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Jülich: Golfplatz plus Residenz für betuchte Betagte?

Jülich : Golfplatz plus Residenz für betuchte Betagte?

Das Golfprojekt in Jülich ist noch nur ein Hirngespinst.

Geht es freilich nach den Vorstellungen einer Projektgruppe in den Niederlanden sollen schon 2004 alle Voraussetzungen geschaffen werden, dass nordwestlich des Parks die Bälle fliegen. Eine schnöde Golfbahn ist den Nachbarn zu wenig. Ihnen schwebt vielmehr eine Großprojekt vor, bei dem der Sport nur den Rahmen bildet. Eingebettet wären Senioren-Appartements mit Vollversorgung, Hotel und Klubhaus.

120 Kilometer von Jülich entfernt präsentierten die Niederländer den Generalplan, der in kleiner Form auch jenseits des Niersteiner Weges Realität werden könnte. Interessierte Beobachter waren der stellvertretende Bürgermeister Martin Marquardt, der städtische Wirtschaftsförderer Frank Rutte-Merkel - und unsere Zeitung.

Im „Resort Bleijenbeek” in Afferden (Gemeinde Bergen) entwickelt die Terlingen Real Estate Group eine Kombination aus Natur, Kulturdenkmal, Sport und Wohnbetreuung. Die vorhandene Ruine des Gutshofes Bleijenbeek sowie einige Bauernhöfe auf einem 280 Hektar (!) großen Areal werden erhalten, aber teilweise umgebaut. Stolz verweisen die Planer darauf, dass sie auf ökologische und archäologische Besonderheiten Rücksicht nehmen, indem Schutz- und Ruhezonen eingeräumt werden.

Architektonischer Clou des Komplexes ist ein der Historie nachempfundener Turm des einst wehrhaften Rittergutes, der „aufersteht” und das Hotel beherbergen soll. Aus diesen Einzelkomponenten heraus kommt die Terlingen-Gruppe zu einem Motto für das komplette Bleienbeek-Projekt: Bewahren durch Entwicklung.

Besonderes Interesse galt bei der Präsentation in Afferden dem Senioren-Wohnprojekt. Grundannahme: Die älteren Damen und Herren wollen so lange wie eben möglich selbstständig und selbstbestimmt leben. Auf der riesigen Fläche im „Resort Bleijenbeek” werden mehrere Wohnkomplexe eingerichtet, in denen die kleinste Einheit bescheidene 150 Quadratmeter groß ist. Womit bewiesen wäre: Die Kandidaten müssen nicht nur betagt, sondern auch betucht sein.

In den Residenzen können sich die Senioren auf Wunsch aller Arbeiten entledigen. In einem Baustein-System werden Wohnungsreinigung, Wäsche, Essen, medizinische Betreuung und Pflege auf Wunsch geleistet. Die Paare oder Alleinstehenden finden in einem für die Allgemeinheit nicht zugänglichen „Grand Café” die Möglichkeit, in stilvollem Ambiente mit den weiteren Bewohnern zu kommunizieren.

Ansonsten ist „Bleijenbeek” sehr wohl für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Areal mit 18- plus 9-Loch Golfanlage wird von Wegen durchzogen, die Radlern und Spaziergängern zur Verfügung stehen.

Baubeginn der Golfanlage ist im Frühjahr 2004. Das Gesamtprojekt, das nur noch wenige politische Genehmigungen benötigt, soll bis 2007 vollständig realisiert sein.

Der Jülicher Wirtschaftsförderer Frank Rutte-Merkel gab sich nach der Präsentation diplomatisch und findet die Pläne „interessant”. Natürlich seien sie nicht 1:1 auf die Herzogstadt übertragbar. „Aber wir haben jetzt auch eine Alternative. Das ist ja nicht schlecht.” Rutte-Merkel spielt auf einen zweiten potenziellen Investor an, der an der Rur „nur” einen reinen Golfplatz plus Klubhaus errichten möchte.

Vize-Bürgermeister Martin Marquardt hält die niederländische Initiative für „zukunftsweisend” und „könnte sich Ähnliches hier in Jülich vorstellen”. Ein Projekt, auf hiesige Verhältnisse angepasst, sei mit Blick auf die entstehenden Arbeitsplätze ein Gewinn. Marquardt setzt Schwerpunkte: Erst den Golfplatz, den Rest später. Uli Paetzel will mit einem Investor aus Österreich in Jülich einen reinen Golfplatz (9 Löcher) mit Driving Range und Klubshaus errichten und betreiben.

Andy Clarke (Köln-Roggendorf) hat derweil nur Interesse am Betrieb einer Anlage in Jülich und bereits Kontakte zu den Niederländern geknüpft.