der eine oder andere Radfahrer hielt an. „Eine gute Idee“, rief eine Bikerin. Kleine Gottesdienste mit Pfarrer Konny Keutmann und Diakon Hecker folgten am Sonntagvormittag vor den Senioreneinrichtungen „Hildegardisstift“ und der Wohnanlage Zitadelle. „Grünes Licht“ hat Propst Wolff nun für eine heilige Messe in der Krankenhauskapelle des St. Elisabeth-Krankenhauses. Diese Eurcharistiefeier, die er alleine zelebriert, soll in die Patientenzimmer übertragen werden und ist für den Vorabend zu Palmsonntag geplant.

(pti)